Frauen im Alten Ägypten

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Frauen im Alten Ägypten
Frauen in der altägyptischen Gesellschaft

Rechte und Pflichten der Frauen im Alten Ägypten

Die Frau im Alten Ägypten hatte im ewigen Vergleich der Geschlechter in der ägyptischen Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert und im Vergleich mit anderen Kulturen der damaligen Zeit sogar eine bedeutende soziale Stellung. Was der Feminismus in der heutigen modernen und aufgeklärten Zeit mühsam erstreiten mußte,  war für die Frau im Alten Ägypten bereits eine soziale Selbstverständlichkeit. Auch die Rollenverteilung der Geschlechter war ausgewogen und viele soziale Funktionen waren an Absprachen gebunden. In einer derartigen sozialen Stellung war die Frau im Alten Ägypten im Rollenvergleich gleichberechtigt und ziemlich gut emanzipiert in ihrer weiblichen Lebensweise. Wenn griechische Gelehrte im Altertum Ägypten bereisten, waren sie immer wieder seltsam erstaunt, wie frei und selbstbewußt die ägyptische Frau in ihrer sozialen Stellung war. Es gab eigentlich nur wenige Ausnahmen, denn Frauen waren in den Verwaltungen und politischen Ämtern seltener, was wahrscheinlich auch mit der biologischen Natur der Frau als Mutter zusammenhängt, denn Familie und Kinder waren in der ägyptischen Gesellschaft ein extrem hochgeachtetes Gut. Während Männer also in den öffentlichen Ämtern führend waren, wirkten Frauen im familiären Bereich als alleinige  „Herrin des Hauses“ – Nebet-per. In diesem Bereich mussten sich Männer eher einfügen bzw. unterordnen.  Ansonsten konnten Frauen im Alten Ägypten fast jeden Beruf erlernen und ausüben. Sie waren in Schule, Bildung und Kultur nicht ausgeschlossen. Es gab sogar Schreiberinnen, Ärztinnen, Lehrerinnen und Richterinnen durch das Absolvieren einer höheren Schulbildung. Die meisten Frauen im Volk hatten neben Familie und Kindern auch noch einen Beruf als Händlerin (Tauscherin), in der Herstellung von Lebensmitteln, in der Landwirtschaft oder auch als Dienerin ausgeübt.
Im Gegensatz zum antiken Griechenland und dem Römischen Reich hatte die ägyptische Frau eine einzigartige soziale Stellung. Frauen waren juristisch vor dem Gericht den Männern gleichgestellt. Sie hatten das Recht auf Anzeigen und konnten als Zeuge vor Gericht auftreten. Sie hatten das Recht auf einen eigenen Besitz. es zu verwalten und zu vermehren und der Mann konnte darüber nicht verfügen. Eine Frau konnte erben und mit Testamenten vererben. Auch wenn eine altägyptische Ehe juristisch nicht vollzogen wurde, konnte eine Frau aber auch auf einen Ehevertrag bestehen und im Enstfall auch eine Scheidung einreichen und erneut eine Ehe eingehen. Das Ansehen einer Frau in einer derartigen Situation war in der ägyptischen Gesellschaft nicht nachteilig gefährdet, sie war als Frau frei und unabhängig.

Bild 1: Ein Wandbildnis im Grab des Nacht im Tal der Noblen im TT52 aus der 18. Dynastie im Neuen Reich zeigt seine hübsche Frau Taui mit einem Menit in der Hand.

Ehe, Familie und Kinder

Frauen im Alten Ägypten hatten rein rechtlich die Freiheit ihren Lebenspartner selbst zu bestimmen. Weder die Eltern, noch Verwandte und auch kein Mann konnte seine Auserwählte in eine Ehe zwingen. Ein partnerschaftliches Miteinander war in der altägyptischen Ehe selbstverständlich und die Verschiedenheit der Geschlechter wurden respektiert und im Alltag einer Ehe als gleichwertig betrachtet. Nach der Vorstellung im Alten Ägypten konnten Mädchen mit Beginn ihrer Geschlechtsreife in einem Alter von etwa 15 Jahren sich verheiraten und mit dem Auserwählten zusammenziehen. Hatte eine junge Fraue noch keinen Partner für das Leben gefunden, wurde sie auch nicht mißachtet, sie war in ihrer Lebensart frei und unabhängig. Solo mußte eine junge Frau auch nichts beachten, was ihre soziale Stellung betraf, sie musste sich auch nicht für ihren „Zukünftigen Aufbewahren“. Vorehelicher Sex war kein Tabu und die sogenannte Jungfräulichkeit war keine gesellschaftliche Tugendhaftigkeit. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es vermutlich auch so eine Art von Ehe auf Zeit gab. Trotz Verliebtsein oder Sympathie auf Gegenseitigkeit, konnte man sich in einer Lebensgemeinschaft ausprobieren, mißlang eine derartige Partnerschaft ging man sorglos auseinander auf der Suche nach einem neuen Glück.
Für Frauen, wie auch für Männer war die Ehe aber das höchste und ein erstrebenswertes Lebensziel, man wünschte sich viele Kinder und erhoffte sich in einer liebenden Lebensgemeinschaft einen gestärkten Haushalt und eine  bessere Wirtschaftlichkeit. Die Ehegemeinschaft war aber auch eine tabulose Gemeinschaft die in der Erotik und im Sex keinen kleinbürgerlichen Moralvorstellungen unterworfen war. Das Selbstbewußtsein der Frau in der Erotik war auch in einer Ehegemeinschaft ausgeprägt.
Die Ehe galt in Ägypten als eine natürliche Lebensgemeinschaft von Frauen und Männern. Die Vielehe war zwar nicht verboten, aber im Volke war aus ökonomischen Gründen nur die Einehe üblich. Nur der Pharao war hier die große Ausnahme, er verfügte über einem Harem, der auch dutzende Frauen haben konnte. Trotzdem hatte auch der Pharao nur eine feste königliche Gemahlin als Hauptfrau mit einigen Nebenfrauen.
In Ägypten war im Volk die Eheschließung kein formeller Akt, der vom Staat rechtlich bestätigt werden mußte, auch aus religösen Gründen mußte kein Priester die Eheschließlung besiegeln. Lebte ein Paar vor allen Augen des sozialen Umfelds zusammen, galten sie als verheiratet. Es gab demnach kein Hochzeitstag mit einer Trauung, denn selbst die altägyptische Sprache kannte kein Wort für Hochzeit und Trauung. Man konnte aber eine derartige „Ehe“-Lebensgemeinschaft juristisch mit Urkunden und Verträge absichern für erbrechtliche und vermögensrechtliche Angelegenheiten, für den Fall einer Scheidung oder dem Tod eines Partners. Wenn ein Paar eine Lebensgemeinschaft gründete entschied die soziale Stellung, wer zu wem zog. Hatte die Frau eine höhere soziale Stellung und war auch noch vermögender als der Mann, zog er in das Haus der Frau oder in umgekehrter Form, wenn der Mann vermögender war, siedelte sie in das Haus ihres Mannes.
War eine Ehe zerrüttet, konnte sich eine Frau auch scheiden lassen, sie hatte das Recht auf ihre Mitgift, konnte erworbenes Vermögen und Schenkungen behalten und je nach Dauer einer Ehe auch mit einer Abfindung rechnen. Urkundliche Eheverträge sind seit etwa  700 Jahre v. Chr. bekannt und regelten im Fall einer Trennung die Güterverteilung. Neben der Verteilung erworbener Güter in der Ehe wurden die gemeinsamen Kinder ausdrücklich zu Erben des Mannes erklärt, um sie im Fall einer neuen Ehe nicht zu benachteiligen.

Bild 2: Sitzgruppenstatue eines Ehepaares, sie als Frau Hathor und ihr Mann Amenemope als ein Vorsteher der Handwerker aus der frühen 19. Dynastie im Neuen Reich zwischen 1290 – 1213 v. Chr. in den Regierungszeiten von Sethos I. und Ramses II. Ägyptisches Museum Berlin.  Bild 3: Sennefer und seine  treuliebende Frau Merit sitzend auf einer  Wandmalerei vor dem “ Herausgehen am Tage“ an der rituellen Ostwand der Grabkammer im Grab des Sennefer TT 96. Bild 4: Unter dem Motto “ Die Familie ist die Grundstruktur der ägyptischen Gesellschaft“, hat das Hurghada Museum zahlreiche Exponate zu diesem Thema. Die Darstellung des jungen Ehepaares stammt von der Informationstafel im Hurghada Museum.

Bild 5: Familiäre Gruppenstatue des „Vorstehers der Mauer“ (königlicher Maurermeister) Kaemheset mit seiner Frau und seinem Sohn der wesentlich kleiner dargestellt zwischen den Beinen des Ehepaares steht.  Da es sich bei dem Sohn um ein jüngeres Kind handelt wird er noch nackt und mit dem rechten Zeigefinger am Mund gezeigt. Diese Gruppenstatue der Familie Kaemheset besteht aus bemalten Kalkstein und stammt aus dem Alten Reich der 6. Dynastie (2323 – 2000 v. Chr.), Ägyptisches Museum Kairo. Bild 6 und 7: Die Bedeutung der Frau und Mutter in der Familie wurde schon frühzeitig in der altägyptischen Gesellschaft gelebt.  Die beiden kleinen mütterlichen Frauenfiguren bestehen aus Elfenbein und stammen aus einer Zeit um 3000 Jahre v. Chr. aus der Frühdynastischen Zeit und vermutlich aus der sogenannten „0 Dynastie“ (?). Ägyptisches Museum Berlin

Kinder spielten in einer ägyptischen Familie immer eine ganz besondere Rolle und eine Kernfamilie bestand demnach immer aus dem Ehepaar und den Kindern. Alle Kinder aus einer Ehe, Söhne und Töchter waren zu gleichen Anteilen erbberechtigt. Durch ein urkundliches Testament konnten Elternteile auch einzelne Kinder als Haupterben einsetzen. Viele Kinder einer Familie waren mit Sicherheit  für viele Eltern eine Lebensversicherung, wenn sie im Alter von ihren Kindern mitversorgt werden konnten. Kinder waren also für jede ägyptische Familie von sehr großer Bedeutung. Sie versorgten nicht nur die Eltern im Alter, sondern waren auch verantwortlich für die Ausübung des Totenkults, um den Eltern das jenseitige Leben zu sichern. Im einfachen Volk wurden die Kinder schon frühzeitig an die Arbeiten der Eltern herangeführt. Mädchen wurden dann mehr von der Mutter erzogen und die Knaben vom Vater, der sie mit der Arbeitswelt vertraut machte. Ansonsten ist über die Erziehung von Kindern in einer Ehe im einfachen Volk wenig überliefert. Vieles was man heute als belegt in Erfahrung bringen konnte, stammt von wohlhabenden Gesellschaftsschichten oder aus den Königshäusern der Pharaonenfamilien.
Eine allgemeine Schulpflicht gab es zwar nicht im Alten Ägypten, doch das Schul- und Bildungssystem stand allen Kindern ab dem 6. Lebensjahr zur Verfügung. Mädchen waren hier nicht benachteiligt und hatten im ägyptischen Schul- und Bildungssystem die gleichen Rechte wie die männliche Jugend. Während bei den wohlhabenden die Kindererziehung als Selbstverständlichkeit  mit der Schulbildung verknüpft wurde, war es in den breiten Schichten des Volkes wesentlich weniger üblich, seinen Kinder eine Schulbildung mit einer weiterführenden Berufsausbildung zu ermöglichen. Hier wurden die Kinder meist sehr frühzeitig an die tägliche Arbeit der Eltern einbezogen. In einfachen Familien herrschte eine nach Geschlechtern gegliederte Arbeitsteilung, bei der Mädchen überwiegend bei der Mutter erzogen und ausgebildet wurden. Während Jungs meist nach Erziehung, Schule und Ausbildung das elterliche Haus verließen um sich für das spätere Leben einen eigene Existenz aufzubauen, blieben die Mädchen meist bis zu einer eigenen Ehe an der Seite der Mutter.

Bild 8: Religiöses Reliefmotiv auf einem Hausaltar aus 18. Dynastie, um 1345 v. Chr. im Neuen Reich. Das Relief zeigt in vertrauter Privatsphäre die Königsfamilie mit Pharao Amenophis IV (Echnaton) und seiner Königlichen Gemahlin Nofretete (Neferet-iti) mit ihren drei ältesten Töchtern. Die Erstgeborene Tochter Merit-Aton wird von ihrem Vater (links im Relief) zärtlich geküsst. Die zweite Tochter Maket-Aton sitzt auf dem Schoß ihrer Mutter Nofrete, während die jüngste Tochter Anchesenpaaton (spätere Gemahlin von Tutanchamun) an ihrer linken Schulter steht und mit den Ohrringen ihrer Mutter spielt. Neben dem Motiv einer idyllischen Familieszene sollte dieses Relief in der Amarna-Zeit Echnatons auch ein politisches Ausdrucksmittel sein  Die Sonnenscheibe als Gott Aton sendet seine Strahlen auf die Pharaonenfamilie. Das Bild ist auch eine Symbolik für die Stellung der Frau im Alten Ägypten und besonders in der Amarna-Zeit, denn die Königin Nofretete (ehemals eine bürgerliche Frau)  ist nicht nur in der gleichen Größe dargestellt, sondern sitzt auch noch auf dem Thronsessel ihres Mannes (rechts im Relief). Dieses berühmte Relief befindet sich im Ägyptischen Museum Berlin. Bild 9: Dieses Reliefmotiv ähnelt stark dem Bild 8. Derartige Motivreliefs waren im Alten Ägypten der Amarna-Zeit vielfach im ganzen Land als propagandistisches Ausdrucksmittel aufgestellt um die monotheistische Religion in der amarnischen Revolutionszeit des Echnaton leichter und verständlich zu verbreiten. Dieses Motivrelief der königlichen Familie unter den Strahlen des Aton befindet sich im Ägyptisches Museum Kairo.

Alltag, Hausfrau und Beruf

Auch wenn Frauen im Alten Ägypten wesentlich mehr Rechte hatten als in anderen Kulturen und dem Mann in viielen Bereich gleichgestellt waren, so gab es doch geschlechterbezogene Rollenverteilungen. Die Frau war grundsätzlich die „Herrin im Haus“, dafür verantwortlich und bestimmend. Das war auch bei den Wohlhabenden so, nur mit dem Unterschied, dass hier Dienerinnen und andere Bedienstete den Alltag bestimmten. In der breiten Bevölkerung war dagegen die Frau mit sehr vielfältigen Aufgaben verantwortungsvoll betraut. Während der Mann in den meisten Fällen seinen Job außerhalb des Hauses hatte, versorgte die Frau als „Herrin des Hauses“ das Haus, sie war in allen Belangen eine echte Hauswirtschaftlerin, war verantwortlich für die Kindererziehung und hatte nicht selten noch einen Nebenjob. Auf den Märkten waren es überwiegend auch Frauen, die ihre selbstgemachten Erzeugnisse auf den Märkten „vertauschten“, die hier für einen Nebenverdienst das Haushaltsaufkommen der Familie und gleichzeitig auch das eigene Vermögen absicherten.
Für den griechischen Geschichtsschreiber der Antike Herodot war der Fleiß und die Wirtschaftlichkeit der Frau im Alten Ägypten eine verkehrte Welt. Er erlebte die Frauen auf den Märkten im Handel, während Männer daheim Stoffe webten. Auch wenn man nicht jede Aussage von Herodot überprüfen kann, so gibt aber sein antikes Frauenbild einer Ägypterin typische Hinweise auf die niedrigere Stellung und Wertigkeit der Frau in europäischen Hochkulturen, die erst hunderte von Jahren später in Hellas und Rom aufkamen.
Trotz einer sehr engen und respektvollen sozialen Ehegemeinschaft war die Frau im Alten Ägypten rechtsfähig und autonom und je nach Stand auch als Hausfrau neben ihrem Mann eine berufstätige Frau. Bis auf die wohl körperlich sehr kräftezehrenden Tätigkeiten und Ämter im Staatsdienst, standen einer Frau so ziemlich die gesamte Berufswelt offen. Wenn eine Frau auch noch die Möglichkeiten einer Schul- und Berufsbildung erfahren konnte, gelang sogar noch durch sie für die ganze Familie der Aufstieg in höhere Gesellschaftsschichten, auch wenn nach Außen der Mann das Ansehen einer Familie prägte.
Der berufliche Tätigkeitsbereich einer altägyptischen Frau war sehr vielfältig und spielt sich demnach nicht nur im eigenen Haus ab, wo sie die Herrin (Nebet-per) war, sondern auch in der Öffentlichkeit. Sie arbeiteten auf einem kleinen eigenen Stück Land oder Garten für die Selbstversorgung, in fremden Haushalten von reichen Leute. Sie arbeiteten in Backstuben und in Brauereien, in Werkstätten mit der Produktion von Stoffen und Perücken oder sogar bei der Herstellung von Kosmetika, wo sie sogar Karriere machen konnten bei gelungenen Kreationen.
Weitere Berufe die im Alten Ägypten in der Zeit zwischen 3000 v. Chr. und 30 v..Chr. von Frauen u.a. ausgeübt wurden: Landfrau, Marktfrau, Herstellerin von Schmuck, Tänzerin, Musikerin, Dienerin, Kammerdienerin, Einbalsamiererin, Lehrerin, Berufsausbilderin, Schreiberin, Priesterin und andere Tempeldienste (schon seit der 4.Dynastie bekannt), Heilerin und auch Ärztinnen und Hebammen. Diese beruflichen Beispiele von Frauen  im Alten Ägypten geben nur einen kleinen Ausschnitt wieder. Man kann aber auch davon ausgehen, je höher der Stand und die Bildung, um so angesehener und vielfältiger war auch für eine Frau die berufliche Möglichkeit.

Bild 10 und 11: Bei diesen Skulpturen aus Holz handelt es sich um Modelle von Opfergabenträgerinnen aus der 12. Dynastie um 1800 v. Chr. im Mittleren Reich. Ursprünglich vermutete man, dass es sich bei den Opfergabenträgerinnen um Verwandte oder direkte Familienangehörige handelt haben könnte, doch heute weiß man, dass es sich bei diesen Frauen um Totenpriesterinnen gehandelt hat, die beruflich dem Verstorbenen Speisen und Getränke darbringen. Ägyptisches Museum Berlin. Bild 12:  Teil eines Wandreliefs mit der Darstellung von Totenpriesterinnen als Opfergabenträgerinnen aus der 4. Dynastie im Alten Reich  und vermutlich aus der Zeit von Pharao Snofru. Diese Fragmente eines Wandreliefs befinden sich im neuen Hurghada Museum. Bild 13. Frauenfiguren als Opfergabenträgerinnen im neuen Hurghada Museum.

Frauen in der Regierung
Königinnen in Politik und Diplomatie

Auch wenn Frauen im Alten Ägypten je nach Bildungsgrad fast jeden Beruf erlernen und ausbüben konnten, waren sie in den politischen Verwaltungsbereichen in der gesamten altägyptischen Geschichte nur verhältnismäßig selten in Amt und Würden. Frauen, denen es gelang politische Verantwortung zu tragen, entstammten meist nur aus den gehobenen Gesellschaftsschichten und aus der Köninigsfamilie. Die Politik, das Militär und der Pharaonen-Thron war demnach mit wenigen Ausnahmen eine Domäne des männlichern Geschlechts. Die ägyptische Geschichte kennt aber in allen Zeiten auch einige Frauen, die die Alleinherrschaft auf dem Pharaonen-Thron ausübten. Auch manch eine Königin als „Große königliche Gemahlin“ nahm politischen Einfluß auf die Regierungsgeschäfte oder wurde sogar zur Mitregentin des Pharaos ernannt. Andere Königinnen traten als Regentinnen für noch unmündige Thronfolger ein, wie zum Beispiel Anchesenmerire, die Witwe von Pepi I. in der 6. Dynastie oder Ahhotep I., die Mutter von Ahmose, dem späteren Gründer der 18. Dynstie. Ahhotep I. ist als Regentin sogar berühmt geworden, weil es ihr gelang  die Hyksos zu vertreiben, die in der 2. Zwischenzeit (1794 – 1550 v. Chr.) über Ägypten herrschten, weshalb sie auch als „Vereinerin Ägyptens“ in die Geschichte einging.
Auch wenn die große pharaonische Herrschaft in Altägypten eigentlich Männersache war, gab es mehr Frauen, als wir bisher ahnten, die die Macht über Ägypten fest in ihren Händen hielten oder als Königliche Gemahlin aus der 2. Reihe großen Einfluß nahmen, um die Geschicke des Landes zu steuern.
Die einflußreiche Machtposition einer Frau im Altägypten begann schon zu Beginn der ägyptischen Weltgeschichte in der Frühdynastischen Zeit mit der Königin Meritneith an der Seite ihres Mannes dem Pharao Wadji in der 1. Dynastie um etwa 3000 Jahre v. Chr. Sie besaß, wie üblich zu dieser Zeit, jeweils ein Grab in Abydos und in Sakkara. Eigentlich ein Previleg, dass nur für Pharaonen gedacht war und nicht für Königinnen. Auf den Grabstelen fand man den Namen Meritneith und dieser Name war absolut weiblich und auch wenn auf den Stelen kein Horus-Falke zu sehen ist, drängt sich der historische Verdacht auf, Meritneith war nach ihrem Mann der 3. Pharao der 1. Dynastie und somit auch die 1. Pharaonin in der ägyptischen Geschichte. Bis zum Ende der altägyptischen Geschichte  im Jahre 30 v. Chr. gab es noch weitere Frauen auf dem Pharaonen-Thron. Genannt werden hier Namen wie z.B. Nitokris 2218-2216 v. Chr., sie ist zwar ägyptologisch noch nicht eindeutig nachgewiesen, wird aber vielfach als letzte Pharaonin der Alten Zeit benannt bevor die 1. chaotische Zwischenzeit begann.
Als nächste sei Nofrusobek erwähnt, sie herrschte als weibliche Pharaonin im Mittleren Reich in der 12. Dynastie, weil es schlicht keine männlichen Thronfolger gab nach dem Tod von Amenemhet IV.
In der 19. Dynastie folgte als weibliche Herrscherin Tausret (auch Tausretmerienmut – Die Mächtige Die reich an Land ist, geliebt von Mut), die nach dem Tod ihres Stiefsohnes Pharao Siptah den Thron bestieg.
Mit Hatschepsut regierte knapp 300 Jahre vor Tausret die wohl bedeutenste Frau auf einem altägyptischen Thron (Bild 14). Nach dem Tod ihres Mannes Thutmosis II. übernahm sie die Regentschaft für ihren Stiefsohn Thutmosis III. und wenige Jahre später ließ sie sich selbst zum Pharao krönen und regierte über 20 Jahre sehr erfolgreich das mächtige Weltreich Ägypten. Berühmt ist auch der in der Architektur ungewöhnliche Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari am Westufer des Nil in Theben, den man bei Ausflügen nach Luxor unbedingt gesehen haben muß.
Die letzte große Herrscherin auf einem ägyptischen Thron war die berühmte Kleopatra VII. aus dem ägyptischen Ptolemäerreich. Ihr politisches Ziel war es, das ägyptische Reich zu stabilisieren und im Spiel der Großmächte die Unabhängigkeit Ägyptens zu verteidigen. Sie scheiterte jedoch an der aufkommenden Weltmacht des Römischen Reiches und wurde in diesem Zusammenhang auch bekannt durch die Liebesdramen mit den Römern Caesar und Antonius. Ihr rätselhafter Selbstmord im Jahr 30 v.Chr. besiegelte das Ende der ägyptischen Weltmacht und Ägypten wurde römische Provinz.
Frauen gestalteten ägyptische Politik aber nicht nur auf dem Pharaonen-Thron, sondern auch als Königinnen an der Seite ihrer Männer oder wurden gar als „Große königliche Gemahlin“ Mitregenteninnen und nahmen somit sehr großen Einfluß auf die politische Entwicklung des Landes. Sie waren nicht nur die „First Lady“ an der Seite des Königs, sondern auch legitimiert, aktiv das politische Geschehen in Ägypten zu gestalten. Zu diesen bedeutenden und großartigen Frauen zählten als Beispiel u.a. Ahmose Nefertari, Gemahlin von Amose I. in der 17. Dynastie, Teje als die Große königliche Gemahlin und Mitregentin von Pharao Amenophis III., auch nach dem Tod ihres Mannes behielt sie ihren starken politischen Einfluß unter ihrem Sohn Amenophis IV. (Echnaton) in der 18.Dynastie, auch Nofretete, in Ägypten besser bekannt unter dem Namen Nefertiti, war die große Gemahlin von dem revolutionären Pharao Echnaton und eine bedeutende Mitgestalterin seiner Politik. Zum Ende der Amarna-Zeit mit dem Tod von Echnaton verschwand sie rätselhaft von der Bildfläche, doch Indizien sprechen dafür, dass sie unter einem falschen Namen weiterhin politisch aktiv war, denn es könnte sein, dass der Nachfolger von Echnaton Semenchkare und Nofretete theoretisch identisch sind, Meritamun, war eine weitere namhafte Königin und die leibliche Königstochter von Ramses II., Königsgemahlin, Große Königliche Gemahlin, Herrin der beiden Länder, Herrscherin von Ober- und Unterägypten in der 19. Dynastie.

Bild 14: Kopf der Hatschepsut als Teil einer Kolossalstaue, sie lebte im Neuen Reich in der 18. Dynastie und wurde 1497 v. Chr. in Theben geboren. Ihr Eigennahme Hatschepsut bedeutet soviel wie “Die erste der vornehmen Frauen”. Die Statue war zwar mit allen männlichen Attributen eines Pharaos ausgestattet, doch die künstlerische Freiheit des Bildhauers brachte die weiblichen Gesichtszüge deutlich zum Ausdruck. Als erste Frau auf dem Pharaonenthron führte sie Ägypten in eine friedliche Zeit und sie selbst wurde zu einer der mächtigsten Frauen der frühen Weltgeschichte. Sie selbst führte keine Feldzüge, kurbelte die Wirtschaft an und war eine Förderin der Wissenschaft und Kunst, Ägyptisches Museum Kairo. Bild 15: Kleine Standfigur der Königlichen Gemahlin Ahmose Nefertari, Neues Reich, 19. Dynastie um etwa 1200 v. Chr.. Da auch diese aus Holz gefertige Standfigur mit allen weiblichen Attributen von Ahmose Nefertari mit einer Höhe von etwa 44 cm, weit nach ihren Tode gefertigt wurde, handelt es sich auch hierbei um eine postume große Verehrung. Ihr Fundort lag in Theben (Ägypten) und ihr heutiger Standort ist im Ägyptischen Museum Berlin. Bild 16: Zwischen dem 23. und 25. Regierungsjahr ihres Vaters Ramses II., wurde Meritamun zur „Großen Königlichen Gemahlin“ ernannt und somit zur Ehe- und Hauptfrau ihres Vaters. Insgesamt hatte sie folgende Titel: Königstochter, leibliche Königstochter, Königsgemahlin, Große Königliche Gemahlin, Herrin der beiden Länder, Herrscherin von Ober- und Unterägypten. Früher stand diese Statue im Ägyptischen Museum in Kairo, doch seit März 2020 steht sie im neuen Hurghada Museum. Bild 17: Norfretete oder in Ägypten besser bekannt unter dem Namen Nefertiti (Neferneferuaton Nefertiti – Schön sind die Schönheiten des Aton, die Schöne ist gekommen). Sie war die „Große königliche Gemahlin“ von Echnaton (Amenophis IV). Nicht nur durch den Fund der Büste der Nofretete (Ägyptisches Museum Berlin) zählt sie zu den berühmtesten Frauen der gesamten ägyptischen Geschichte. Sie lebte in der „revolutionären“ Amarna-Zeit Echnatons in der 18. Dynastie. Nofretete (Neferet-iti) war zu keinem Zeitpunkt nur eine königliche „First Lady des Landes“  Sie war eine bedeutende Mitstreiterin der Politik des Pharaos und später auch Mitregentin und trug den „Titel Herrin beider Länder“. Ägyptologische Vermutungen schließen nicht aus, dass Nofrete nach dem Tod Echnatons sogar den Thron des Pharaos einnahm, bis es ganz still um sie wurde und der „Kindkönig Tutanchaton“ (Tutanchamun) zum Pharao inthronisiert wurde, der übrigens mit Anchesenamun einer Tochter von Nofretete verheiratet war. Bild 17: zeigt eine Statue der Nofretete (Neferet-iti) im Ägyptischen Museum Berlin.

Frauen als Priesterinnen

Frauen im Alten Ägypten mußten nicht unbedingt dem Adel angehören um ein Priesteramt auszuüben, auch Frauen aus der bürgerlichen Gesellschaft hatten die Chance ein ehrwürdiges Amt als Priesterin zu erhalten. Die Hauptaufgabe lag in der Ausübung bestimmter Tempelrituale. Im alten Ägypten waren die Tempel das eigentliche „Wohnhaus“ der Götter und Priesterinnen waren da eher die „Verwalter und Haushälterinnen“ und Pflegerinnen göttlicher Rituale. Tempel waren demnach nicht vergleichbar mit heutigen Kirchen bei denen ein Priester eine theologische Grundausbildung erhalten muß. Von einigen göttlichen Festen abgesehen, waren die Tempel für Gläubige nicht geöffnet. Nach der altägyptischen Relgionslehre lebten die Götter in ihren Tempeln und mußten täglich mit Kleidung Speisen und Getränken versorgt werden und diese Aufgabe wurde auch von Priesterinnen erledigt.
Die Tempel als „Wohnhäuser“ der Götter, waren aber nicht nur ein Ort der göttlicher Weltordnung und der Pflege göttlicher Rituale, sondern auch bedeutende Wirtschaftszentren mit großen Besitztümern und Ländereien mit hohen landwirtschaftlichen Ertragsflächen.
Tempel hatten immer eine hohe Personalanzahl und ein gutes ausgewogenes Verhältnis weiblicher Angestellter bis hin zu den Ämtern als Priesterin. Seit dem Alten Reich etwa 2707–2216 v. Chr.
mit der 3. bis 6. Dynastie sind weibliche Priesterinnen überliefert. Sie spielten eine bedeutende Rolle bei den Tempelritualen und viele Frauen aus der höheren Gesellschaft trugen den Titel „Priesterin der Hathor“. Im Neuen Reich etwa 1550–1070 v. Chr. mit der 18. bis 20. Dynastie erweiterten sich sogar die Tätigkeiten einer Priesterin als Musikerin und Tänzerin im begleiteten rituellen Kult der Götter. Den höchsten und verantwortungsvollsten Titel den eine Frau als Priesterin erreichen konnte war das Amt einer  „Gottesgemahlin des Amun in Karnak“. Die erste Frau, die diesen Titel trug, war die Königin Ahmose-Nefertari (* um 1562 v. Chr.; † um 1495 v. Chr.) Frau von Pharao Ahmose I., die letzte Frau die diesen Titel trug war Nitokris II. eine Tochter von Pharao Amasis in der 26. Dynastie. Dieses hohe Priesteramt als „Gottesgemahlin des Amun“ war demnach auch ein Titel, der nur von Frauen aus der königlichen Gesellschaft  bzw. der Familie ausgeübt wurde.

Bild 22: Bedeutende Statue einer „Gottesgemahlin des Amun Ankhnesneferibre“, sie war die Tochter eines Pharaos aus der Saitenzeit und vermutlich eine der letzten königlichen Frauen die in der Saitenzeit diesen Titel trugen. Als Saitenzeit wird in der Ägyptologie die 26. Dynastie (664-525 v. Chr.) bezeichnet, deren Könige nach Herodot und Manetho in der Stadt Sais im westlichen Nildelta residierten und dort auch bestattet wurden. Der Titel  Hemet-netjer-en-Amun (Gottesgemahlin des Amun) hat seit der 18. Dynastie die Funktion einer „Erbprinzessin“ und behielt seine Bedeutung bis zur 26. Dynastie. Zu bewundern ist diese Statue im Nubischen Museum in Assuan. Bild 23: Detailausschnitt aus einer kleinen Holzstele aus ihren Grab  mit der zarten Darstellung von Nehemes Bastet in einem fließenden Gewand. Nehemes Bastet war eine altägyptische Priesterin und die Tochter eines Hohepriesters des Amun in Karnak. Sie trug den bedeutenden Titel „Sängerin des Amun“. Luxor Museum, Ägypten   Bild 24: Sphinx von Schepenupet II. einer Gottesgemahlin des Amun und königliche Tochter von Pharao Pije in der Zeit zwischen 710 und 650 v. Chr. in der 25. Dynastie. Ägyptisches Museum Berlin

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (12), Christel Selke (8)