Tempel von Abu Simbel

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Die berühmten Felsentempel von Pharao Ramses II.
Tempel von Abu Simbel
Die großen Felsentempel waren im oberägypischen Nubien
für den Gottkönig Ramses II. der Wohnsitz für die Ewigkeit

Die beiden Tempel von Abu Simbel – links der Tempel des Ramses II. und rechts der kleine Tempel seiner Gemahlin Nefertari

Lage von Abu Simbel

Die beiden Felsentempel vom mächtigen Pharao Ramses II. und der etwas kleinere Hathor-Tempel, den Ramses II. für seine königlichen Gemahlin Nefertari erbauen ließ, liegen im oberägyptschen Teil Nubiens direkt am westlichen Ufer vom großen Nassersee und etwa 280 km südlich der Stadt Assuan im Gouvernement Aswan (Assuan) und etwa 20 km von der südlich gelegenen sudanesischen Grenze.

Der große Felsentempel von Ramses II.

Der ruhmreiche Pharao Ramses II. ließ während seiner langen Regierungszeit von 66 Jahren im 13. Jahrhundert  v. Chr. im altägyptischen Neuen Reich diesen grandiosen Felsentempel errichten, um im oberägyptischen Nubien seine politische Machtposition zu demonstrieren und um die ägyptsche Vormachtstellung in dieser Region zu symbolisieren. Die riesigen Statuen des Felsentempels waren vom Nil beeindruckend zu erkennen und sollte Feinden aus dem Süden frühzeitig warnen, mit welcher Großmacht sie sich einlassen würden, wenn sie weiter ins ägyptische Reich vordringen würden.
Die Tempelfassade ist einem Pylon nachempfunden, was auch die mächtigen Statuen dokumentieren. Innen besteht der Tempel aus zwei Pfeilerhallen und einem Quersaal der dem heiligsten Ort dem Sanktuar vorgelagert ist.Außerdem gehen von der vorderen Pfeilerhalle gleich nach dem Eingang noch verschiedene Seitenkammern ab. Die Seitenkammern sind an den Wänden mit vielfältigen göttlichen Reliefs geschmückt, die meist auch Opfergaben dokumentieren. Vermutlich waren die Seitenkammern auch eine Art Lagerstätte für Opfergaben oder ähnlichen Dingen die für die heiligen Zeremonien benötigt wurden. Die Innendekoration des Tempels erinnert mit seinen Reliefs in imposanten Bildern an die siegreichen Schlachten von Ramses II., aber auch in verschiedenen anderen Darstellungen das königliche Paar. Das Allerheiligste im Tempel ist das Sanktuar am tiefsten Punkt in 63 Meter Tempellänge. Dieser Ort ist den Reichsgöttern Ptah, Amun-Re und Re-Harachte geweiht.
Der große Tempel von Abu Simbel hat eine Fassadenhöhe von 31 Meter, eine Breite von 38 Meter und eine Tiefe von 65 Meter und die kolossalen Sitzstatuen von Ramses II.  an der Tempelfassade haben eine Gesamthöhe von 21 Meter.

Außenansicht des großen Felsentempels von Abu Simbel

Bild 1 und 2: Zwei Gesamtansichten vom großen Felsentempel mit den 4 riesigen monumentalen Sitzstatuen von Ramses II. Sie dominieren in voller stärke das Gesamtbild der Tempelfassade. Auf allen Stutuen trägt Ramses II. die Doppelkrone von Ober- und Unterägypten. Bild 3: Die beiden südlichen Kolossalstatuen vom großen Tempel von Abu Simbel (links vom Eingang). Die rechte Statue links vom Eingang ist nur noch teilweise erhalten, sie war schon in der Antike, wahrscheinlich durch ein Erdbeben zerstört worden. Bild 4: Die beiden nördlichen Kolossalstatuen vom großen Tempel von Abu Simbel(rechts vom Eingang). Bild 5: Der Monumentale Kopf der ganz links sitzenden Riesenskulptur, welche von allen vier noch am besten erhalten ist. Jede der vier Statuen trägt auf der Stirn den Uräus – die sich aufbäumende Kobra, den geraden Königsbart, das Nemes-Kopftuch und die Doppelkrone Pschent. Bild 6: Kopf der Riesenkulptur rechts des Eingangs am Großen Tempel von Abu Simbel. Bild 7: Direkt über dem Tor zum Tempel steht in einer tiefer gelegenen Nische der falkenköpfige Gott Re-Harachte, der mit seinen Attributen einer wesentlich kleineren Figur der Göttin Maat und einem Machtzepter den Thronnamen von Ramses II. eindrucksvoll und für jeden sichtbar symbolisiert. Bild 8: Oberhalb der gesamten Eingangsfassade ist ein Abschlußfries mit Pavianen angebracht. Ursprünglich waren es 21 Statuen, von denen aber nur noch 16 teilweise erhalten geblieben sind. Am besten erhalten sind noch die Statuen am südlichen Teil des Frieses.

An den Beinen der sitzenden Riesenstatuen stehen kleine Skulpturen von Familienangehörigen, Prinzen und Prinzessinnen aber auch von der Königinmutter, Ehefrau des Sethos I.Tuja und der königlichen Gemahlin Nerfertari. Bild 9 zeigt einen seiner Söhne. Bild 10 und 11: Stehende Skulpturen der geliebten Ehefrau Nefertari, die neben dem Ramses Tempel auch ihren eigenen Tempel in Abu Simbel erhielt. Bild 12: Linksseitige Wand die zum Eingangstor des großen Tempels von Abu Simbel führt, sie zeigt Darstellungen nubischer Kriegsgefangener, die mit Seilen verbunden abgeschleppt werden.

Innenansichten vom großen  Felsentempel von Abu Simbel

Bild 13: Mit dem betreten des Tempels kommt man zuerst in die große Pfeilerhalle mit 8 kolossalen Statuen von Ramsies II., sie zeigen ihn als Gott Osiris. Die Standfiguren haben eine Höhe von 10 Meter und flankieren den Weg zum heiligsten Ort des Tempels. Bild 14:  Die seitlichen Wände der großen Pfeilerhalle sind mit gloreichen Darstellungen von Schlachten geschmückt. Dieses Bild zeigt Ramses II. im Streitwagen im Feldzug gegen die Hethiter. Die Darstellungen zeigen ihn siegreich, obwohl Historiker die Schlacht von Kadesch eher als unendschieden betrachten. Bild 15: Pharao Ramses erschlägt im Kampf seine Feinde. Bild 16: Pharao Ramses tötet einen libyschen Anführer im Kampf. Bild 17: Anbetungsszene des Re- Harachte durch Ramses II. (rechts im Bild). Bild 18 und 19: Göttliche Opferdarstellungen in den Seitenkammern die auf derlinken Seite der gro0en Pfeilerhalle abgehen. Bild 20: Dieses Bild zeigt den heiligsten Ort des gesamten Tempels. Es handelt sich dabei um das Sanktuar. Zweimal im Jahr am 21. Februar und am 21. Oktober, dringen die Strahlen der aufgehenden Sonne beim geöffneten Tor des Tempels in die Tiefe und Länge des Tempels vor und beleuchten die Statuen des Pharaos und des göttlichen Vaters Amun-Re in der Mitte.  Zwei weitere Gottheiten, die Gestalt des Schöpfergottes Ptah von Memphis ganz links und der Sonnengott Re-Harachte von Heliopolis ganz rechts, ergänzen die heilige göttliche Gruppierung. Da bei diesem Lichtereignis die linke Statue des Ptah meist im halbdunkel verbleibt, bezeichnet man die Gruppierung im Lichteinfall auch als Triade. Die Inschrift über dem Sonnegott Re-Harachte bezeichnet auch den Namen dieses heiligen Ortes: „Haus des Ramses, geliebt von Amun“.

Der kleine Tempel von Abu Simbel

Nördlich vom großen Ramses-Tempel etwa 150 Meter entfernt, steht der etwas kleinere Tempel von Abu Simbel.den Ramses für seine Gemahlin Nefertari und der Göttin Hathor erbauen ließ. Nefertari muß eine außergewöhnlich Frau gewesen sein. Sie war wohl nicht nur seine geliebte Hauptfrau, sondern auch auf der politischen Bühne von hoher Bedeutung. Nicht anders läßt es sich erklären, dass Nefertari in der gleichen Größe wie der Pharao als Statue an der Tempelfassade dargestellt wurde.
Der kleine Felsentempel hat eine Höhe mit 12 Meter und eine Breite von 28 Meter mit einer ausgerichteten Tiefe von 21 Meter bis zum Sanktuar. Die schräg nach hinten geneigte Fassade des Tempels ist in 6 hohe Nischen gegliedert, die mit 4 Statuen den König und mit 2 Statuen die königliche Gemahlin Nerfertari in Gestalt der Hathor darstellen.

Außenansicht des kleinen Felsentempels von Abu Simbel

Bild 21 und 22: Zwei Gesamtansichten vom kleinen Tempel in Abu Simbel. Der nach Osten gewandte Tempel ist der Göttin Hathor und Nefertari der königlichen Gemahlin von Ramses II. gewidmet. Die Fassade besteht aus 6 jeweils 10 Meter hohen Statuen. Vier stellen den Pharao Ramses II. dar und zwei seine Gemahlin Nefertari. Bild 23: Die vom Eingang linke Seite der Fassade mit der Dreiergruppe. Links und rechts zeigt sich der Pharao und mittig steht Nefertari mit der einzigartigen und außergewöhnlichen Ehre in der gleichen Größe dargestellt zu werden wie ihr Mann. Bild 24: Die vom Eingang rechte Seite des kleinen Felsentempels mit der Dreiergruppe in der gleichen Ausrichtung wie die linke Seite. Die Königin trägt die göttlichen Attribute der Hathor mit der Doppelfederkrone, dem Kuhgehörn und der Sonnenscheibe. Alle Statuen stehen mit dem linken Bein nach vorne gesetzt.

Innenansichten vom kleinen  Felsentempel von Abu Simbel

Bild 25:Ganz in der Tradition der Antike, ist auch der Schlüssel in der Moderne für das Tor zum Tempel der Nefertari ein Ankh-Symbol. Bild 26 und 27: Die Pfeilerhalle im Tempel der Nefertari würdigt ganz den Charakter eines Hathor-Heiligtums, dem dieser Tempel schließlich auch gewidmet ist. Die große Halle ist mit 6 dieser Pfeiler ( auf jeder Seite 3)  ausgestattet und alle zeigen das Gesicht der Göttin Hathor. Bild 28: Ein einzelner Hathor-Pfeiler auf der rechten Seite der Pfeilerhalle. Bild 29: Der große Pharao Ramses II. zwischen den Göttern Seth (links) und Horus (rechts). Bild 30: Nefertari zwischen den Göttern Isis und Hathor auf einem Relief im kleinen Felsentempel. Bild 31: Relief im Kleinen Tempel zeigt die Göttin Hathor als Kuh mit der Federkrone und der Sonnenscheibe auf einem Boot in den Nilsümpfen.  Bild 32: Die königliche Gemahlin Nefertari auf der Rückseite eines Pfeilers auf der rechten Seite in der Pfeilerhalle mit einem Sistrum in der rechten Hand.

Die Wiederentdeckung der Tempel von Abu Simbel

Die monumentalen Felsentempel von Abu Simbel hatten nach ihrer Fertigstellung im 13. Jahrundert v. Chr. über viele Jahrhunderte ihre volle Funktion und Bedeutung bis das ägyptische Reich 33 v. Chr. zerfiel und das römische Imperium die Welt in Ägypten veränderte. In den folgenden Jahrhunderten gingen die Felsentempel in Vergessenheit über und nicht zuletzt war es die Natur der Wüste die am Nassersee die Tempel unter Sanddünen begrub. Die Wierderentdeckung und Erforschung der Tempel von Abu Simbel begann erst in der Neuzeit um 1813. Es war der Schweizer Historiker Johann Ludwig Burckhardt der bei einem Besuch in Abu Simbel von Einheimischen den Hinweis bekam, dass in den Sanddünen am Nassersee Teile eines Statuenkopfes zu sehen sind. Das war der Anfang für die Freilegung und Erforschung der legendären Tempel von Abu Simbel. Zuerst entdeckte er den Tempel der Nefertari, der der Göttin Hathor gewidmet war. Bei der Erkundung der Umgebung fand er dann auch noch  den Ramses-Tempel, der jedoch noch völlig von Sand bedeckt war. Burckhardt gab noch im gleichen Jahr in Kairo seine Entdeckung bekannt und schon vier Jahre später machte sich im Auftrage des britischen Generalkonsuls Henry Salt und unter Führung des italieniers Giovanni Battista Belzoni eine Ausgrabungsexpdition nach Abu Simbel auf den Weg. Der italienische Abenteurer war zwar kein Ägyptologe, aber jemand der sofort erkannte, dass es sich bei dieser Entdeckung in Abu Simbel wohl um eine sehr große Tempelanlage handeln könnte. Er konnte zwar zur Freilegung beitragen, aber keine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse erreichen. Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten erfolgten erst 1828 durch eine französisch / italienische Expedition unter Jean-François Champollion und Ippolito Rosellini. Aber erst weitere Expeditionen 1830 durch Robert Hay und von dem deutschen Ägyptologen Karl Richard Lepsius 1844 brachten eine weitere Klärung, die die Bedeutung dieser Tempelanlage umfassend dokumentierten.

Die Verlegung der Tempel von Abu Simbel

Mit sowjetischer Unterstütziung begann mit einer feierlichen Zeremonie am 9. Januar 1960 der Bau des riesigen Assuan-Staudamms und man berücksichtigte aber nicht, dass in den Folgejahren nach Fertigstellun, viele der unschätzbar wertvollen Kulturgüter der Menschheit für immer in den Fluten des Assuan-Stausees versinken werden. Diese massive Bedrohung gefährdete auch die Tempel von Abu Simbel. In einer beispiellosen internationalen Aktion unter Beteiligung von vielen Ländern und der UNESCO einigte man sich buchstäblich in letzter Minute mit der ägyptischen Regierung damit in einem einmaligen Einsatz der Weltgeschichte die beiden Tempelanlagen von Abu Simbel in einem dramatischen Wettlauf mit der Zeit gerettet werden konnten. In einem Zeitraum zwischen November 1963 und September 1968 wurde das bautechnische Wunder von Abu Simbel vollbracht. Ebenso einmalig war auch der Spendeneinsatz aus etwa 50 Ländern der die Finanzierung sicherte. Die Kosten beliefen sich damals auf etwa 80 Millionen Dollar, die die ägyptische Regierung für dieses Projekt  nicht aufbringen konnte.
In einem komplizierten Verfahren wurden die beiden Tempel mit einer Seilsäge in 1036 Einzelblöcke geschnitten die ein  Gewicht von 7 bis 30 t hatten. Zusätzlich wurden auch die Naturfelsen die die Tempel umgeben in 1112 Blöcke geschnitten und original zum Tempel wieder angebracht. Die ganzen Anlagen der kultuhistorischen Heiligtümer von Abu Simbel wurden, um sie sicher vor den Fluten des Nasserstausees zu schützen, 65 Meter höher und 180 Meter landeinwärts wieder zusammengesetzt. Beim Wiederaufbau gelang es sogar den zweimaligen Lichteinfall im Jahr in das Sanktuar zu gewährleisten., womit die heilige Bedeutung im großen Ramses Tempel erhalten blieb.
Heute steht der Tempel nicht mehr in einem natürlichen Felsmassiv, sondern unter einer großen Stahlbetonkuppel, die mit Sand, Geröll und Steinen bedeckt wurde, die felsigen Seitenwände und die Fassade sind aber in originalgetreuer Gestaltung wieder zusammengefügt. Der heutige Besucher der Tempel von Abu Simbel bekommt aber nichts davon mit, er wird immer mit einem großen Erstaunen vor den Bauleistungen unter Ramses II. stehen und die historische Kulturstätte aus dem alten Ägypten bewundern.

Öffnungszeiten: täglich von 6:00 bis 18:00 Uhr
Kleiner Tipp für den Besuch der Tempelanlagen von Abu Simbel: Um die großen Stoßzeiten der Besucherströme zu entgehen lohnt sich ein Besuch zwischen 6 und 8 Uhr und nach 11:30 Uhr, denn in der Zwischenzeit ist der Besucheransturm häufig so groß, dass man schlechtere Fotografiermöglichkeiten hat, weil  sehr viele Besuchergruppen in der Masse störend wirken. Auch im Tempelinneren kann man sich nur schwer bewegen und fotografieren. Außerhalb dieser Stoßzeiten trifft man kaum noch Besucher an und es kann sogar passieren, dass man fast ungestört und allein durch die Tempelanlagen laufen kann

Eintrittpreise: Tageskarte 200 LE (etwa 10,50 Euro), Fotoerlaubnis 300 LE (etwa 15,75 Euro) Stand November 2018

Fotos: (c) Michael Kürschner, (23), Christel Selke (11)