Nubien

Land und Leute Ägypten

Geheimnisvolles Land im Süden Ägyptens
Nubien

Nubien ist in seiner geografischen Lage heute ein politisch geteiltes Land, dass völkerrechtlich zwei Staaten zugeordnet wird. Man kennt den unternubischen Teil der zu Ägypten gehört und den obernubischen Teil der im Norden Sudans liegt. Der oberägyptische Teil Nubiens reicht etwa von Assuan (1. Katarakt) bis etwas südlich von Abu Simbel (nahe dem 2. Katarakt). Der sudanesische Teil Nubiens reicht  vom 2. Katarakt bis zum 5./6. Katarakt nördlich von der sudanesischen Hauptstadt Karthum. Geografisch ist die gesamtnubische Region heute vergleichbar mit dem historischen Reich von Kusch. Östlich vom Nil reicht Nubien über die Nubische Wüste bis zum Roten Meer. Westlich erstreckt sich Nubien bis weit in die Libysche Wüste. Der unternubische Teil im Süden Ägyptens hat heute ethnische Einflüsse aus dem arabischen und schwarzafrikanischen und ist für Ägypten seit der historischen Pharaonenzeit bis heute das Tor nach Schwarzafrika.

Bild 1 Nubische Landschaft nahe Assuan im Süden Ägyptens

Das andere Ägypten oder die Faszination Nubien

Wegen des milden Klimas reisen wir gerne in den Wintermonaten nach Ägypten, es ist dann auch wesentlich angenehmer im Klima und für uns Touristen aus Deutschland eher ein „Sommer“ im Winter. Für den November 2018 hatten wir erneut Luxor als Ausgangspunkt für Ausflüge geplant. Diesmal sollte das Ziel aber weiter entfernt sein und mit dem Auto ging die Fahrt nach Abu Simbel zum Tempel von Ramses III. am Nassersee. Da auf der Strecke nach Süden noch weitere Tempelanlagen besucht werden können, machten wir jeweils Halt in Edfu, Esna und am Doppeltempel von Kom Ombo. Kurz vor dem Ziel Abu Simbel machten wir erstmal Pause in Assuan und wir merkten gleich, dass der Charme dieser Stadt mit keiner anderen Metropole in Ägypten vergleichbar war. Nur wenige Kilometer von Assuan entfernt nahmen wir dann in dem kleinen nubischen Dorf Jazerat Albarat eine Pension als Quartier, bevor es am nächsten Tag nach Abu Simbel weiterging.

Nubische Landschaftsimpressionen

Bild 2 – 3: Dort wo das Nilwasser durch die Wüsten fließt, lassen sich die Uferzonen schnell begrünen. Bild 4: Für die Nubier auf dem Lande sind Dromedare in der Wüstenlandschaft noch heute die wichtigsten Nutztiere. Bild 5: Felsige Uferlandschaft in Nubien am 1. Katarakt  Bild 6:.Nil-Landschaft oberhalb des 1. Kataraks.  Bild 7- 8: Uferlandschaften am Nassersee. Bild 9: Schöner Blick vom Tempelareal von Abu Simbel auf den Nassersee.

Der Besuch der kulturhistorischen Stätten war natürlich der Höhepunkt, aber auch das Nubische Museum in Assuan und der Assuanstaudamm gehören einfach zum Besuchsprogramm, wenn man sich schon in Nubien aufhält. Bei unserer Rundreise durch Nubien spürten wir zu jeder Zeit, dass dieses Land eine andere kulturhistorische Entwicklung hatte und obwohl die nubische Bevölkerung in Ägypten weitgehend arabisiert wurde, legen sie noch heute viel Wert auf ihre eigene nubische Identität und auch ihre Sprache ist ihnen erhalten geblieben. Ihre eigene Identität spiegelt sich heute für jeden Reisenden sichtbar in ihrer Architektur wieder, und die ist recht unterschiedlich zu dem eher arabisch-orientalischen im Norden Ägyptens. Auch wenn durch den Assuanstaudamm viele Nubier umgesiedelt wurden und vieles der nubischen Kulter „untergegangen“ ist, hatten wir auf unserer Durchreise den Eindruck, Nubien entdeckt sich wieder neu. Überall im Land sah man die vielen  bunten Häuser mit dem zum Teil klassischen Gewölbe und der künstlerischen Vielfalt der traditionellen Bemalung. Wir waren beeindruckt und empfanden es als eine freundliche und warmherzige Lebensform der Nubier, die in ihrer traditionellen Architektur zum Ausdruck kommt.

Impressionen nubischer Kunst und Architektur

Bild 10 – 17:  Die farbliche Gestaltung der Häuser ist in Nubien keine Seltenheit und immer ein Ausdruck einer gelebten nubischen Identität. Man ist stolz auf seine kulturellen Wurzeln und genau das kann man als Reisender im ganzen Land deutlich spüren. Neben der bunten Gestaltung der Häuser, haben diese auch eine eigenständige Architektur. Die Dächer sind oftmals halbrund oder haben haben gewölbte Dachkuppeln und alles wirkt niemals streng, sondern eher warmherzig und lebensbejahend und manchmal auch etwas verspielt (Bild 14,15 und 16). Diese Bauart ist auch eng verknüpft mit den kulturellen Einflüssen Afrikas. Das nubische Volk hat keine Wesensverwandtschaft mit der orientalischen Lebensart der Ägypter.

Bild 18 – 21: Viele traditionelle Häuser die in Nubien schon einen farblichen Anstrich haben sind meist noch zusätzlich mit gemalten Bildern geschmückt. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ethnische Motive. Aber auch verspielte Motive die eine freundliche Auflockerung darstellen sind wie auf dem Bild 19 zu sehen üblich, bei dem ein Teppich über das Fensterbrett gelegt ist. Bild 22 – 25: Die folgenden 4 Fotos zeigen unsere kleine nubische Pension mit den Gästezimmern und dem Restaurant auf dem Dachgeschoß. Alles hat einen exotischen Charme und die gemütlichen Zimmer mit dem typisch nubischen Dachgewölbe sind ein einzigartiges Ambiente. Die Flure waren alle mit einem sanftfarbigen Dekor geschmückt und in der Bauweise als „Open Air“ Räume je nach Tageszeit mit unterschiedlichem Licht der Sonne durchflutet.

Dromedare und Krokodile

Bild 26: Im ländlichen Teil Nubiens sind Dromedare wertvolle Nutztiere, die im schwierigen Gelände sogar unverzichtbar sind. Bild 27: In den Dörfern haben wir einige Häuser gesehen, an deren Rückseite nicht selten ein Dromedar untergebracht war .Bild 28: In vielen Dörfern Nubiens gehören Dromedare noch zum gern gesehenen Straßenbild. Bild 29: Zu unseren Erstaunen wurden wir in ein nubisches Haus eingeladen um ein Krokodil zu besichtigen. Das etwa 160 – 180 cm lange Tier befand sich in einem wasserdichten Becken, dass mit einem massiven Metallgitter angedeckt war. Unsere Bewunderung wechselte rasch in ein Mitleid mit dem Nilkrokodil. Später erfuhren wir, dass es in Nubien keine Seltenheit ist im Haus ein Nilkrokodil zu halten. Es ist eine uralte Tradition die in einem tiefgreifenden  Aberglauben verwurzelt ist. Wer es sich leisten kann hält sich ein Krokodil, weil es die Mißgunst, den Neid und die schlechten Gedanken der Mitmenschen frißt und das Haus der Familie davon frei hält. Nach dem ägyptischen Gesetz, ist es Nubiern nur gestattet Jungtiere bis zu einer bestimmten Körperlänge zu halten. Nach den gesetzlichen Naturschutzbestimmungen müssen die Nilkrokodile wieder in den Nassersee ausgesetzt werden.

Sehenswürdigkeiten in Nubien

Der nubische Raum ist reich an erlebnisreichen Sehenswürdigkeiten aus der Antike und der moderne Assuanstaudamm sind nur einige Bespiele, die man sehen sollte, wenn man sich schon in Nubien aufhält.

Bild 30: Die Tempel von Abu Simbel am Nassersee liegen nur wenige Kilometer von der sudanesischen Grenze entfernt. Sie sind eine Kultstätte von Ramses II. und UNESCO – Weltkulturerbe. Bild 31: Der Tempelkomplex von Philae liegt nur etwa 8 km südlich von Assuan und gehört auch zu den UNESCO-Weltkulturerbestätten. Bild 32: Das Nubische Museum in Assuan ist sehr zu empfehlen und sehenswert mit vielen Ausstellungsstücken aus der Geschichte Nubiens. Bild 33: Die ganze Welt redet von diesem bedeutenden Staudamm in Afrika. Bei Assuan hat man die Möglichkeit den Damm zu betreten und das Bauwunder aus dem letzten Jahrhundert zu bestaunen und gleichzeitig auch den Nil und den riesigen Nassersee auf sich einwirken zu lassen,.

Ägypten und die Geschichte Nubiens

Schon seit der frühdynastischen Zeit weckte das Land im Süden von Ägypten die große Aufmerksamkeit des aufstrebenden ägyptischen Reiches. Nubien war im Gegensatz zu Ägypten reich an Goldvorkommen und anderen Edelmetallen und war deshalb auch das ägyptische Ziel zahlreicher Handelsexpeditionen und Feldzügen und wurde später auch für viele Jahrhunderte Teil des Pharaonenreiches. Nubien hatte aber noch einen weiteren Vorteil in den Handelsbeziehungen für die Ägypter, denn durch die günstige Lage Nubiens öffneten sich die Handelswege nach Ostafrika. Es waren weniger territoriale Bestrebungen Nubien schrittweise zu erobern, sondern eher wirtschaftliche Notwendigkeiten. In der 1. Zwischenzeit nach dem Alten Reich 2181 –  2055 v, Chr. war die Besatzung Nubien unterbrochen und Ägypten verfiel in Unruhen und staatlicher destbilität. Im Mittleren Reich änderte sich die Lage merklich, denn Ägypten befreite sich von der Fremdherrschaft durch die Hyksos und vernichtete im Anschluß das nubische Reich von Kerma. Seit dieser Zeit unterjochten die Ägypter das nubische Volk und bauten Festungen südlich des 2. Kataraktes. Der Höhepunkt dieses Machtstrebens nach Süden wurde durch die drei Feldzüge von Pharao Sesostris III. gegen Nubien noch zusätzlich bekräftigt.
Im Neuen Reich setzte sich die Politik der Pharaone gegen Nubien fort und man verschob sogar die Südgrenze bis zum 4. Katarakt und ganz Nubien kam unter die Herrschaft Ägyptens. Zum Ende des Neuen Reichen unter Ramses IX bis Ramses XI. verfiel langsam das Ägyptische Imperium und der Machteinfluß nach Süden schwächelte. Das war die Zeit und Gelegenheit für Nubien ein eigenständiges Reich zu gründen. Um etwa 750 v. Chr. kam es dann in der 25. Dynastie zu einer nubischen Herrscherdynastie auf den ägyptischen Pharaonenthron. Jetzt regierten 6 schwarze Pharaonen in Folge in Nubien und Ägypten. Einer ihrer bdeutensten Herrscher war der Pharao Taharqa.
Die Weltmacht Ägypten hatte sich politisch nicht mehr erholt und mit der Ptolemäer- und Römerzeit in Ägypten erlebte die nubische Kulter im Reich von Meroe (Sudan) zwischen 300 v, Chr und 300 n. Chr. eine hohe Blütezeit.

Bild 34: Pharao Sesostris III. aus der 12. Dynastie im Mittleren Reich regierte von 1882 v. Chr. bis um 1842 v. Chr. und war auf ägyptischer Seite ein erfolgreicher Herrscher, der drei Feldzüge gegen Nubien führte und aus Sicht der Nubier waren es eher Raubzüge und Unterdrückung.  Bild 35: Typische Szene ägyptischer Pharaonen. Nubische Kriegsgefangene mit Stricken um den Hals auf großangelegten Reliefs, oft auch unter Kolossalstatuen, wie hier unter der des mächtigen  Ramses II. in Abu Simbel. Bild 36: Nach vielen Jahrhunderten der Unterdrückung übernahmen die Nubier im beginnenden Zerfall des ägyptischen Imperiums in der 25. Dynastie 6 mal den ägyptischen Thron. Pharao Taharqa war der 5. kuschitische Herrscher. Kopf einer Statue im Nubischen Museum von Assuan.

Fotos: (c) Michael Kürschner (23), Christel Selke (14)