Hatschepsut

Flagge Ägyptens

Pharaonin aus der 18. Dynastie im Neuen Reich
Pharaonin Hatschepsut

Hatschepsut war eine der bedeutensten Frauen
auf einem Pharaonenthron in der ägyptischen Geschichte

Als Tourist mit einem Interesse an der ägyptischen Geschichte, bewundert man bei den vielen Ausflügen die vielen Tempel, Statuen in oftmals gigantischen Größen, man ist fasziniert von den Schriften und Bildern in Fresken oder Reliefs, die die  Wände und Säulen schmücken. Wie beeindruckend müssen die Monumente ausgesehen haben, wenn sie alle noch farblich gestaltet wurden.Das trifft natürlich auch alles auf die Bauten der Hatschepsut zu, die sie in ihrer Regierungszeit erbauen ließ.  Bei all diesen architektonischen Leistungen und den künstlerischen Darstellungen die wir als Sehenswürdigkeiten in uns aufnehmen, bleibt im Hintergrund doch immer die Frage nach den Persönlichkeiten und der Zeit in der sie lebten.

Hatschepsut 
Wer war diese geheimnisvolle und faszinierende Frau?

Hatschepsut war eine altägyptische Königin im Neuen Reich aus der 18. Dynastie (1550 – 1292 v. Chr.) Als Tochter des Pharaos Thutmosis I. und der Königinmutter Ahmose wurde Hatschepsut 1497 v. Chr. in Theben östlich vom Nil geboren. Ihr Eigennahme Hatschepsut bedeutet soviel wie “Die erste der vornehmen Frauen”.

Kopf der Hatschepsut

Kopf der Hatschepsut aus bemalten Kalkstein, der Kopf war Teil einer Kolossalstaue der Hatschepsut, man fand ihn auf der dritten Terrasse ihres Totentempels in Deir el-Bahari. Er hat eine Höhe von 61 cm und eine Breite von 55 cm. Dargestellt war sie mit allen männlichen Attributen eines Pharaos obwohl ihre Gesichtszüge das typisch weibliche zum Ausdruck bringen. Heute kann man diesen berühmten  Kopf der Hatschepsut als Teil der Statue im Ägyptischen Museum in Kairo besichtigen.

Bild 1 und 2: Diese kleine Sphinx der Hatschepsut mit einer Höhe von nur 62 cm,  stammt aus der ersten Zugangsrampe  ihres Totentempels in Deir el-Bahari. Der Hieroglyphentext unter dem Zeremonialbart deutet auf den Namen der Pharaonin und bedeutet “ Maatkare, geliebt von Amun und ausgestattet mit dem ewigen Leben“. Diese Sphinx steht im Ägyptischen Museum in Kairo. Bild 3: Kniende Kolossalstatue der Hatschepsut mit den männlichen Attributen eines Pharaos und dem Nemestuch. Ägyptisches Museum Kairo.

Schon als jungendliche heiratete Hatschepsut ihren Halbbruder Thutmosis II. Er hatte keinen besonderen Ruf, galt als unscheinbar und eher kränklich. Als ihr Mann Thutmosis II. starb, übernahm sie für ihren Stiefsohn Thutmosis III. 1473 v.Chr. die Regentschaft. Zwischen dem 2. und 7.  Regierungsjahr von Thutmosis III. verdrängte sie ihren Stiefsohn und ließ sich selbst zum Pharao krönen und übernahm die alleinige Macht  in Ägypten. Sie muß eine ungewöhnliche und intelligente Frau gewesen sein. Wegen Mangel an Thronfolgern wurde sie schon seit der Kindheit von ihrem Vater auf eine zukünftige Pharaonen-Herrschaft in allen Pflichtaufgaben regelrecht ausgebildet. Als erste Frau auf dem Pharaonenthron führte sie Ägypten in eine friedliche Zeit und sie selbst wurde zu einer der mächtigsten Frauen der frühen Weltgeschichte. Sie selbst führte keine Feldzüge an, kurbelte die Wirtschaft an und war eine Förderin der Wissenschaft und Kunst. Die berühmte Baukunst ihrer Herrschaft findet man in Karnak in der Roten Kapelle, sie diente als Barkensanktuar für Amun-Re.  aber auch die weltbekannten Obelisken von Karnak sind in ihren Auftrag errichtet worden. Von den ehemaligen zwei monumentalen Obelisken ist heute in Karnak nur noch einer zu bewundern, denn der zweite monolitische Obelisk stürzte nach einem Erdbeben ein und wurde erst wieder im Heiligen See gefunden. Heute kann man nur die liegende Spitze bewundern, die unweit ihres ehemaligen Standortes ausgestellt ist.  Das bedeutende Bauwerk ihrer Geschichte war aber ohne Zweifel der Totentempel der Hatschepsut, den sie in die Felswand im Talkessel von Deir el-Bahari bauen ließ. Federführend war hier der Haushofmeister Senenmut als ihr Vertrauter, Architekt und Erzieher ihrer Tochter. Nach wissenschaftlich nicht bestätigten Erzählungen, soll Hatschepsut mit Senenmut auch eine enge sexuelle Beziehung gehabt haben, bis es wohl zu einem Zerwürfnis gekommen sein mußte, denn plötzlich verschwand er völlig unbekannt aus ihrem Leben.

Bild 4 und 5: Sphinx der Hatschepsut aus dunklem Granit mit männlichen Attibuten und dem Nemestuch, doch der Gesichtsausdruck erlaubte dem Künster die weibliche Ausdrucksform. Heute steht diese Sphinx im Ägyptischen Museum in Kairo. Bild 6: Einer von mehreren Hatschepsut-Statuen an den Pfeilern der zweiten Terrasse.

Hatschepsut Statuen an den Pfeilern der 2. Terrasse in ihren Totentempel im Deir el-Bahari

Die wirtschaftliche Lage Ägyptens  mit dem Bergbau und dem Handel lag ihr sehr am Herzen und sie war es auch die den Wohlstand des Landes stabilisierte in einer Zeit, wo Ägypten zu einer blühenden Großmacht wurde. Eines ihrer bedeutenden Unternehmungen waren die Expeditionen nach Punt, die sie über das Rote Meer bis nach Ostafrika führte. Im Zentrum aller Unternehmungen lagen keine militärischen Eroberungen, sondern ein wirtschaftlich wertvoller Güteraustausch im Rahmen bilateraler Beziehungen. Zu den wichtigsten Gütern die eingeführt wurden zählten Weihrauch, Ebenholz, Elfenbein, aber auch Früchte und Tiere. Ganz gezielt waren diese Expeditionen nach Punt auch botanisch eine Neuheit in der Weltgeschichte, denn es wurden zahlreiche exotische Pflanzen gesammelt und sogar zum sicheren Transport in Töpfen eingeführt. Diese ganze Geschichte von den Expeditionen nach Punt im 9. Regierungsjahr findet man ausführlich erzählt auch auf Wandmalereien im Totentempel der Hatschepsut.

Regierungs- und Familiendaten von Hatschepsut

  • Regierungszeit: Regierungszeit  von etwa  1479 bis 1458 v. Chr. als 5. Pharao der 18 Dynastie
  • Expedition nach Punt: etwa im 9. Regierungsjahr
  • Hatschepsuts Geburt: vermutlich um 1495 v. Chr.
  • Eigenname: Hatschepsut, auch Maatkare
  • Thronname: Maat-ka-Re
  • Mutter: Ahmose – Große königliche Germahlin
  • Vater: Thutmosis I.
  • Geschwister: Brüder: Amunmose und Wadjmes, Schwester: Nofrubiti, auch Nofru-biti, Neferubiti
  • Ehemann: Thutmosis II. (Halbbruder), von der Nebenfrau ihres Vaters Mutnofret
  • Tochter: Neferure (Nofrura) nach Schneider, Merit-Ra Hatschepsut II. (nicht gesichert)
  • Sohn:
  • Vorgänger: Thutmosis II. (Verstarb wahrscheinlich im 3. Regierungsjahr)
  • Thronnachfolger: Thutmosis III., Sohn der Nebenfrau Isis und Ehemann Thutmis II.

Bild 7 und 8: Kniefigur mit Kultgefäß und Detailansicht des Kopfes der Königin Hatschepsut um 1474 v. Chr. aus Rosengranit. Heutiger Standort: Ägyptisches Museum Berlin

Nach 21 Jahren einer erfolgreichen Regierungszeit starb die Pharaonin Hatschepsut am 14. Januar 1457 vor Christus. Die Umstände ihres Todes sind nicht genau bekannt. Von der Priesterschaft, den Militärs, den Beamten bis hin zum einfachen Volk war sie eine geliebte und verehrte Pharaonin und Herrscherin von Ober- und Unterägypten. Den Menschen war bewußt, dass sie eine Frau war, trotzdem zeigte sie sich in vielen Darstellungen immer wieder männlich. Warum ist nicht bekannt und man kann nur vermuten, dass sie das traditionell männlich dominierende Amt zum Ausdruck brachte.  Über einen Zwist am Hofe ist zwar nichts belegt, doch der Hass von Thutmosis III. gegenüber Hatschepsut muß wahrscheinlich gewaltig gewesen sein. Er fühlte sich als rechtmäßiger Thronerbe und mußte neidvoll zuschauen, wie seine Tante und Stiefmutter erfolgreich regierte und alle Fäden der Politik fest in ihren Händen hielt. Erst nach ihrem Tod konnte Thutmosis III. den Machtanspruch stellen und wurde ihr Nachfolger auf dem Thron. Sein Hass muß tief verankert gewesen sein, denn er zerstörte in seinen ersten Amtsjahren viele Bildnisse, Schriftzüge und Skulpuren, er löschte ihren Namen sogar auf der ägyptischen Königsliste, denn  nach Thutmosis I. folgte gleich der Name Thutmosis III. Eine erfolgreiche Pharaonin, die für Ägypten großartiges geleistet hatte, sollte aus der Geschichte eliminiert werden. MIt ihrem eigenen Totentempel dem Heiligtum der Hatschepsut in Deir el-Bahari ist uns von dieser ungewöhnlichen und geheimnisvollen Frau ein Zeugnis der Geschichte erhalten geblieben.

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (7), Christel Selke (4)