Grab des Sennefer

Flagge Ägyptens

Land und Leute Ägypten

Bürgermeister von Theben unter Amenophis II.
Grab des Sennefer TT 96

Die Person Sennefer

Sennefer (Sen-nefer) war einer der bedeutensten Würdenträger seiner Zeit unter Pharao Amenophis II. (1428-1397 v. Chr.) in der 18. Dynastie im Neuen Reich. Sennefer war der Bürgermeister von Theben der mächtigsten Stadt des Landes, er unterstand damit direkt dem Wesir. Theben war nicht nur Hauptstadt, sondern auch das religiöse Zentrum der damaligen Zeit.  Seine berufliche Laufbahn begann er schon als höher gestellter Beamter im Amuntempel in Karnak. Neben seiner späteren Tätigkeit als Bürgermeister von Theben hatte er auch noch viele weitere Funktionen. Ämter und Titel, so war er z.B. auch noch Scheunenvorsteher des Amun und somit verantwortlich für die Versorgung der thebanischen Tempel, zusätzlich noch Rindervorsteher des Amun und er war auch Priestervorsteher der Gottesgemahlin Ahmose Nefertari (* um 1562 v. Chr.; † um 1495 v. Chr.), der Halbschwestergemahlin des Pharaos Ahmose I. (* um 1560 v. Chr.; † 1525 v. Chr.). Er selbst sah sich bei all seinen Tätigkeiten immer als „Vertrauter des Königs“
Sennefers Vater war der zweite Priester des Hor-wer in Qus, Nu, seine Mutter ist unter dem Namen Henutiry bekannt. Auch in seiner Verwandtschaft gab es hochgestellte Persönlichkeiten, so war z. B. sein Cousin Amenemope, der ursprünglich auch als sein Bruder geführt wurdeWesir unter Amenophis II. Über seine Geschwister, oder ob er überhaupt welche hatte, ist nichts bekannt.
Bei seinen „Frauen“ bzw. Ehefrauen wird es allerdings etwas komplizierter. Bei Sennefer tauchen diese fünf Frauennamen auf: Senetemiah, Senetmy, Senet-nofret, Senet-nai und Merit, sie alle stammen aus verschiedenen Gräbern. Die Namen Senetemiah und Senetmy sind vermutlich ein Hieroglyphen-Übersetzungsfehler, weshalb man diese Namen aus der Liste der vermutlichen Ehefrauen streichen kann. Nach Untersuchungen verschiedener Archäologen könnte es sich bei den Namen Senet-nofret, Senet-nai um ein und die selbe Person handeln und nach dem belgischen Ägyptologen Dimitri Laboury könnte es sich bei Merit vermutlich auch um seine Schwester handeln, die nach dem frühen Tod von Senet-nai an ihre Stelle als Ehefrau trat. Dann wär es auch verständlich, wenn im unterirdischen Grab TT 96b von Sennefer, er sich nur mit Merit vielfach abbilden ließ. Senet-nai wurde auch mit größter Wahrscheinlichkeit nicht im TT 96b beigesetzt, sondern im KV 42, ein Grab, welches ursprünglich für Königin Meritre Hatschepsut und Thutmosis II. bestimmt war und für beide nicht genutzt wurde.
Ob Sennefer einen Sohn hatte ist nicht bekannt, belegt sind nur zwei Töchter. Muttui ist als Sängerin des Amun bekannt und Nefertari führte den Titel „Königliche Hofdame“.
Es gibt ausreichende Indizien für die Vermutung, das Sennefer niemals im TT 96 bestattet wurde und das Grab des Sennefer somit eine Totenkultstätte war. Hinweise im Tal der Könige im KV 42 deuten darauf hin, das Sennefer an bedeutenderer Stelle bestattet worden sein kann., denn man fand in diesem Grab Gefäße mit den Inschriften von Sen-nefer und seiner Ehefrau Senet-nai. Im KV 42 gibt es aber keine Hinweise auf Merit, mit der sich Sennefer im TT 96b überwiegend darstellen ließ.

Bild 1 Grab des Sennefer, Skizze von der Grabform von TT 96b

Das Grab des Sennefer im Tal der Noblen im TT 96

Bild 1a: Blick vom hochgelegenen Grabeingang des Sennefer im wüstenhaften Kalksteinmassiv von Gurna auf das sattgrüne Niltal. Bild 1b: Diese Treppe führt direkt ins Vestibül in eine kleine Vorkammer zum Grab des Sennefer. Im Treppenschacht ist es sehr eng und niedrig, man muß schon leicht gebückt den zienlich steil abfallenden Treppengang benutzen um in das 12 Meter tief gelegege Grab des Sennerfer zu gelangen.

Das Grab des Sennerfer befindet sich im oberen Abschnitt des Süd-Ost-Hangs des Hügels von Sheikh Abd el-Qurna und trägt die Nr. TT 96. Man erreicht dieses Grab nur über eine schmale in den Fels gehauene Treppe, die mit 44 Stufen etwa 12 Meter tief in den Untergrund führt und in einem Vorraum (Vestibül) endet, der grundsätzlich immer vor einer Grabkammer liegt.. Der Vorraum ist verhältnismäßig klein mit einer niedrigen Decke. Durch einen sehr schmalen  und niedrigen Durchgang mit einer Durchgangshöhe von nur 1, 5 Meter gelangt man in die eigentliche quadratische angelegte Grabkammer die im Innenraum mit vier starken Pfeilern ausgestattet ist. Da im alten Ägypten das Totenreich der Ägypter im Westen angesiedelt war, erfolgt der Gang von der Vorkammer in das Grab von Osten nach Westen. Daher entsprechen auch alle Angaben in diesem Beitrag  zu den Himmelsrichtungen der Räumlichkeiten nicht unbedingt den geografischen Vorgaben, sondern sind als rituelle Himmelsrichtungen angegeben. Das Grab ist in seiner dekorativen und künstlerischen Gestaltung einmalig, es betrifft nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch die Nutzung der Decke, die mit der Dekoration der Wandmalerei harmonisch im Einklang liegt und selbst mythologische Elemente zum Ausdruck bringt. In diesem Zusammenhang möchte ich zum Beispiel gerne auf die Deckenbereiche in der Vorkammer mit dem Weinlaub verweisen (siehe auch Bild 6 Text und Bild).
Wir hatten schon vor dem Besuch des Grabes im März 2020 vieles darüber gehört und gelesen, doch was wir dann selbst sahen, übertraf jede Vorstellung. Das Grab des Sennefer ist in seiner farblich dekorativen Gestaltung eine einzigartige Galerie der Wandmalei und die Mehrheit aller Darstellungen ist dabei noch bestens erhalten und es gehört mit Sicherheit zu den schönsten Privatgräbern der thebanischen Nekropolen. Man kann sich kaum vorstellen, dass hier schon vor fast 3500 Jahren Künstler gearbeitet haben um dieses hochwertige Kunstwerk im Grab des Sennefer zu schaffen.
Heute ist das Grab gut restauriert und alle Raumwände und Pfeiler mit den Wandmalereinen sind gut gesichert hinter Glas, um es vor Besucherschäden zu schützen. Es gibt zwar im Tal der Noblen viele faszinierende und hochinteressante Privatgräber, doch das Grab des Sennefer muss man gesehen haben.

Wandmalerei in der Vorkammer

Bild 2: Wandbild von  Sennefer mit seiner Tochter Muttui im Vorraum zur Sargkammer. Bild 3: Wandbilder von Opferträgern im Vestibül (Vorkammer). Sie schreiten in langen Reihen und bringen die Grabbeigaben des Sennefer. Unter den Gaben befinden sich neben einer Mumienmaske (rechts im Bild) auch Uschebtis, Kleidungsstücke, Sandalen, Truhen, ein Bettgestell, Waffen und selbstverständlich ausreichend Lebensmittel.

Dekoration der Decken im Grab des Sennefer

Bild 4: Herrlich dekorierte Deckenmalerei in der Sargkammer des Grabherrn Sennefer. Das Muster, wie auch die lebendigen Farben, sollen dekorative Stoffe darstellen. Meist verwendete und auffallende Farben sind ein helles blau und gelb. Die gelbe Farbe wird dem irdischen Bereich zugeordnet und symbolisiert das Licht der Sonne. Bild 5: Typisch für das Grab des Sennefer ist in der Grabgestaltung auch die wellenförmige Beschaffenheit der Decke. Die Farben, das Muster und die Wellen geben ein einzigartiges dekoratives Ausssehen. Man hat den Eindruck irdischer Wind weht über ein Zeltstoff, der über das Grab gespannt sein könnte. Diese einmalige Deckendekoration ist in Farbe und Form  bestens erhalten, obwohl die Künstler dieses Werk bereits vor knapp 3500 Jahren fertiggestellt haben. Bild 6: Das Grab des Sennefer wird volkstümlich auch als „Grab mit der Weinlaube“ genannt. Die Deckendekoration mit den Weinreben war nicht nur eine geschmackvolle künstlerische Freiheit, sondern hat auch eine tiefgreifende mythologische Bedeutung und stellt eine Verbindung  zu Osiris und der Vorstellung von der Wiedergeburt her. Nach der Ermordung des Gottes Osiris und der Verstreuung seiner Körperteile im ganzen Land fand die Wiederauffindung seiner Körperteile kurz vor der Weinernte statt.

Wandmalerei an der Ostwand der Grabkammer

Bild 7  Grab des Sennefer

Bild 7: Über dem Eingang bzw. Ausgang der Grabkammer ist die Wand des Durchgangs von der östlichen Seite der Grabkammer reichlich geschmückt. Über dem Durchgang und schon fast unter der Decke ist eine Doppeldarstellung des Anubis, dem altägyptischen Totengott, Wächer der Nekroplen und der Mumifizierung, in der Gestalt von zwei schwarzen Schakalen zu sehen. Sie bewachen den verschlossenen Zugang zur Sargkammer und nur die Seele des Verstorbenen (Ba) kann kommen und gehen, wie sie es für notwendig erachtet.

Bild 8: Sennefer und seine Frau Merit schreiten aus dem Grab heraus vor dem sitzenden Paar (Bild 11), dazwischen noch das Gebet mit der Bitte an Osiris um das Totenopfer. Bild 9: Detaildarstellung von Merit aus dem Wandgemälde von Bild 8. Bild 10: Ein weiteres Detail aus dem Bild 8. Merit hält in ihrer linken Hand ein Sistrum mit einem Hathorkopf.

Bild 11 Grab des Sennefer

Bild 11: Sennefer und seine Frau Merit sitzend in der Wandmalerei vor dem “ Herausgehen am Tage“ an der rituellen Ostwand der Grabkammer. Sennefer hält als Machtsymbol ein Sechem-Zepter in der Hand. Seine geliebte Frau Merit trägt auf dem langen schwarzen Haar ein Diadem mit einer großen Lotusblüte über der Stirn.

Bild 11a Grab des Sennefer

Bild 11a: Wanddarstellung an der rituellen Ostseite rechts vom Eingang der Grabkammer. Zu sehen ist ein Sem-Priester mit seiner Leopardenbekleidung bei einem Opfer mit Beräucherung vor den verstorbenen Sennefer und seiner Frau Merit. Diese Szene mit dem Sem-Priester wird auch als Brandopfer bezeichnet. In den Händen hält der Priester einen Räucherlöffel und das notwendige Libationsgefäß mit dem er die Wasserspende über einen niedrigen Speisetisch vergießt. Links im Bild ist ein noch größerer Opfertisch mit reichlichen Speisegaben.

Wandmalerei an der Nordwand der Grabkammer

Bild 12: An der rituellen Nordwand der Grabkammer befindet sich eine Wandmalerei mit der dargestellen Reinigungsszene, sie ist ein bedeutender Kultritus in der altägyptischen Religion. Sennefer und seine Frau Merit werden von einem Sem-Priester mit „reinem Wasser“ übergossen“. Ein derartiges Ritual wird während der Mundöffnungszeremonie durchgeführt. Den Sem-Priester erkennt man an dem Leopardenfell, das er immer über seiner normalen Kleidung trägt. Mit beiden Händen hält der Sem-Priester das Nemset-Gefäß mit dem Reinigungswasser und gießt es im hohen Bogen über Sennefer und Merit. In der linken Hand hält Merit ein Sistrum mit einem Hathorkopf. Bild 13: Detail aus der Wandmalerei mit dem betenden Ehepaar Sennefer und Merit (nicht im Bild) vor den angebildeten Totengöttern Anubis (links) und Osiris (rechts).

Bild 13a Grab des Sennefer

Bild 13a: In der Sargkammer findet man an der rituellen Nordwand die textliche und bildlicher Darstellung von der Versorgung der Mumie durch den Nekropolengott Anubis, der im Zentrum der Darstellung bei der Mumie steht. Diese Wanddarstellung stammt aus der Totenbuchillustration zu Spruch 151. An den vier Ecken des Bildes erkennt man die vier Kanopengötter mit den jeweils zugeordneten Kanopengefäß. In den unteren Ecken des Wandbildes stehen jeweils links und rechts ein Uschebti. Sie werden anstelle des Verstorbenen die Arbeiten im Jenseits durchführen, wenn er zu Arbeiten auf den „Feldern des Osiris“ gerufen wird. Im Zentrum des Bildes knien neben der Anubis-Szene die Schutzgöttinnen Nephthys (links) und Isis (rechts). Auffallend sind noch im oberen Teil des Bildes rechts und links  die beiden Vögel mit einem Menschenkopf. Sie symbolisieren die „Seele“ (Ba) des Verstorbenen, sie können sich vom Körper lösen und sich frei bewegen und täglich das Grab verlassen. In der Abbildung beten sie den Sonnengott an, rechts nach Osten zum Sonnenaufgang gerichtet und einmal nach links zum Sonnenuntergang im Westen.

Wandmalerei an der Westwand der Grabkammer

Bild 14: An der rituellen Westwand der Grabkammer kann man in einer abgebildeten Szene die Pilgerfahrt nach Abydos sehen. Gezeigt wird Sennefer und seine Frau Merit unter einem Baldachin in einer Barke auf dem Nil.  Vor ihnen steht ein Priester und weiht die Gaben auf einem Opfertisch und gießt dabei ein Trankopfer aus. Die Flussfahrt geht nach Abydos, wo sich nach altägyptischer Mythologie das Grab des Osiris befand. Seine Göttlichkeit der Unterwelt war ein bedeutendes Symbol für eine Wiederauferstehung. Seinen Schutz und Wohlwollen zu erhalten und zu sichern wünschte sich jeder Verstorbene und unternahm deshalb die rituelle Pilgerfahrt nach Abydos, die traditionell nur auf einem Schiff zurückgelegt werden sollte. BIld 15: Gezeigt wird hier die Rückkehr nach Theben nach der rituellen Fahrt nach Abydos, der heiligen Stadt des Osiris. Auf der Rückfahrt wurden die Segel gesetzt, damit das Boot vom Nordwind angetrieben wurde.

Wandmalerei an der Südwand der Grabkammer

Bild 16: Im oberen Register der Südwand sieht man den Bestattungszug. Links erkennt man noch die Rinder die den Sarkophag auf einem Schlitten ziehen (leider ist die Sarkophagszene zerstört). Bild 17: Detailbild von Bild 16. Diener tragen die Grabausstattung  für Sennefer in Truhen und Schreinen ins Grab mit all seinen Dingen des täglichen Lebens.

Wandmalerei am Pfeiler – A  der Grabkammer

Bild 18: Wandmalerei von der östlichen Seite vom Pfeiler A in der Grabkammer. Merit reicht ihrem Sennefer Duftingredenzien. Bild 19: Wandmalerei von der nördlichen Seite vom Pfeiler A in der Grabkammer. Sennefer sitzt vor einem Sykomoren-Baum, in der linken Hand hält er einen Lotusblütenstiel und inhaliert den Duft der Blüte. Seine Gemahlin Merit sitzt zu seinen Füssen. Bild 20: Wandmalerei von der westlichen Seite vom Pfeiler A in der Grabkammer. Lotusblütenopfer von Merit für Sennefer zum „Talfest“. Zu seinen Füssen hockt auf einer Matte eine junge Frau. Sie ist nicht näher erwähnt, es könnte sich aber um eine seiner beiden Töchter handeln.

Bild 21: Detailausschnitt (siehe Bild 18) aus dem östlichen Wandbild vom Pfeiler A. Bild  22: Detailausschnitt (siehe Bild 19) aus dem nördlichen Wandbild vom Pfeiler A.

Wandmalerei am Pfeiler – B  der Grabkammer

Bild 23: Wandmalerei von der nördlichen Seite vom Pfeiler B in der Grabkammer. Sennefer sitzt vor einer Sykomore als personifizierte Baumgöttin. die im Text des Bildes als Isis bezeichnet wird. Seine Frau Merit wird wesentlich kleiner auf einem Stuhl sitzend dargestellt. Beide verehren die Baumgöttin Bild 24: Detailausschnitt (siehe Bild 23) aus dem nördlichen Wandbild vom Pfeiler B mit der Verehrung der personifizierten Baumgöttin.

Wandmalerei am Pfeiler – C der Grabkammer

Bild 25: Wandmalerei von der südlichen Seite vom Pfeiler C in der Grabkammer. Diese Berüjhrungsszene stellt die eheliche Gemeinschaft dar. Bild 26: Dieser Detailausschnitt (siehe Bild 25) aus dem südlichen  Wandbild vom Pfeiler C zeigt seine Frau Merit, dessen Name übersetzt nichts anderes als die „Auserwählte“ und „Geliebte“ bedeutet.

Wandmalerei am Pfeiler – D der Grabkammer

Bild 27: Bildnis von der östlichen Seitenfläche vom Pfeiler D in der Sargkammer. Merit reicht ihrem Mann Sennefer eine Getränkeschale.  Bild 28: Bildnis von der südlichen Seitenfläche vom Pfeiler D. Merit überreicht ihrem Ehegatten den „Halsschmuck des Horus“, einen goldenen Blütenkragen, der seinem Träger Schutz verleihen soll. Merit berührt mit ihrer rechten Hand die beiden Herzamuletten von Sennefer und nach den Texten verstärkt sie dadurch ihre Schutzfunktion. Bild 29: Bildnis von der westlichen Seitenfläche vom Pfeiler D. Merit bietet ihrem Ehemann Sennefer zwei Halsketten an; eine Skarabäushalskette und eine mit drei Amuletten, von denen das Mittlere eine Djed-Säule darstellt.

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (20), Christel Selke (14)