Gräber der Noblen

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Thebanische Nekropole
Gräber der Noblen
Gräber der hohen Beamten und Priester

Die Privatgräber der Noblen in den thebanischen Nekropolen

Die Gräber der Noblen liegen als private Grabanlagen am Fuß des Westgebirges in einer trockenen bergigen Region, westlich des grünen Fruchtlandes von Theben West in Ägypten und sind in den thebanischen Nekropolen als Felsengräber angelegt. Die weitläufigen Nekropolen erstrecken sich über mehrere Kilometer und liegen zwischen dem Tal der Könige und dem Tal der Königinnen in Dra Abu el-Naga, el-Chocha, al-Asasif, Deir el-Bahari, Scheich Abd el-Qurna, Qurnet Murrai und Deir el-Medina.
Die Gräber der Noblen sind leider etwas weniger bekannt als die berühmten groß angelegten Gräber der Könige und Königinnen, doch nicht weniger bedeutend in ihrer Gestaltung und Dekoration. Während die Gräber der Pharaonen und der Königinnen mehr die göttliche Welt und die entsprechende Literatur des Totenkultes dokumentieren, berichten die wesentlich kleineren Gräber der hohen Beamten und Priester oftmals in aufwändigen Wandmalereien und Reliefs von ihrem altägyptischen Alltag, ihren Interessen und erzählen oftmals auch sehr ausführlich von der beruflichen Tätigkeit ihrer Auftraggeber. Durch diese Art der Grabgestaltung sind die Gräber der Noblen für die Erforschung der altägyptischen Geschichte für die Ägyptologen von sehr hoher Bedeutung, weil sie wertvolle Belege darstellen, wie das Leben im alten Ägypten funktioniert hat.
Die Gräber stammen teilweise aus dem Alten Reich, Mittleren Reich und aus der Spätzeit, doch die meisten Gräber der Beamten und Adligen stammen aus dem Neuen Reich und sie lebten in der 18. bis 20. Dynastie zwischen 1550 bis 1070 v. Chr. einer bedeutenden Epoche der altägyptischen Geschichte.
Bis jetzt haben die Ägyptologen 415 Gräber der Noblen entdeckt und registriert und im Bezug zur thebanischen Nekropole tragen die nummerierten Gräber vor der Ziffer die Buchstaben TT, was für die englische Bezeichnung Theban Tomb steht. Wahrscheinlich ist die Anzahl der Gräber aber noch wesentlich höher, doch leider hatte man bei ihrer Entdeckung es versäumt die genaue Position zu vermerken. Hier steckt also noch ein großes Wiederentdeckungspotenzial von über 50 Gräbern die in dieser thebanischen Nekropole noch versteckt sein können und nur die Lagebezeichnung A für Dra Abu el-Naga, B für el-Chocha, C für Scheich Abd el-Qurna und D für Qurnet Murrai tragen.
Von den 415 registrierten  Gräbern (TT) sind leider nicht mehr alle in einem Topzustand, einige wurden von Grabräubern schon in der Antike geschändet oder zerstört, andere verfielen dagegen durch Naturgewalten und bedürfen einer komplizierten Restauration. Die gut erhaltenen Gräber der Noblen sind dagegen alle sehenswert, sie sind zum Teil schon bestens restauriert und eine bedeutende Ergänzung zu den Gräbern im Tal der Könige und Tal der Königinnen, weil sie das Leben der altägyptischen Gesellschaft durch gut erhaltene Wandmalereien und Reliefs ausgezeichnet dokumentieren.

Bild 1: Die geöffneten Gräber, die man auch besichtigen kann sind gut ausgeschildet  Bild 2 und 3: Während die Gräber einfacher Beamter meist nur in die Felsen gehauen sind, haben die reichen und noblen Herren der Gesellschaft aufwendigere Gräber und meist noch mit einem aufwendig angelegten Vorhof zum Eingang eines Grabes. Bild 4: Blick auf den Vorhof und dem Eingang zum Grab des Ramose einem Wesir Oberägytens. Bild 5: Klassische Art der Felsengräber in den Berghängen der thebanischen Nekropole. Bild 6: Blick von den Bergen mit den Gräbern der Noblen in Richtung Theben. Im Vordergrund noch das berühmte Ramesseum (Totentempel von Ramses II.) und im Hintergrund das grüne fruchtbare Niltal von Theben West

Beispiele bedeutender Gräber der Noblen

Zu den Gräbern in dieser thebanischen Nekropole, die man wegen der besonderen Dekoration unbedingt besuchen sollte, gehören beispielhaft die Gräber von:

  • Nacht TT52, er war ein Adliger und Astronom mit dem Titel eines Schreibers in der Regierungszeit von Thutmosis IV., 18. Dynastie.
  • Ramose TT55 war Wesir und  Bürgermeister von Theben in der Regierungszeit von Amenophis III. und Amenophis IV. (Echnaton), 18. Dynastie.
  • Menna TT69 war ein Adliger und in seiner Berufswelt Landvermesser unter Thutmosis IV. Seine Tätigkeit war für die Steuerschätzung von hoher Bedeutung, 18.Dynastie.
  • Sennefer TT96 war ein bedeutender Würdenträger seiner Zeit unter Pharao Amenophis II. (1428-1397 v. Chr.) in der 18. Dynastie im Neuen Reich auch der Bürgermeister von Theben.
  • Rechmire TT100, er war der Wesir von Unterägypten und Bürgermeister von Theben mit zahlreichen Titeln in der Regierungszeit von Thutmosis III. und Amenophis II., 18. Dynastie.

Bild 7: Im Grab vom Wesir Ramose (TT55) gibt es neben farbigen Wandmalereien auch sehr fein ausgearbeitete Reliefs. Bild 8: Auch das Grab des Bürgermeisters von Theben vom Sennefer im TT 96 gehört zu den sehenswerten Gräbern. Allein die gut erhaltene Ausmalung der Grabwände wirkt auf den Betrachter wie eine einmalige Bildergalerie. Bild 9: Das Grab des Feldvermessers (TT69) von Menna in seiner farbenfrohen Grabgestaltung. Bild 10: Menna und seine Frau ehren gemeinsam die in einem Schrein sitzende Gottheit Osiris.

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (5), Christel Selke (6)