Gottesgemahlin des Amun

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Gottesgemahlin des Amun
Bedeutendes Priesterinnenamt im Amun-Kult

Gottesgemahlin des Amun – Priesterinnentitel zwischen Mythos und Politik

Gottesgemahlin des Amun war ein Priestertitel der ausschließlich nur an weiblichen Angehörigen des Königshofes vom Neuen Reich (1550–1070 v. Chr.) über die Dritte Zwischenzeit (1070–664 v. Chr) bis zur 26. Dynastie in der Spätzeit (664-525 v. Chr.) vergeben wurde.
Gottesgemahlinnen waren immer gut ausgestattet, sie hatten einen eigenen Palast, wirtschaftlich weitreichende Ländereien mit dem entsprechende Personal und einen umfangreichen Beamtenstab mit Schreibern. Nach der 21. Dynastie entwickelte sich neben den wichtigen theologischen Kultaufgaben auch ein stärkerer politischer Einfluß.
Der Titel  einer Gottesgemahlin des Amun war das höchste Priesteramt des Landes und es verstand sich auch als die lebende Inkarnation der Göttin Mut (Götter-Gemahlin des Amun) auf Erden und war somit die irdische Ehefrau des Reichsgottes Amun. Ihren eigentlichen Aufgabenbereich hatten die Gottesgemahlinnen im Amun-Tempel von Karnak, wo sie bei den Schöpfungsriten eine bedeutende Rolle spielten.

Bild 1: Die Gottesgemahlin des Amun Anchnesneferibre (595 bis 525 v. Chr.) als Tochter von Pharao Psammetich II. und dessen Gemahlin Tachuit war keine Königin, Nubisches Museum Assuan, Ägypten. Bild 2: Die Gottesgemahlin des Amun Ahmose Nefertari war in der 18. Dynastie die 1. Amtsträgerin mit diesem Priestertitel, Ägyptisches Museum Berlin. Bild 3: Schepenupet II. war eine Tochter des Pharaos Pije und in der Zeit von 710 bis 650 v. Chr. Gottesgemahlin des Amun. Die Statue der Schepenupet II. ist hier als Sphinx dargestellt und steht im Ägyptischen Museum Berlin.

Das Amt der Gottesgemahlin des Amun von der 18. – 20. Dynastie

Seit dem Neuen Reich ab der 18. Dynastie lässt sich eine lückenlose Folge von Gottesgemahlinnen des Amun belegen Die Trägerinnen mit diesem Titel stammten ausschließlich aus einem Königshaus und als „Erbprinzessin“ hatten sie eine entscheidende Rolle in der Königsnachfolge. Nur in der Herrschaftszeit unter Echnaton (Amenophis IV.) gab es den Titel einer Gottesgemahlin des Amun nicht, denn in seiner revolutionären Ausrichtung der altägyptischen Theologie folgte man dem Aton-Kult und die Verehrung des Gottes Amun war mit den geschlossenen Tempeln tabuisiert. Mit dem Ende der Amarna-Zeit erblüte in der 19. Dynastie  wieder der Amunkult in der altägyptischen Tradition.
Die Möglichkeiten den Titel der Gottesgemahlin zu erlangen, war immer im Wandel der Zeit. Während noch in der 18. Dynastie ein derartiger Titel von der Mutter auf eine Tochter vererbt werden konnte, änderten sich die Regeln in der 19. Dynastie, denn jetzt wurde er nur noch an die „Großen Königlichen Gemahlinnen“ verliehen, die meist die bedeutenden Hauptfrauen des Pharaos waren. Die bisher übliche Vererbbarkeit des Titels von der Mutter auf die Tochter war jetzt ausgeschlossen.

Das Amt der Gottesgemahlin des Amun von der 21. – 26. Dynastie

In den großen Wirren der Dritten Zwischenzeit ab der 21. Dynastie und bis zur 26. Dynastie in der Spätzeit waren die Amtsinhaberinnen des Titels einer „Gottesgemahlin des Amun“  stets Königstöchter, die jetzt unverheiratet im Zölibat leben mussten um sich ausschließlich dem Priesteramt zu widmen.  Durch die Errichtung des thebanischen Gottesstaates gewann das Amt weiter an Bedeutung, es entwickelte sich jetzt zu einem reinen und höchsten Priesteramt im Tempelbezirk des Amun. Das Amt der Gottesgemahlin wurde für eine Nachfolgerin nur durch eine vorzeitige Adoption weitergegeben. In der kuschitischen 25. Dynastie der Dritten Zwischenzeit fungierte die jeweilige Amtsinhaberin in Oberägypten auch als politische Statthalterin für die aus Nubien stammenden Pharaonen, denn die Machtzentrale verlagerte sich immer stärker in den Norden des Landes. Bis zur 26. Dynastie waren die Gottesgemahlinnen politisch die eigentlichen Herrscher in Oberägypten und die pharaonischen Machthaber in Unterägypten hatten mit den thebanischen Priesterinnen direkten Einfluß auf die Lage in Obertägypten. Die Bedeutung der politischen Machtausübung zeigt sich schon dadurch, dass die Gemahlinnen des Amun ihre Namen in der Schreibweise der Königskartuschen zum Ausfruck brachten. In der 25. und 26. Dynastie legten die Gottesgemahlinnen ihre Grabkapellen innerhalb des Tempelkomplexes von Medinet Habu auf dem thebanischen Westufer an, da zu dieser Zeit sich dort auch der thebanische Verwaltungssitz befand. Diesen gut erhaltenen Tempelkomplex von Medinet Habu sollte man sich mit einem Besuch nicht entgehen lassen, denn dort befindet sich auch der geschichtsträchtige Totentempel von Ramses III.
Mit der 27. Dynastie in der Spätzeit endete mit der „Ersten Perserherrschaft“ in Ägypten die Bedeutung des Titels einer „Gottesgemahlin des Amun“ für immer.

Bild 4: Doppelstatue von Gott Amun und seiner Gemahlin Mut aus dem Neuen Reich um 1224 v.Chr. Die aus Granit gefertigte Gruppenstatue wurde im Karnak Tempel gefunden und hat am Thron die Inschrift von Pharao Sethos I. In dieser großen Karnak-Tempelanlage war der Amun-Bezirk der größte Bereich und in ihm befand sich der große Tempel des Amun-Re. Hier residierten  auch die Gottesgemahlinnen des Amun. Diese Gruppenstatue steht heute im Luxor-Museum, Ägypten.

Komplette Liste der amtierenden Gottesgemahlinnen des Amun

Zwischen der 18. und 26. Dynastie gab es 28 Amtsträgerinnen mit dem Titel Gottesgemahlin des Amun. In den meisten Fällen handelte es sich bei diesen Priesterinnen um Königinnen aber auch im Prinzessinnen als die ältesten Töchter des Pharaos. In der 18. Dynastie gab es zusätzlich vier weibliche Mitglieder der Königsfamilien denen der Titel Gottesgemahlin des Amun posthum verliehen wurde, sie hatten den Titel als Amtsträgerin nicht ausgeübt. Es handelt sich dabei um die Königin Ahhotep I., Gemahlin von Seqenenre, Königin Satiah bekam den Titel von Thutmosis III. posthum verliehen, Isis war eine Gemahlin (Nebenfrau) von Thutmosis II. und Mutter von Thutmosis III., bekam posthum den Titel durch Amenophis II. verliehen. Die vierte posthume Verleihung ging an die Königin Mutemwia der Mutter von Amenophis III. und der Gemahlin von Thutmosis IV.

18. Dynastie  Neues Reich

01. Ahmose Nefertari  – * um 1562 v. Chr.; † um 1495 v. Chr., Königin von Pharao Ahmose I.
02. Satkamose – Gemahlin von Ahmose I. und Tochter von Pharao Kamose
03. Satamun –  Prinzessin und Tochter von Ahmose I.
04. Ahmose Meritamun II. – Königin und Schwestergemahlin des Pharaos Amenophis I.
05. Ahhotep II. – Herkunft und Identität noch nicht geklärt, vermutlich Königsgemahlin von Pharao Kamose
06. Hatschepsut – Tochter von Ahmose und Thutmosis I. und ägyptische Pharaonin
07. Neferure – Tochter von Hatschepsut und Thutmosis II.,Thutmosis III,.löschte später ihren Namen
08. Meritre Hatschepsut – Königin und Gemahlin von Thutmosis III. und Mutter von Amenophis II.
09. Meritamun II. – Eine Tochter von Thutmosis III. und Meritre Hatschepsut
10. Tiaa (Tia) – Königliche Gemahlin von Amenophis II. und Mutter von Thutmosis IV.

19. Dynastie  Neues Reich

11. Satre – Königliche Gemahlin von Ramses I. und Mutter von Sethos I.
12. Tuja – Große Königliche Gemahlin von Sethos I. und Mutter von Ramses II.
13. Tausret – Königliche Gemahlin von Sethos II., später selbst Pharaonin von 1193 bis 1190/1188 v. Chr.

20. Dynastie  Neues Reich

14. Tent-Ipet – Eine Gemahlin von Sethnacht, dem Begründer der 20. Dynastie
15. Isettahemdjert – Große Königliche Gemahlin vonm Pharao Ramses III.
16. Iset (Isis) – Prinzessin und Tochter von Ramses VI., sie war ledig und hatte keine Kinder

21. Dynastie  Dritte Zwischenzeit

17. Maatkare – Tochter von Pinudjem I., Hohepriester des Amun in Theben und König von Oberägypten.
18. (?) Name nicht bekannt – Wahrscheinlich die 2. Königin von Pinudjem I.
19. Chent-taui II. – Tochter von Königin Isis-em-heb II. und Mencheperre dem Sohn von Pinudjem I.

22. Dynastie  Dritte Zwischenzeit

20. Karomama Meritmut I. – Hohepriesterin der 22. Dynastie.
21. Kedmerut

23. Dynastie  Dritte Zwischenzeit

22. Schepenupet I. – War eine Tochter von Pharao Osorkon III. ca. 799 bis 771 v. Chr.

25. Dynastie  Dritte Zwischenzeit

23. Amenirdis I. – Tochter von Kaschta dem 1. kuschitischen Pharao auf dem ägyptischen Thron
24. Schepenupet II.Tochter von Pharao Pije, Schepenupet II. war keine Königin
25. Amenirdis II. – Tochter von Pharao Taharqa, Amenirdis II. war keine Königin

26. Dynastie Spätzeit

26. Nikrotis I. (auch Nebetneferumut) – Älteste Tochter von Pharao Psammetich I., sie war keine Königin
27: Anchnesneferibre – Tochter von Pharao Psammetich II., Anchnesneferibre war keine Königin
28. Nitokris II. – war die Tochter von Pharao Amasis


Fotos: (c) Michael Kürschner (3), Christel Selke (2)