Amenophis IV. – Echnaton

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Land und Leute Ägypten

Echnaton und der Monotheismus
Amenophis IV. – Echnaton

Der 10. Pharao aus der 18. Dynastie im Neuen Reich

Aus Amenophis IV. wurde Echnaton der Revolutionär

Kein Pharao hat in der ägyptischen Geschichte solche gewaltigen Umwälzungen in Religion, Politik und Gesellschaft umgesetzt wie Amenophis IV. der sich später als letzte Konsequenz auch noch in Echnaton umbenannte. Seine Regierungszeit mit der seines Nachfolgers kann man praktisch als kleine Zwischenzeit und als eigene Epoche innerhalb der 18. Dynastie des Neuen Reiches betrachten. Echnaton war eine umstrittene Persönlichkeit und viele Geheimnisse ranken noch heute um seine Pharaonenzeit. Er krempelte die gesamte ägyptische Kulturgeschichte um und viele Fragen und Theorien um seine Person warten auf historische Klärung. War er ein krankhafter Spinner, ein Visionär, Rebell oder Revolutionär. Eine Kulturrevolution lößte er auf jeden Fall aus, denn nichts was im alten Ägypten heilig war blieb in der Gesellschaftspolitik Echnatons erhalten.

Bild 1 Detail einer Statue von Echnaton im Ägyptischen Museum Kairo

Wer war dieser geheimnisvolle Pharao Echnaton ( Amenophis IV.) ?

Unter Amenophis III. und seiner mächtigen Königlichen Gemahlin Teje erblühte ganz Ägypten in seinem Wohlstand. Die Außengrenzen waren gesichert und es herrschte Frieden im ganzen Land  In der königlichen Ehe kamen sechs Kinder zur Welt, vier Mädchen und zwei Jungs. Während die Töchter von Amenophis III. und Teje mit populären Titeln versorgt wurden und ständig auch an öffentlichen Empfängen und heiligen Festen teilnahmen und auch der Sohn Thutmosis öffentlich bekannt wurde mit der Option auch als Nachfolger auf dem Pharaonenthron vorgesehen zu sein, blieb der jüngste Sohn Amenophis absolut im Hintergrund. Aus seiner Kindheit oder Jugendzeit ist nichts näheres bekannt. Als jüngster Sohn ist er wohl im 18. Regierungsjahr seines Vaters in Theben geboren worden und verbrachte wohl einige Jahre seiner Jugend zur Ausbildung in Heliopolis und im Palast seines Vaters. Die Gründe für eine nicht Erwähnung eines möglichen Thronprinzen sind rätselhaft, ungewöhnlich und seltsam, wie auch so vieles im späteren Leben von Amenophis IV./Echnaton. Die Geschichte nahm aber eine radikale Wende als der ältere Bruder Thutmosis als Thronfolger in Memphis im Amt als Hohenpriester noch zu Lebzeiten seines Vaters Amenophis III. unerwartet verstarb. Der bis dahin fast unbekannte Sohn Amenophis kam nun in die Rolle eines Thronfolgers, was jetzt auch ein Siegelabdruck aus dem Palast seines Vaters in Malquata bestätigt, bei dem er als „wahrer Königssohn“ benannt wurde. 1351 v. Chr. verstarb der Vater Pharao Amenophis III. im wahrscheinlichen Alter von etwa 50 Jahren. Die mächtige königliche Witwe Teje, die schon zu Lebzeiten ihres verstorbenen Gatten die Geschicke des Landes mitgestaltete, verschaffte jetzt ihrem Sohn Amenophis IV. die Würde des Pharaonenthrones und machte sich öffentlich stark für ihn. In welchem Alter Amenophis IV. den Thron bestieg ist nicht genau bekannt. Ägyptologen vermuten aber noch ein jugendliches Alter, denn auf Reliefdarstellungen zeigt sich Pharao Amenophis IV. noch immer mit seiner Mutter Teje und umgibt sich häufig in ihrer Gesellschaft.

Bild 2 und 3: Büste von Amenophis IV. / Echnaton im archäologischen Museum von Luxor. Bild 4: Reliefdarstellung des Pharaos Echnaton aus Armana (Ägypten) um 1340 v. Chr. 18. Dynastie, Neues Reich. Ägyptisches Museum Berlin  Bild 5: Detail einer Statue von Echnaton im Ägyptischen Museum Kairo. Bild 6: Drei Kartuschen mit dem Namen des Pharaos Echnaton und des Gottes Aton um 1340 v. Chr. aus Amarna (Ägypten), Ägyptisches Museum Berlin. Bild 7: Porträtköpfe des Königspaares Echnaton und Nofretete (Nefertiti), um 1340 v. Chr. aus Armana (Ägypten), Ägyptisches Museum Berlin.

Regierungszeit von Pharao Amenophis IV. 1. bis 5. Jahr

1351 v. Chr. wurde Amenophis IV. in Theben zum Pharao gekrönt. In den ersten 3 Jahren seiner Regierungszeit folgte er noch den alten Traditionen der ägyptischen Kultur. Belegt ist sogar die Aufstellung eines Obelisken für Rê-Harachte-Aton in Menschengestalt mit Falkenkopf östlich des Amun-Tempels von Karnak. Wann Amenophis IV. seine  Nofretete geheiratet hat ist nicht genau belegt. Ihr Name Neferet-iti bedeutet „Die Schöne ist gekommen“ und sie wird bereits schon im 5. Regierungsjahr von Pharao Echnaton mit dem Beinamen Nefer-neferu-Aton („Schön sind die Schönheiten des Aton“) in einer Kartusche geschrieben. Für ihre große Bedeutung als Hauptgemahlin trägt sie die Titel „Große königliche Gemahlin“ und „Herrin der beiden Länder“, der auf einigen Talatat-Blöcken aus Karnak bezeugt ist. Die heute so berühmte Königin Nofretete war nicht nur eine sehr schöne Frau, sondern auch eine sehr selbstbewußte Königsgemahlin, die mit einflußreicher Macht ausgestattet, immer stärker auch auf Amenophis IV. einwirken konnte. Das gab vielleicht schon im 4. und 5. Regierungsjahr den entscheidenden  Ausschlag, das Amenophis IV. damit begann, seine politischen Ideen umzusetzen.

Regierungszeit von Echnaton 5. – 17./18. Jahr

Im 5. Regierungsjahr wird der Bruch mit der altägyptischen Tradition endgültig vollzogen. Die Amunpriester sind entmachtet, Tempel werden geschlossen, in heiligen Tempelkomplexen werden Texte und Bildnisse von verschiedenen Göttern unkenntlich gemacht, viele hohe Beamte werden im ganzen Land entlassen, der Glaube an unterschiedliche Götter wird untersagt. Echnaton läßt in Mittelägypten eine neue große Residenzstadt errichten mit einem riesigen Palast. Seine neue Stadt Achet-Aton (Horizont des Aton), das heutige Tell el-Amarna, entstand auf unberührtem Wüstenboden direkt am Nil, wo noch kein Gott und keine Göttin verehrt wurden, wie Echnaton auf einer Stele festhalten ließ. Die Stadt Achet-Aton hatte bald bis zu 50000 Einwohner und es gab nur noch die Gott Aton Verehrung. Echnaton verließ die Hauptstadt Theben und siedelte sich mit dem ganzen Hofstaat in Achet-Aton an.
Die Kulturrevolution ist umgesetzt, Aton, ist der einzige Gott, Echnaton ließ nur noch den Kult für Aton zu, der als Sonnenscheibe abgebildetet wurde; die von seinen Händen, welche das Anch- bzw. Lebenszeichen hielten, ausgehende Strahlen überfluteten die Erde. Der Pharao war der oberste Priester und Mittler zwischen Aton und den Menschen (siehe auch Bild 8).
Man schreibt ungefähr das Jahr 1346 v. Chr., die ägyptische Kultur und Theologie ist bereits seit fast 2000 Jahren entwickelt und tief im Volk verankert. Priester die sich wehrten mußten um ihr Leben bangen und viele religiöse Schätze mußten heimlich versteckt werden. Echnaton, auch als Ketzerkönig benannt, setzte seine monotheistische Gesellschaftspolitik brutal um. Seine Revolution die in eine Diktatur endete, konnte zwar das Volk Mundtod machen, aber heimlich fühlte man im Volke weiterhin für die Götter der altägyptischen Glaubenslehre. Es muß so gewesen sein, denn man fand selbst in der Aton-Stadt Achet-Aton Weingefäße mit Gott Bes-Bildnissen (Ägyptisches Museum Berlin).
Echnaton hatte von seinem Vater Amenophes III. ein wohlhaben Ägypten übernommen und jetzt, nur 6 – 9 Jahre später, hat ganz Ägypten durch die Revolution Echnatons politisch und wirtschaftlich schon erheblich gelitten.
Als Echnaton in sehr jungen Jahren den Pharaonenthron bestieg, stand er noch unter der Vormundschaft seiner Mutter Teje, die als kluge und starke Frau die politischen und kulturellen Geschicke des Landes lenkte. Das änderte sich später in der Ehe mit Nofretete, jetzt wurde sie die sehr starke Frau an seiner Seite. Echnaton stattete sie mit einer hohen Machtfülle aus, die eigentlich einem Pharao gleich kam. Das belegen auch Reliefdarstellungen am Aton-Tempel bei Karnak, wo Nofretete in der typischen Art eines Pharaos die Feinde am Schopf packt und mit der Keule erschlägt. Während Echnaton sich wahrscheinlich nur um die schönen Künste und der theologischen Ausrichtung kümmerte, war es Nofretete, die ihn vermutlich immer wieder an die realpolitischen Themen erinnerte. Nofretete konnte sehr gut einschätzen, welche Gefahren für die Revolution bestanden. Der Aton-Kult war praktisch per Unterdrückung dem Volk diktiert worden und es gehorchte eigenlich nur der Hofstaat, der Adel und die breite Beamtenschaft, um nicht in Missgunst zu geraten und Privilegien zu verlieren. Im ägyptischen Volk selbst blieb der Aton-Kult in schweigender Ablehnung.
Im 13. Regierungsjahr 1338 v. Chr. muß es wohl geheimnisvolle Veränderungen gegeben haben, sie sind ungeklärt und geben heute unter Ägyptologen viel Anlaß zu Spekulationen und Theorien. Seine Tochter Maketaton verstarb bei der Geburt eines Kindes. Gab es in diesem Zusammenhang ein Zerwürfnis mit Nofretete? Wie aus dem Nichts taucht ein rätselhafter Höfling Semenchkare auf, der großen Einfluß auf Echnaton ausübte und sein Vertrauen bekam. Gleichzeitig verschwand Nofretete von einem Tag auf den anderen, als wenn sie nie existiert hätte. Echnaton ordnete an, dass alle Namensnennungen von Nofretete im öffentlichen Leben Ägyptens ausgelöscht werden sollen. Wenn sie eines natürlichen Todes gestorben wäre, hätte Staatstrauer sein müssen. Nofretetes verschwinden gibt Rätsel auf, denn eine so mächtige Frau an der Seite eines Pharaos verschwindet nicht einfach so aus dem Leben der Geschichte. Gab es einen gescheiteten Putsch, Intrigen und Verschwörungen, ist sie in Ungnade gefallen, kam sie in Verbannung ? Fragen über Fragen, die bis heute nur Spekulationen und Theorien auslösen. Ihre Mumie ist bis heute auch noch nicht gefunden worden.
Auch Echnatons Tod ist ungeklärt, er starb 1334 v. Chr. im 17. Regierungsjahr. Seine Bestattung fand in der Königsgruft von Amarna statt. Auch die Nachfolge von Echnaton ist ungeklärt und gibt Anlaß zu Spekulationen und Theorien.

Bild 8 Anbetung der Sonne im Aton-Kult. Relieftafel im Ägyptischen Museum Kairo

Außenpolitik

In den ersten fünf Jahren seiner Regierungszeit ist nur wenig über  seine Außenpolitik bekannt. Viele diplomatische Kontakte, Verträge und Vereinbarungen haben noch eine Auswirkung aus der Regierungszeit seines Vaters Amenophis III. und man beruft sich auch noch auf die Bestätigungen und Kontakte mit seiner königlichen Mutter Teje. Die Grenzen sind gesichert und Feldzüge oder Grenzkonflikte sind nicht bekannt.
In seinem 10. oder 11. Regierungsjahr soll es wohl nach Überlieferungen durch eine Stele (in Buhen/Nubien) einen Feldzug (eine „Denkelzettelaktion“) gegen Nubien gegeben haben, weil Nubien einen Überfall auf ägyptisches Territorium unternahm.
1887 fand eine ägyptische Bäuerin auf der Suche nach Lehmziegeln, um sie als Düngemittel für ihre Felder zu nutzen, zahlreiche Tontäfelchen mit Keilschriftzeichen. Diese Tontafeln gehörten zur Regierungszeit von Echnaton zum Staatsarchiv von Achet-Aton, dem heutigen Amarna. Diese hochinteressanten Amarnabriefe beinhalten die keilschriftlichen diplomatischen Korrespondenzen der nordöstlichen Nachbarn an Echnaton. Sie beinhalten alle keine ernstaften Konflikte, eher militärische Bitten von Versallen, weil sie sich gefährdet sehen. Bei anderen Texten geht es auch um politische Ehen und der Zusendung von Prinzessinnen, andere mahnten Echnaton an und baten in diesem Sinn im Rahmen bilateraler Beziehungen für eine diplomatische Konsolidierung um eine schöne Ägypterin.
Wie zu Echnatons Zeit die außenpolitischen Verhältnisse relativ harmlos erschienen, belegt auch eine dieser Tontafeln. So hatte Tuschratta der Mitannikönig ein ganz besonderes Anliegen. Die königliche Mutter Teje solle doch ihren Sohn Pharao Echnaton veranlassen, ihm die versprochenen Statuen aus Gold statt Holzfiguren zu senden; denn „Gold sei in Ägypten wie Staub unter den Füßen“.

Die Eltern und Königliche Gemahlin von Echnaton

Bild 9: Kopf einer Statue des Pharaos Amenophis III. aus Diorit um 1360 v. Chr., 18, Dynastie. Ägyptisches Museum Berlin. Bild 10:  Die Königsmutter Teje, Gemahlin von Amenophis III: und Mutter von Echnaton. In Achet-Aton bewohnte sie einen eigenen Palast. Bild 11: Die berühmteste Büste der Nofretete wurde 1912 in Tell el-Amarna entdeckt und steht heute im Ägyptischen Museum Berlin. Bild 12: Echnatons königliche Gemahlin Nofretete war eine Frau die mit Machtfülle ausgestattet war. In den Texten der Armana-Zeit wird die Königin als “ edle Herrin voller Liebreiz“, ausgestattet mit allen „Tugenden“ beschrieben. Nofretetes Schönheit erregte am Hofe großes Aufsehen. Wahrscheinlich eine unvollendete Skulptur, heute im Ägyptischen Museum Berlin zu sehen.

Regierungs– und Familiendaten von Amenophis IV. / Echnaton

  • Regierungszeit von Amenophis IV. / Echnaton:  Vermutlich von 1351–1334 v. Chr., Umbenennung in Echnaton im 5. Regierungsjahr.
  • Eigenname: Geburtsname Amenophis IV.; ägyptisch Amenhotep IV (Amenhotep (Imen hetep – Amun ist zufrieden) ; später umbenannt in  Achenaton (Echnaton – Achen Aton / Achen Iton – Der Aton dient / nützlich ist; Strahl / Glanz des Aton
  • Thronname  als Amenophis IV.: Nefer-cheperu-Re-wa-en-Re – Mit vollkommenen Gestalten, Einziger des Re
  • Thronname  als Echnaton: Nefer-cheperu-Re-wa-en-Re – Mit vollkommenen Gestalten, Einziger des Re
  • Mutter : Große Königsgemahlin und Hauptgemahlin Teje
  • Vater : Amenophis III.
  • Brüder: Thutmosis,
  • Schwestern:  Sitamun, Iset, Henuttaunebu, Nebet-tah, Baketaton, „Younger Lady“, diese Dame konnte mittels DNA 2010 als Mutter von Tutanchamun ermittelt werden.
  • Ehefrauen : Nofretete (Königliche Hauptgemahlin), Kija (wichtigste Nebenfrau von Echnaton), „Younger Lady“ ( mittels DNS-Untersuchungen eine Schwester des Echnaton und Mutter des Tutanchamun),
  • Töchter: Meritaton, Maketaton, Anchesenpaaton (später Anchesenamun und Königliche Gemahlin von Tutanchamun) Neferneferuaton Tascherit, Neferneferure, Setepenre.
  • Söhne: Tutanchaton (später Tutanchamun)
  • Vorgänger: Sein Vater Amenophis III.
  • Thronnachfolger : Semenchkare 1334-1332 v. Chr.(?). Über Pharao Semenchkare ist nichts bekannt, weder von seiner Herkunft noch von der kurzen Nachfolgerschaft. Das Geheimnis über die Thronfolge nach Echnaton gibt den Ägyptologen noch viele Rätsel auf.

Das rätselhafte Ende der Amarna-Zeit

Nach dem Tod von Echnaton war die große Revolution in seiner praktischen Umsetzung gescheitert, hatte aber noch für einige Jahre bis zur  Inthronisierung seines Sohnes Tutanchamun Auswirkungen. Der Aton-Kult war zwar noch gültig, doch er schwächelte, weil er im Volk und in der ehemaligen einflußreichen Amun-Priesterschaft keinen Rückhalt hatte. Wer in der Zwischenzeit von Echnatons Tod bis zur Thronbesteigung des kindlichen Tutanchamun Ägypten regierte ist sehr verwirrend und rätselhaft. Unter Fachleuten wird diskutiert ob es Semenchkare war, als Höfling einer adligen Nebenlinie oder entsprach das plötzliche Verschwinden von Nofretete einer Umbenennung und folgte sie damit als Semenchkare auf den Thron. Es gibt aber auch Indizien, die völlig andere Theorien in der Fachwelt aufkommen lassen, nach denen auch Meritaton seine 1.Tochter und seine 4. Tochter Neferneferuaton Tascherit gemeinsam die Nachfolgeschaft auf den Thron des Vaters übernahmen. Den Untergang der Amarna-Zeit mit der theologischen Kulturrevolution Echnatons konnten die Nachfolger nicht aufhalten und der endgültige Bruch mit den Visionen Echnatons erfolgte dann durch seinen Sohn Tutanchamun.

Fotos: (c) Michael Kürschner (9), Christel Selke (4)