Medinet Habu

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Medinet Habu
Mit dem Totentempel Ramses III.

Der Tempelkomplex von Medinet Habu

Im Süden der Nekropole in Theben-West liegt der monumentale Tempelkomplex von Medinet Habu mit dem Totentempel Ramses III. aus der 20. Dynastie. Aber schon vor diesem Bau gab es dort ein Monument, dass als Kenotaph (Scheingrab) dem Gott Amun-Kamutef galt, denn schon im frühen Zeitraum des alten Ägypten glaubten die Menschen an diesem heiligen Ort den Ursprung der Schöpfung gefunden zu haben.
Schon in der 11. Dynastie zwischen 2014 – 1976 v. Chr. gab es bereits den Bau eines kleinen Tempels, der jedoch zu späterer Zeit total überbaut wurde. In der 18. Dynastie 1550 – 1292 v. Chr. errichtete darüber die Pharaonin Hatschepsut ihren kleinen Tempel , der mit einem vorgelagerten Barkensanktuar, die Prozessionsbarke von Amun  von Luxor aufnahm. Vollendet wurde dieser Bau jedoch erst von ihrem Nachfolger Thutmosis den III., der am Bau auch gleich alle Spuren seiner verhassten Vorgängerin auslöschen ließ. Im Südosten des Tempelkomplexes kam es dann in der 25.und 26. Dynastie zu Ergänzungsbauten mit Grabkapellen von drei Gottesgemahlinnen. Der größte Umbau erfolgte jedoch mit dem Bau des Totentempels von Ramses III., sein gigantischer Bau in der typischen Art der Ramessiden integrierte alle Vorgängerbauten. In der Gesamtheit hat der Tempelkomplex mit seiner Ziegelumwallung aus getrockneten Nilschlamm die Grundmaße von 315 x 205 Meter. Der große Kultbezirk von Ramses III. war bereits zu seinen Lebzeiten das administrative Zentrum von Theben-West. Der Name für Theben leitet sich vom altägyptischen Wort „Tjamet“ ab.

Bild 1 Medinet Habu mit dem Totentempel Ramses III.

Eingang und Migdol des Tempels Ramses III.

Bild 2: Die Außenseite vom Osttor auch „Hohes Tor“ des Millionenjahrhauses (Totentempel) Ramses III. Dieser etwa 20 Meter hohe monumentale Torbau mit Innenräumen auf drei Etagen ist für die ägyptische Architektur dieser Zeit einmalig für das gesamte Land und ist scheinbar einem vorderasiatischem Festungsbau nachempfunden, den man auch Migdol nennt. Der Begriff Migdol (hebräisch migdāl) entspricht der Bezeichnung für Befestigungstürme.Die beiden niedrigen Gebäude vor dem Haupteingang zum Osttor (Migdol) waren mit der großen Umfassungsmauer verbunden und waren wahrscheinlich ursprünglich Diensträume der Torwächter. Bild 3: Außenseite vom mittleren Teil des Osttores mit zahlreichen Darstellungen. Bild 4: Rechte Seitenwand vom Durchgang mit der Sachmet-Statue. Bild 5: Im zentralen Bereich des Durchganges vom Osttor findet auf jeder Seite eine lebensgroße thronende Statue der Sachmet. Diese Sachmet-Statue befindet sich vom Eingang auf der rechten Seite Bild 6: Vom Eingang aus betrachtet, die linksseitige Statue der Sachmet. Bild 7: Innenseite vom Migdol (Osttor). Die Innenräume zeigen an den Wänden pikante Reliefszenen mit dem nackten Pharao und jungen ebenfalls unbekleideten Frauen, die keine Zweifel aufkomme lassen, dass hier Ramses III. in einem erotischen Ambiente sich von seinen Haremsdamen verwöhnen ließ. Im Alter von 65 Jahren wurde Ramses III. durch Intrigen am Hof mit hoher Wahrscheinlichkeit ermordet. Das Attentat kann im April 1156 v. Chr. in einem der Räume des Gebäudes stattgefunden haben.

Der 1. Pylon im Tempel von Ramses III.

Bild 8: Medinet Habu, der 1. Pylon im Totentempel Ramses III.

Durchschreitet man das Osttor gelangt man auf einen sehr großen Vorplatz. Der Weg führt direkt zum gigantischen 1. Pylon vom Totentempel Ramses III. Dieser Bau hat eine Breite von 67,8 Meter und eine Höhe von über 24 Meter bei einer Basistiefe von 11,90 Meter an der Basis, in der Höhe verjüngt sich der Pylon. Die Frontseiten sind mit übergroßen Reliefdarstellungen geschmückt und zeigen den Pharao in den typischen Machtdarstellungen beim Erschlagen der Feinde vor einer Gottheit. Auf der südwestlichen Pylonseite zeigt Ramses III. die Erschlagung von asiatischen Gefangenen vor Amun-Re und auf der nordöstlichen Seite haben die Darstellungen ein ähnliches Motiv der Macht des Pharaos und zeigen Ramses III. beim Erschlagen von nubischen- und libyschen Gefangenen vor der Gottheit Re-Harachte.

Bild 9: Gesamtansicht der südwestlichen Pylon-Seite. Bild 10: Detaildarstellung von Bild 9 mit dem übergroßen Ramses III., wie er die asiatischen Gefangenen erschlägt. Bild 11: Detaildarstellung von Bild 9 mit den gebündelten Gefangenen, wie sie noch vor dem Erschlagen um ihr Leben flehen. Bild 12: Detaildarstellung von Bild 9. Die Gottheit Amun-Re vor der Erschlagung der Feinde Ägyptens durch den mächtigen Pharao Ramses III.

Die Wildstierjagd von Ramses III.

Totentempel Ramses’ III., 1.Pylon, Rückseite des südlichen Pylonturms an der sichtbaren Westwand. Die Jagdszenen nehmen großflächig die gesamte Wand ein. Für altägyptische Tempelbauten sind diese mächtigen Jagdszenen wohl einmalig und sehenswert. Die Reliefs zeigen Ramses III. bei einer Wildstierjagd in den Feuchtgebieten des Nildeltas in Unterägypten.

Bild 13 Medinet Habu – Die Wildstierjagd von Pharao Ramses III.

Bild 14 – 15: Diese Reliefdarstellung zeigt Ramses III. bei der Jagd  und dem Erlegen von Wildstieren. Von den Jagdpfeilen schwer getroffen brechen die Stiere im Todeskampf zusammen (Bild14). Die nächste Detaildarstellung zeigt noch einen flüchtigen Stier der bereits auch schon von dem übermächtigen Jäger Ramses III. mit Pfeilen getroffen wurde. (Bild15). Bild 16: Detail vom unteren Rand der großflächigen Jagdszene zeigt die Jagdbegleiter mit den Prinzen an der Spitze bei der erfolgreichen Jagd in den Feuchtgebieten des Nildeltas. Im Detail erkennt man auch die Bejagung von Fischen und Vögeln.

Bild 16 Medinet Habu – Von der Jagdszene der unterer Rand des großflächigen Wandreliefs mit Ramses III.

Im 1. Hof vom Totentempel Ramses III.

Der 1. Hof steht ganz im Zeichen der militärischen Siege Ramses III. In den großen Reliefdarstellungen werden die Schlachten gegen die Truppen der Seevölker und gegen die die Libyer gezeigt. Hier kann man auch die einzigartigen Reliefdarstellungen sehen, bei der Soldaten die abgehakten rechten Hände und die Penisse der getöteten Feinde zählen. und buchhalterisch die Stückzahl genau aufschreiben. Der 1. Hof hat eine Grundfläche von 44 x 48 Meter. An der Südseite tragen 7 Papyrussäulen die Decke des Umgangs mit dem Erscheinungsfenster an dem sich der Pharao zu Festlichkeiten sehen ließ. Die Decke des Umgangs an der Nordseite wird von 7 Pfeilern mit den Statuen des Pharaos in der Osiris-Gestalt getragen.

Bild 17: An der Nordseite des 1. Hofes halten 7 Pfeiler mit Osiris-Statuen die Decke des Umgangs. Bild 18: Detailaufnahme von zwei der Osiris-Statuen. Bild 19: An der Südseite des 1. Hofen halten 7 Papyrussäulen die Decke des Umgangs. Bild 20: Im 1. Hof symbolisieren zahlreiche Reliefsszenen die siegreichen Schlachten in den Libyenfeldzügen. Diese Darstellung zeigt die Zählung der abgehackten rechten Hände der Feinde Mit dieser buchhalterischen Aufzählung wurde dem Pharao belegt, wieviele Feinde getötet wurden. Bild 21: Diese Reliefdarstellung geht zu Bild 20 noch einen Schritt weiter und zeigt die Zählung von Penissen getöteter Feinde. Ramses III. wurde mißtrauisch bei den abgelieferten Händen der toten Feinde. Um sicher zu gehen eine hohe Anzahl getöteter Feinde zu registrieren, ordnete Ramses III. den Befehl an dass jetzt nur noch die abgeschnittenen Penisse der Feinde abgeliefert und gezählt werden sollten. An den Händen konnte man Ägypter und Feinde nicht unterscheiden und Manipulationen waren möglich. Mit der Ablieferung der Penisse konnte man nicht mogeln, denn die Ägypter waren beschnitten. Jetzt konnte in den Augen von Ramses III. die hohe Anzahl der getöteten Feinde relistisch erfaßt werden. Bild 22: Detailansicht an der Ostwand im 1. Hof. Große Schlachtszene eines Feldzuges gegen die Libyer mit dem übergroßen Relief des Pferdes vom Streitwagen Ramses III.

Im 2. Hof vom Totentempel Ramses III.

Durchschreitet man den 2. Pylon gelangt man zum etwas kleineren 2. Tempelhof. Im Gegensatz zum 1. Hof sind die Reliefs im 2. Hof des Totentempels  Ramses III. weniger mit kriegerischen Motiven geschmückt. Die Wandreliefs zeigen eher religiöse Themen und Darstellungen von Festen zu Ehren der Götter Min und Ptah-Sokar, weshalb der 2. Hof auch Platz der Feste genannt wird. Auf der Süd- und Nordseite befinden sich sehr schmale Kolonnaden, deren Dächer von starken Papyrusbündelsäulen getragen werden. In frühchristlicher Zeit haben die Kopten in diesem Hof vieles zerstört um einen Kirchenraum zu schaffen. Die Königsstatuen an den Osirispfeilern wurden fast völlig entfernt. An der nordöstlichen Wand fehlt in den Kolonaden sogar die Mittelsäule mit dem Architrav. An der Nordwestseite gelangt man über eine kleine Rampe auf dem Weg zum 1. Säulensaal zum Portikus mit acht mächtigen Papyrusbündelsäulen in einer Reihe mit geschlossenen Kapitellen. Hier kann man an den Decken, Architravs, Wänden und Säulen sehr viele farblich gut erhaltene Reliefs bestaunen.

Bild 23: Nordöstliche Wand im 2. Hof, es fehlt die mittlere Säule dieser Kolonnade. Dieser Tempelhof wird auch „Hof der Feste“ genannt. Besonders sehenswert sind an dieser Wand vor allem die Szenen des Min-Fests. Bild 24: Säulengang am Eingang zum Pronaos im 2. Hof des Totentempels Ramses’ III. Säulen mit den Kapitellen im Portikus. Bild 25: Eine von den 8 Säulen im Portikus mit zahlreichen gut erhaltenen Reliefs. Bild 26: Die Säulen im Portikus haben geschlossene Kapitelle und sind schon deshalb sehenswert, weil noch viel von der farbigen Bemalung zu erkennen ist, die schon vor fast 3200 Jahren aufgetragen wurde.

Bild 27: Durchgang im 2. Hof, farbig gut erhaltener Architrav. In der oberen Hälfte sieht man Re als geflügelte Sonnenscheibe, darunter die Kartuschen von Ramses III., links die Kartusche mit dem Geburtsnamen Ramesisuheqaiunu (Ra mes su heqa Iunu) = Re ist der, der ihn geboren hat. Rechts unten auf dem Architrav die Kartusche mit dem Thronnamen User-maat-Re-meri-Amun = stark ist die Wahrheit des Re, Geliebter des Amun. Bild 28: Betritt man den Durchgang vom 2.Tempelhof (Portikus) zum großen Säulensaal kann man zahlreiche gut erhaltene und zum Teil auch farbige Reliefs an Pfeilern, Säulen und Wänden bewundern. Bild 29: Typisch für die Zeit der Ramessiden sind die sehr tief gemeißelten Hieroglyphen. Begonnen hatte damit Ramses II., er wollte verhinden , dass Nachfolger die Texte und Hieroglyphen manipulieren oder für sich usurpieren. Ramses III. wollte aber noch seinen Vorgänger übertrumpfen und hat diese Tiefenreliefs noch perfektioniert.  Bild 30: Farbige Reliefs am Pfeiler im 2. Tempelhof mit Ramses II vor einer Göttin. Bild 31: Der Pharao Ramses III. bei seinen Opfergaben vor den Göttern Tefnut (links) und Ptah (mittig). Bild 32: Detailansicht einer Bildfolge von der „Königsliste“ im oberen Bereich der östlichen Wand. Im Gesamtbild gibt es 9 Kartuschen von Pharaonen des Neuen Reichs. in Diesem Detail opfert Ramses III. vor Min-Kamutef.  Bild 33: Diese Wanddarstellungen zeigen mit Ramses III. die Zeremonien zum Min-Fest. In diesem Fall ist Min als weißer Stier symbolisiert. Eine seltene Darstellungsform, aber erkennbar am roten Band um den Hals. Min war in der altägyptischen Mythologie der Schöpfergott und für Zeugung und Fruchtbarkeit angesehen. Bild 34: Farbige Reliefs am Pfeiler im 2. Tempelhof mit Ramses III. vor dem Gott Anubis.

Säulensaal und Königspalast

Über den 2.Tempelhof gelangt man zum großen Säulensaal. In diesem Hypostyl stehen 24 wuchtige Papyrussäulen die einst die Decke von diesem Saal trugen. Leider stehen heute nur noch die Sockel und die untersten Teile der Säulen. Auch diese Säulen müssen einst viele Reliefs gehabt haben. die im unteren Teil  viele Kartuschen von Ramses III erkennen lassen. Auf der südlichen Wandseite befindet sich der Eingang zu den Schatzkammern und auf der nördlichen Wandseite die Eingänge zu den Kapellen verschiedener Gottheiten.
Der Königspalast von Ramses III. liegt außerhalb des Großen Tempels an der südlichen Wand des 1.Tempelhofes. Der Palast ist leider bis fast auf die Grundmauern abgetragen oder zerstört. Durch die Erhaltung der Fundamente und einiger Bauten erkennt man den Grundriss für verschiedenartige Räumlichkeiten, wie sie einstmals unter Ramses III. genutzt wurden. Man weiß heute sehr genau wo sein Residenzraum oder Wohnzimmer war, sein Schlafzimmer und die Räumlichkeiten für die Frauen. Sogar ein Toilettenraum im Bereich der Frauengemächer ist heute noch erkennbar.

Bild 35: 24 wuchtige Säulen trugen einst die Decke des Hypostyl. Leider wurden schon in der Antike die Säulen bis auf die Grundteile abgetragen. Bild 37: An der Nordseite vom Hypostyl befinden sich die Eingänge zu den Kapellen der Götter. Bild 36: Die Säulenstümpfe im Hypostyl sind mit zahlreichen Kartuschen von Ramses III. versehen. Bild 38: An der Südseite vom Säulensaal befindet sich der Eingang zur Schatzkammer.

Bild 39: Der Königspalast liegt auf der Südseite außerhalb des Totentempels Ramses III. und ist leider nur noch in seinen Grundmauern erhalten. Bild 40: Wohn- und Residenzraum von Ramses III. mit dem Thronsockel aus Alabaster, der auf allen drei Seiten über drei Stufen erreicht wurde. Bild 41: Eine Toilette im Königspalast.

 

Eintrittspreise

Ein Ticket kostet seit Novomber 2018  80 LE  ( etwa 4,38 Euro)

Öffnungszeiten

Täglich von 6:00 – 17 Uhr

Fotos: (c) Michael Kürschner (24), Christel Selke (17)