Grab des Ramose

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Land und Leute Ägypten

Privatgrab eines Wesirs aus der 18. Dynastie
Grab des Ramose

Die Person Ramose

Ramose wurde in eine gesellschaftlich einflussreiche Familie geboren. Sein Vater Heby war vermutlich Bürgermeister von Memphis, sein Bruder Amenhotep war als Obervermögensverwalter in Memphis ein bedeutender und einflussreicher Beamter am Hofe des Pharaos. Seine Mutter hieß Ipuja. Verheiratet war Ramose mit Merit-Ptah. Über Kinder von ihm ist nichts bekannt. In seiner Jugendzeit erhielt er eine hochqualifizierte Schulbildung und wurde später selbst Beamter im höheren Dienst. Als Wesir bekleidete er ein Amt, bei dem er nach dem Pharao der zweite Mann im Staate war. Er war ein südlicher Wesir, denn ab dem Neuen Reich gab es für Ober- und Unterägypten jeweils einen Wesir. Er lebte am Ende der 18. Dynastie und diente in seiner Amtszeit zwei Pharaonen in den Regierungszeiten von Amenophis III. und Amenophis IV. (Echnaton).

Das Grab des Ramose im Tal der Noblen im TT 55

Das Grab im TT 55 im Tal der Noblen (in Scheich Abd-el Gurna, Theben) wurde für den hochrangigen Beamten, Gouverneur von Theben und Wesir Ramose angelegt. Die Reliefs in seinem Grab zählen zu den bedeutensten Darstellungen der ägyptischen Kunstgeschichte, da sie den Übergang vom klassischen Stil zum „neuen Amarnastil“ in der Kunst erkennen lassen, der in der Regierungszeit von Echnaton vorherrschend war. In der Bauweise entsprach das Grab TT 55 der typischen thebanischen Architektur in der Form eines umgekehrten „T“, das aus einer Querhalle, einer Längshalle und der daran angegliederten Kapelle des Grabes bestand. Der bedeutende Teil des Grabes ist die Querhalle, die Decke wurde ursprünglich in vier Reihen von 32 stämmigen Papyrussäulen getragen die heute nur noch im Ansatz erhalten sind. Teilweise wurden die Säulen aber wieder rekonstruiert aufgestellt. Die Querhalle ist in seiner Besonderheit auch der einzige Raum des Grabes, der mit farbigen Malereien und Reliefs ausgestattet ist.  Der Baubeginn des Grabes lag noch in der Regierungszeit von Amenophis III. Das Grab gibt in seiner Gesamtheit den Eindruck wieder, dass es unvollständig, hastig und überstürzt abgeschlossen  wurde. Obwohl die Dekoration der Nordwand bereits mit verschiedenen  Szenen aus der Zeit von Echnaton (Amenophis IV.) angefangen wurde, bleibt die Hast und Eile bei der Fertigung ein geheimnisvolles und noch nicht geklärtes Rätsel (Stand 2020). Entweder war Ramose vor der Fertigung frühzeitig verstorben und die Arbeiten mußten deshalb in kürzester Zeit abgeschlossen werden oder Ramose viel in der wirren Amarnazeit Echnatons zeitweise in Ungnade.

Bild 3: Die starken rekonstruierten Papyrusbündelsäulen in der Querhalle (Hypostyl, Säulenhalle) in der die Decke von 32 Säulen getragen wurde. Bild 4: Die Querhalle mit den Säulen und dem  Blick auf die Südwand. Die Querhalle hat eine Breite von 26 Meter und eine Tiefe von 12 Meter und ist somit für ein Privatgrab ein ungewöhnlich großes Grab, dass in seiner Besonderheit auch keine üblichen Alltagsszenen zeigt, sondern nur sehr ausführliche Darstellungen von seinem Begräbnis und der Beziehung zu seinem Pharao Amenophis IV. (Echnaton). Bild 5: Die Querhalle mit dem Eingang (A) zur Längshalle und der Kapelle. Von den ursprünglichen Säulen (B) sind nur noch Fragmente erhalten. Im Hintergrund hat man den Blick zur Südwand (C) , die als einzige mit dem Trauerzug farbliche Darstellungen zeigt.

Grabreliefs in der Querhalle (Säulenhalle)
Reihenfolge vom Eingang aus betrachtet im Uhrzeigersinn

Linke Seite der Ostwand in der Querhalle, die Eltern von Ramose, seine Brüder mit Frauen und Freunde beim Begräbnisfest. Bild 6: Amenhotep der Bruder von Ramose mit seiner Frau. Der hohe Beamte Amenophis trägt entsptrechend seiner Amtswürde das Sem-Zepter. Während alle Reliefs farblos erscheinen sind die Augen wie bei noch lebenden Personen mit schwarzer Farbe geschminkt. Frauen legen häufig auf Reliefdarstellungen eine Hand auf die Schulter und die andere auf den Oberarm ihres Mannes. Über der Perücke trugen Frauen gerne eien Kopfschmuck aus Lotusblüten. Bild 7: Dieses Relief zeigt Ramoses Bruder Keschy mit einem Priester.

Bild 8: Ein weiterer Bruder von Ramose mit seiner Frau. Bild 9: Die Eltern von Ramose, sein Vater Heby (rechts) und seine Mutter Ipuja.

Bild 10: Bruder von Ramose, Detailausschnitt von Bild 8.  Bild 11: Ramoses Mutter Ipuja, Detailausschnitt von Bild 9. Bild 12: Die Frau von Ramoses Bruder Amenhotep, Detailausschnitt von Bild 6. Bild 13: Ramoses Bruder Amenhotep, Detailauschnitt von Bild 6.

Südwand der Querhalle mit dem farbig dargestellten Begräbniszug von links nach rechts. Bild 14: Der Bestattungszug ist in zwei Registern untereinander dargestellt. Die obere Reihe ist in vielen Szenen nicht mehr so gut erhalten, weil durch eingedrungenes Regenwasser viele Bilder der Malerei Schaden erlitten  haben. Im oberen Register erkennt man aber noch deutlich den Kanopenschrein von Ramose wie er auf einem Schlitten zum Grab gezogen wird. Der Bestattugszug ist die einzige Farbdarstellung im Grab und nimmt mit seiner Länge von 12 Metern die gesamte Südwand ein und führt von der Ostwand bis zur Westwand. Bild 14 zeigt somit wahrscheinlich das Ende des Trauerzuges. Bild 15 und 16: Die Diener von Ramose werden in diesen Szenen als Beigabenträger gezeigt. Sie tragen die notwendigen Güter zum Grab, wie sie für das Leben im Jenseits benötigt werden. Man sieht die Träger beladen mit Möbel, Schreinen, Sandalen, Vasen und andere Gefäße in unterschiedlicher Gestalt, aber auch Schreibzeug, halt alles, was was ihr Herr Ramose im Leben benötigt hatte.

Bild 17: Die Klage der Frauen ist eine tiefverwurzelte Tradition und gehörte zur ägyptischen Bestattung und hat eine tiefgreifende religiöse Bedeutung. In der berühmten Grabszene des Ramose ist dieses Ritual eindrucksvoll durch die Vielzahl der in großer Trauer erhobenen Arme und durch die als Wasserlinie gezeigten strömenden Tränen verdeutlicht dargestellt.. Einige Frauen schütten sich während des Wehklagens sogar noch Asche auf das Haupt. Gekleidet sind die Frauen in zarten weißen Gewändern, wobei Junge Frauen meist mit freien Oberkörper und Kinder meist nackt erscheinen, wie das kleine trauernde Mädchen im Vordergrund. Bild 17 und 18: Weitere Szenen aus dem Trauerzug, hinter den wehklagenden Frauen tragen Diener von Ramose noch weitere Dinge aus dem Leben von Ramose zum Grab.

Westwand der Querhalle (Säulenhalle)

Bild 20:  Die Westwand der Querhalle zeigt deutlich die künstlerische Handschrift der Amarna-Zeit unter Amenophis IV. (Echnaton). Im Vergleich zur Ost- und Südwand  ist somit auch ein stilistischer Bruch festzustellen. Nach Amenophis III. diente Ramose auch unter Amenophis IV. und mußte in seinem Amt, einen politischen Umbruch erleben, der in der ägyptischen Geschichte wohl einmalig war.  Unter den Strahlen des Gottes Aton befanden sich ursprünglich die Reliefs von Echnaton und seiner Frau Nofretete, sie sind aber nach der altägyptischen Kulturrevolution ausgemeißelt worden. Niemand sollte nach seinem Tode, auch in den Gräbern, noch an den „Ketzerkönig“ erinnert werden. Das Ausmeißeln galt in vielen Bereichen auch für Symbole und Kartuschen, die die Namenszüge von Echnaton und Nofretete darstellten. Bild 21: Die rechte Westwand hat auch viele künstlerische Darstellungen bereits begonnener Reliefs, aber auch einige unvollendete, die nur als Vorzeichnungen angebracht wurden.

Rechte Seite der Ostwand in der Querhalle.

Bild 22: Der Grabherr Ramose selbst bei einem Reinigungsritual, welches von zwei Priestern vollzogen wird. Bild 23: Detailansicht von Ramose bei der Reinigungszeremonie von Bild 22.

Bild 24: Diener bringen Opfergaben. Diese Reliefszenen an der Ostwand sind im Detail mit großer Sorgfalt  gefertigt. Bild 25: Weitere Szenen mit Opfergaben.

Bild 26 Grab des Ramose. Der Wesir Ramose mit seiner Frau Merit-Ptah

Eintrittspreis / Ticket

Ticket für das Grab von Ramose

Der Eintrittpreis beträgt 60 Ägyptische Pfund (etwa 3,80 Euro, Stand März 2020)  Eine Fotoerlaubnis kostet extra, wenn man eine Kamera nutzen möchte.


Fotos: (c) Michael Kürschner (18), Christel Selke (9)