Ramses III.

Flagge Ägyptens

Land und Leute Ägypten

Der 2. Pharao der 20. Dynastie im Neuen Reich
Pharao Ramses III.
Ramses III. – der geheimnisvolle Pharao Ägyptens

Sein Leben und die Regierungszeit von Ramses III.

Bild 1 Pharao Ramses III. auf einem Wandrelief in Medinet Habu in seinem Totentempel

Ramses III. war der Sohn und Nachfolger von Pharao Sethnacht, der auch der Begründer der 20. Dynastie war.  Seine Mutter war die Große königliche Gemahlin Teje-Mereniset und über seine Geschwister ist nichts näheres bekannt. Nach dem frühen Tod seines Vaters, er regierte nur knapp 4 Jahre, übernahm Ramses III. die Regierungsgeschäfte als Pharao am 25. Februar 1187 v. Chr. bis zu seinem tragischen Tod am 7. April 1156 v. Chr..
Während seiner Regierugszeit blühte der Handel mit dem Ausland auf hohem Niveau und auch der Binnenhandel mit dem wirtschaftlichen Aufschwung im ganzen Land führten zu Wohlstrand und hohen Steuereinnahmen, die Ramses III. großzügig nutzen konnte für seine Bautätigkeit und den bedeutenden Schenkungen an die Tempel und Priesterschaften. Durch die umfangreichen und sehr groißzügigen Schenkungen hatte er natürlich die Priesterschaft hinter sich und sorgte so auch für innenpolitische Stabilität des Landes von Ober- bis Unterägyten.
Als Pharao,  war Ramses III. natürlich auch für die Sicherheit und Ordnung im Land verantwortlich und konnte wegen der guten Wirtschaftslage auch das Militär besser ausrüsten. Das war auch notwenig, da Ägypten zu seiner Zeit vielen Angriffen fremder Mächte ausgesetzt war.
Ramses III. ist auch für seine umfangreiche Bautätigkeit bekannt. Das berühmteste Bauwerk steht in Medinet Habu mit seinem aufwendigen Totentempel und dem Königspalast. Aber auch Bauten in Abydos, Heliopolis (Unterägypten), Karnak und Luxor sind unter Ramses II. bekannt.

Bild 2: Statue von Ramses III. im Karnak Tempel. Bild 3: Übergroßes Relief von Ramses III. in Medinet Habu. Auffallend ist die Technik der starken Tiefenreliefs in der bildlichen Darstellung und in den Hieroglyphen.

Die Feldzüge gegen Libyen und Kämpfe gegen die Seevölker

In der Regierungszeit von Ramses III. kam es auch außenpolitisch und militärisch zu erheblichen Turbulenzen die zu den Kriegen gegen die Libyer und der Seevölkerschlacht führten. In allen Feldzügen blieb Ramses III. siegreich im Verteidigungskrieg und bewahrte Ägypten vor Fremdherrschaften. Im fünften Regierungsjahr kam es erstmals zum Krieg gegen die Libyer. Aus Überlieferungen auf Papyrus-Schriften soll es in diesem Feldzug eine unvorstellbare Anzahl an getöteten Feinden gegeben haben.
Im 8. Regierungsjahr gab es außenpolitisch eine besondere Form des Angriffskrieges gegen Ägypten. Eine gewaltige Koalition von Stämmen aus dem heutgen Südosteuropa, wo zu diesem Zeitpunkt wohl durch Klimawandel Mißernten herrschten, sowie auch Stämme der syrisch- palästinischen Küste versuchten ins fruchtbare Nildelta einzudringen., wo ein gewisser wirtschaftlicher Wohlstand vorhanden war. Der ägyptische Verteidigungskrieg war demnach keine Schlacht auf See, sondern der Einmarsch fremder Völker die von der See (Mittelmeer) kamen. Die Truppen von Ramses III. siegten über die Invasoren und verhinderten eine Fremdherrschaft in Unterägypten. Wieder einmal war Ramses III. der Held von Ägypten und diese militärischen Erfolge ließ er auch sehr ausführlich in Medinet Habu als große Wandreliefs darstellen.
Im 11. Regierungsjahr war Ramses III. erneut gezwungen gegen die Libyer einer Feldzug zu führen. Diesmal war es eine Koalition verschiedener libyscher Stämme die ins westliche Nildelta eingefallen waren und den Gau von Xois verwüstet hatten. Auch diesen Verteidigungsrieg gewannen die Ägypter mit hohen militärischen Aufand und Ramses III. wurde erneut der Garant für Sicherheit und Ordnung im ganzen Land.

Bild 4: Dieses Relief zeigt in Medinet Habu eine rituelle Szene im Umgang mit den Feinden. Pharao Ramses III. erschlägt mit weit  ausholender Körperhaltung die Feinde, die er fest am Schopf hält. Bild 5: Riesige Reliefdarstellung von Ramses III. am 1. Pylon in Medinet Habu. Der Pharao erschlägt die am Schopf gepackten libyschen Kriegsgefangen vor der Gottheit Amun-Re. Eine weit sichbare Propaganda-Dukumentation, sie symbolisiert die Macht und Ordnung im Land und außenpolitisch ist sie ein Signal zur Abschreckung, ganz nach dem Motto, wer Ägypten angreift, wird das gleiche Schicksal erleiden, wie auf den großen Reliefs dargestellt.

Bild 6 und 7: Wo Ramses III. bauen ließ, dokumentiert er mit seinen starken Kartuschen-Reliefs seine Bedeutung. Auffallend ist das besonders in seinem Totentempel in Medinet Habu. Kaum eine Fläche ist nicht mit seinem Eigen- und Thronnahmen versehen. Jede bildliche Reliefdarstellung ist  an den Wänden und Säulen mit seinen Kartuschen versehen. Bild 8. Sogar auf den höchsten Säulenkapitellen erscheinen seine Namenkartuschen. Oftmals sind sie sogar farblich sehr gut erhalten. Bild 9: Eine Stele aus Sandstein mit der Abbildung von Ramses III. bei Opfergaben vor dem Gott Amun-Re. Diese Stele befindet sich heute im Luxor Museum. Ihr Fundort war Qurna, ein kleines ägyptisches Dorf am westlichen Nilufer gegenüber Luxor.

Regierungs– und Familiendaten von Ramses III.

Regierungszeit : Wahrscheinlich von März 1187 bis 07. April 1156 v. Chr., die Regierungszeit betrug demnach etwa 31 Jahre, 1 Monat und 19 Tage.
Eigenname: Ramesisuheqaiunu (Ra mes su heqa Iunu) – Re ist der, der ihn geboren hat, Herrscher von Heliopolis
Thronname : User-maat-Re-meri-Amun – Stark ist die Wahrheit des Re, Geliebter des Amun
Mutter : Teje-Mereniset (nach Schneider)
Vater :  Sethnacht (nach Schneider)
Brüder:  —-
Schwestern: —-
Ehefrauen : Isis-ta-Hemdjeret, Titi/Tyti, Teje (Mutter von Pentawer)
Töchter: Meryamun,Duatentopet (?)
Söhne: Ramses IV., Ramses VI., Ramses VIII., Amun-her-khepeshef, Pareherwenemef, Ramses Khaemwaset, Meryatum, Montuherkhopshef, Pentawer
Vorgänger: Sethnacht
Thronnachfolger : Ramses IV.

Bild 10 Ramses III. aus Karnak im Mut-Bezirk, Statue aus Grauwacke, im Luxor Museum

Innenpolitische Turbulenzen und der Staatsverfall

Ramses III. hatte in seiner Regierungszeit eine glanzvolle Ära und er gehörte ohne Zweifel zu den ganz großen Pharaonen der ägyptischen Geschichte. Er sorgte für Sicherheit und Ordnung und alle Außengrenzen des Landes konnten abgesichert werden, auch wenn im Norden des Landes dafür drei große Kriege geführt werden mußten. Wirtschaftlich blühte der Binnen- und Außenhandel und auch die Landwirtschaft mit Anbau und Viehzucht war durch die normalen Nilüberflutungen gut geregelt und ertragreich. Ägypten hatte ein hohes Steueraufkommen und der allgemeine Wohlstand ging nicht nur an den Staat, sondern auch die Bevölkerung profitierte unter Ramses III. von der Stabilität im Land.
Von den 31 Jahren seiner Regierungszeit änderte sich die Lage in Ägypten schlagartig in den letzten Jahren seiner Regierung und es kam zu innenpolitischen Turbulenzen. Die großzügigen Schenkungen an die Priesterschaft, die große Bautätigkeit und drei große Kriege haben hohe Kosten verursacht und man kann auch davon ausgehen, dass dadurch bedingt auch das gesellschaftliche Gefüge allmählich zusammenbrach. Die Priesterschaft wurde mächtiger, Gouverneure und Beamte lagen vielfach im Streit und es entwickelte sich eine Verwaltungskrise im Staat. Korruption und Grabräuberei gehörten jetzt oftmals zum Alltag und es bestand die Gefahr, dass der große mächtige Pharao Ramses III. die Lage im Land nicht mehr so fest im Griff hatte. Durch korrupte Beamte kam es auch zu ernsthaften sozialen Turbulenzen  Es kam sogar zum ersten Streik der Weltgeschichte in Theben-West vor dem Hintergrund des beginnenden Staatsverfalls unter Ramses III. In Deir- el- Medineh legten die Arbeiter, Handwerker und Künstler die für die Arbeiten im Tal der Könige verantwortlich waren, ihre Arbeit nieder. Allein der Pharao war verantwortlich für die Entlohnung mit Nahrungsmitteln und allen notwendigen Dingen des Lebens, doch ohne sein Wissen, kassierten seine verantwortlichen Beamten lieber alles selbst ein. Ramses III. erfuhr erst vom Leid und der Not der Streikenden als eine Delegation (vergleichbar mit heutigen Gewerkschaftsvertretern) vor dem zuständigen Amtssitz in Medinet Habu darüber Klage führte. Der tagelange Streik war sehr erfolgreich, in nur wenigen Tagen wurden die Forderungen bedingungslos erfüllt und alle Streikenden kehrten an ihre Arbeitsplätze zurück. Dieser Streik war nur ein Beispiel, wie sich im ganzen Land die sozialen Verhälnisse zu innenpolitschen Turbulenzen führten , die schließlich auch den Staatsverfall beschleunigten.

Intrigen, die Haremsverschwörung und der Mordfall Ramses III.

Ramses III. hatte vermutlich zwei Hauptfrauen und einige Nebenfrauen, da überwiegend Söhne geboren wurden, war die Erbfolge mit Ramses IV. wahrscheinlich geregelt. Im 32. Regierungsjahr plante Teje als eine seiner „Nebenfrauen“ von Ramses III. mit anderen Frauen und einigen Beamten ein Attentat gegen den Pharao, um ihren Sohn Pentawer auf den Thron zu bringen. Doch die Haremsverschwörung wurde aufgedeckt und alle Tatbeteiligten wurden rechtskräftig verurteilt. So leicht kann man Geschichte aber nicht schreiben, denn der Mordfall Ramses III. war im königlichen Harem mehr als nur eine Eifersüchtelei um den besseren Sohn als Nachfolger. Ramses III. mag wohl einer der größten Staatsmänner seiner Zeit gewesen sein, doch am Pharaonenhof selbst war er scheinbar eher schwach und wenig entscheidungsfreudig gewesen zu sein. Man ging zwar immer davon aus, Isis-ta-Hemdjeret war seine große königliche Gemahlin und damit Erstfrau am Hofe. Doch in Medinet Habu gab es dafür keine erkennbaren Reliefdarstellungen. Wenn Ramses III. eine persönliche Schwäche hatte keiner Frau die Rolle als Hauptfrau zu vergeben, konnte das natürlich am Hofe zu Rivalitäten und Intrigen führen, die letztendlich auch als Grund für  die Haremsverschwörung anzusehen ist. So könnte man annehmen, Teje sah sich nicht als Nebenfrau, sondern wie Isis-ta-Hemdjeret auch zu seinen wichtigen Hauptfrauen. Der Mordanschlag auf Ramses III. könnte so das Ergebniss einer Intrige gewesen sein.
Auf Grund einer im Ägyptischen Museum von Turin aufbewahrten Papyrusschrift aus der Zeit von Ramses III. kennt man heute viele Einzelheiten zum grausigen Mordanschlag in der ägyptischen Geschichte. Als Zeitpunkt für den Umsturz war das alljährliche stattfindendeTalfest geplant.
Ein Team von Wissenschaftler um den Ägyptologen Zahi Hawass, den Genetiker Carsten Pusch von der Universität Tübingen und den Paläopathologen der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) Albert Zink. haben die Mumie des Pharaos in Kairo jetzt computer­tomo­graphisch, radiologisch und molekulargenetisch untersucht. Die in Bozen und Kairo durchgeführten Analysen der CT- Bilder ergaben, dass dem Pharao zu Lebzeiten die Kehle durchtrennt worden war. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Jahr 2012 waren für die Ägyptologen eine Sensation, denn bisher ging man davon aus, dass der Mordanschlag an ihren Gatten mit dem Gift einer Schlange erfolgte.
Unittelbar nach dem Anschlag wurde die Verschwörung aufgedeckt und alle beteiligten kamen vor ein ordentliches Schnellgericht. Die Haremsverschwörung hatte einen großen Kreis an Tätern  aus Mitgliedern der königlichen Familie, aus dem Harem, aber auch Würdenträger des Hofes und Offiziere der Armee. Die meisten wurden durch das Gericht zum Tod durch Hinrichtung verurteilt, einige zum sofortigen Selbstmord und einige Angeklagte die mit dem Leben davon kamen, wurden zur Verstümmelung verurteilt, ihnen wurde entweder ein Ohr oder die Nase abgeschnitten.
Von der Haupttäterin und Gattin Teje gibt es keine belegbaren Hinweise, sie wurde aus der Geschichte gelöscht und bleibt verschwunden. Der Prinz Pentawer wurde vermutlich zum Tod durch Selbstmord verurteilt. Sein Leichnam wurde entwürdigend bestattet, er wurde nicht standesgemäß mumifiziert, seine Organe verblieben im Körper und seine Mumie war in Ziegenfell eingewickelt. Nach dem altägyptischen Glauben war diese Strafmaßnahme noch zusätzlich notwendig, damit er im Jenseits nicht in ein neues Leben kommen kann.
Ramses III. ist wahrscheinlich nach dem Kehlschnitt nicht gleich verstorben, er verstarb aber noch während des Gerichtsverfahrens. Die Haremsverschwörung hatte zwar den Umsturz erreicht, aber das Ziel weit verfehlt. Alle Beteiligten wurden abgeurteilt und Ramses IV. wurde rechtskräftig als Nachfolger 14 Tage nach dem Attentat auf seinen Vater zum Pharao gekrönt.

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (5), Christel Selke (5)