Schimpansen

Systematik

Pan troglodytes
Schimpansen

Ordnung: Primaten –  Primates
Überfamilie: Menschenartige – Hominoidea
Familie : Menschenaffen – Hominidae
Gattung : Pan
Art: Pan troglodytes
Unterart: Pan troglodytes verus – Westlicher Schimpanse

Trivialnamen:

deutsch: Schimpanse, Gemeiner Schimpanse, Westlicher Schimpanse, 
englisch: Chimpanzee,  Chimps, West African Chimpanzee, französisch: Chimpanzés,
swahili: Sokwe Mtu wa Kawaida,  afrikaans: Sjimpansees,

Westlicher Schimpanse – Pan troglodytes verus in einem natürlichen Habitat in Gambia

Vorkommen

Schimpansen leben  in Afrika südlich der Sahara in einem breiten Band vom äußersten Westafrika über Nigeria, Zentralafrika bis in ostafrikanische Gebiete in 4 verschiedenen Unterarten. Von allen Menschenaffen können die  natürlichen Lebensräume recht unterschiedlich sein und reichen von echten Regenwäldern, offenen Wäldern, Galeriewäldern und Baumsavannen.

Die geografische Verteilung der 4 Unterarten vom Schimpansen – Pan troglodytes:

Pan troglodytes schweinfurthii: Burundi, Ruanda, Tansania, Uganda, Demokratische Republik Kongo, Zentralafrikanische Republik,
Pan troglodytes troglodytes: Nördliches Angola, Republik Kongo, Gabun, Äquatorial Guinea, südliches Kamerun,
Pan troglodytes vellerosus: Nigeria und zentrales Kamerun,
Pan troglodytes verus: Senegal, Gambia, im südwestlichen Mali, Guinea, Guinea Bissau, Liberia, Sierra Leone, Elfenbeinküste, im südwestlichen Ghana, Benin und Togo. In Togo und Gambia ist diese Schimpansen Unterart schon vor der Unabhängigkeit in der Kolonialzeit durch den Menschen ausgerottet worden. In Gambia beginnt aber bereits wieder ein umfangreiches Wiederansiedlungs- und Schutzprogramm zum Erhalt dieser einheimischen Menschenaffenart.

Fundort

In einem Schutzgebiet auf Baboon Island, einer Inselgruppe die zum Gambia River Nationalpark gehört, hier haben die Schimpansen ein Habitat in einem regenwaldartigen Galeriewald, Gambia im Oktober 2019

Diese sechs Fotos zeigen den Westlichen Schimpansen – Pan troglodytes verus im Gambia River Nationalpark in einem speziellen Schutzgebiet auf Baboon Island. Diese bewachte Schutzzone kann von Touristen für eine Schimpansen-Safari nicht betreten werden. Man möchte mit dieser Maßnahme kein Risiko eingehen und die Schimpansen vor Wilderei, Krankheiten und ähnlichen Störungen schützen und das Auswilderungsprogramm nicht gefährden. Es läuft schon seit 1979 und aus damals wenigen Tieren leben heute in diesem Naturschutzgebiet schon wieder einige „Goßfamilien“ mit fast 100 Tieren. Wir hatten das Glück einige Tiere vom Boot aus am Ufer zu beobachten. Während jüngere sich in den Baumkronen bewegten, zeigten sich einige Alttiere etwas neugierig und beobachteten wiederum uns, wie wir mehr als 10 Meter vom Ufer entfernt in einer Piroge mit den Kameras hantierten.

Beschreibung

Gemeinsam mit dem Bonobo Pan paniscus bildet der Gemeine Schimpanse Pan troglodytes die Gattung Pan in der Familie der Menschenaffen, sie gehört nicht ohne Grund zur Überfamilie der Menschenartigen, denn der Gemeine Schimpanse ist mit knapp 98,5 % genetischer Übereinstimmung, der nächste Verwandte des Menschen.
Schimpansen gehören zu den kleineren, grazilen und leichteren Menschaffenarten. Er kann eine Kopfrumpflänge von 65 bis 95 Zentimetern und stehend eine Höhe von 1,2 – 1,6 Meter erreichen, wobei männliche Tiere deutlich größer und schwer sind als die Weibchen. Die Arme sind deutlich länger als die Beine, auffallend sind die langen Finger der unbehaarten Hände mit dem verhältnismäßig kurzen Daumen. Das Fell hat eine dunkelbraune bis schwärzliche Färbung, das Gesicht ist wie die Ohren unbehaart und deutlich heller gefärbt. Charakteristischer Ausdruck des Gesichts sind die markanten Überaugenwülste und die hervorstehende Schnauze, die im Alter beim Männchen wie auch beim Weibchen rund um das Kinn einen leichten grauen bartähnlichen Haarwuchs zeigen kann.
Schimpansen haben einen ausgeprägten Sexualdimorphismus, d.h. die Geschlechter unterscheiden sich deutlich und nicht nur in den weiblichen und männlichen Körperformen. Männliche Tiere haben auch einen deutlich größeren Eckzahn und weibliche Tiere können im Alter auf dem Kopf ein schütteres Haar oder gar eine Glatze bekommen.
Ähnlich dem Menschen haben auch Schimpansen eine ausgeprägte Ausdrucksform der Gesichtsmimik, die sie der großen Beweglichkeit der Lippen verdanken, sie können lachen, lächeln, trauern, ein Entsetzen, Schmerzen, Freude und Verwunderung wie der Mensch mit dem Gesicht zum Ausdruck bringen.
Schimpansen leben tagaktiv, sind am Boden genauso gut unterwegs, wie auch in den Bäumen, da sie auch ausgezeichnete kletterer sind. Nur die Nächte verbringen sie zum Schutz vor Feinden in selbstgebauten Schlafnestern, abgesichert in den gut verzweigten Kronen der Bäume.

Sozialverhalten und Schimpansenkultur

Schimpansen haben eine stark ausgeprägt Sozialstruktur. Sie leben in Großgruppen bzw. Großfamilien mit etwa 20 bis über 50 Mitgliedern, die sich für bestimmte Aufgaben auch in kleinere Untergruppen aufteilen können, sie bleiben aber immer eng mit der Großgruppe verbunden und kommen regelmäßig wieder zusammen. Auch erwachsene Mitglieder können gelegentlich allein  oder zu zweit unterwegs sein, nicht selten handelt es sich dabei um weibliche Schimpansen die in der Großgruppenhierarchie eine eher untergeordnete Rolle spielen. Auch diese „Einzelgänger“ gehören weiterhin zur Großgruppe, man könnte sie auch als „Ausflügler“ bezeichnen. Eine Großgruppe wird immer dominant von Männchen geführt, in ihrer Macht liegt die Verantwortung für den Zusammenhalt und der Verteidigung der Großgruppe. Männliche Schimpansen entwickeln dabei eine intensive Rangordnungsstruktur für die Führung einer Gruppe. Auch wenn Großgruppen eine starke Führung haben, werden unter Einhaltung der Gruppenregeln die Mitglieder nicht unterdrückt, es käme sonst auch nicht zur Bildung von Untergruppen und „Ausflüglern“, die auch einmal eigene Wege gehen und sei es nur auf der Suche nach neuen Nahrungsangeboten.
Von allen Menschenaffenarten ist keine so bekannt wie die Schimpansen beim Gebrauch von Werkzeugen. Das gilt für den Alltag, der Verteidigung und Nahrungserbeutung, wobei diese Nutzung keine instinktive Kultureigenschaft darstellt, sondern auf Erfindungen basiert, die von jüngeren beobachtet und erlernt werden, so können Erfindungen und Weiterentwicklungen von Generation zu Generation weiter vermittelt werden. Das gilt auch beim den täglichen Nestbau für eine bequeme Nachtruhe in den Baumkronen. Jede Werkzeugnutzung und ihre technische Entwicklung kann von geografisch unterschiedlichen Populationen auch verschiedenartig sein in der Konstruktion und Anwendung.
Auch für Selbstmedikationen sind Schimpansen bekannt. Durch die Entdeckung des Biologen Richard Wrangham 1972 in Tansania wurde bekannt, dass sich Schimpansen zum Beispiel für unterschiedliche Magen- und Darmerkrankungen mit der Aufnahme bestimmter Blätter heilen oder auch von bestimmten Darmparasiten befreien können. Diese Verhaltensweise ist nicht instinktiv genetisch festgelegt, sondern beruht auch bei Schimpansen auf traditionelle Erfahrungen, die über Generationen weiter vermittelt werden.

Fortpflanzung

Männliche wie auch weibliche Schimpansen kommen im Alter von etwa 8 Jahren in die Pubertät. Während die Männchen meist erst mit 14 – 15 Jahren die volle Geschlechtsreife erreichen können die Weibchen bereits im Alter von 13 – 14 Jahren ihren ersten Nachwuchs erwarten. Die Paarungsbereitschaft ist bei den Schimpansen an keine Jahreszeit gebunden, sie kann ganzjährig erfolgen. Weibchen zeigen ihre Paarungsbereitschaft durch eine zyklusabhänge Schwellung der Geschlechtsorgane. Die periodische Zyklusdauer beträgt etwa 35 – 40 Tage und der Östrus (Sexualzyklus) dauert etwa 6 Tage. In der Phase der sichtbaren Schwellung  paaren sich Weibchen mehrmals und nicht immer freiwillig mit einem bestimmten Partner. Das Paarungsverhalten unter Schimpansen kann auch sehr variabel sein, entweder mit mehreren Partnern innerhalb der Gruppe, einem bestimmten dominanten Männchen, dass ein Weibchen auch aggressiv gefügig machen kann oder ein sich sympathisierendes Paar zieht sich für einige Tage von der Großgruppe zurück. Allgemein verlaufen die Paarungen aber nicht immer friedlich ab, denn konkurrierende Männchen in der Gruppengesellschaft zeigen oftmals ein sehr aggressives Verhalten um ein Weibchen zu bekommen.
Die Tragzeit beträgt etwa 7- 8 Monate und in den meisten Fällen wird ein Jungtier geboren, Zwillingsgeburten sind verhälnismäßig seltener. Wie unter Menschenaffen üblich, besteht eine sehr stark ausgeprägte Mutter-Kind-Beziehung, die weit in die Jugendzeit des Kindes reicht. Im ersten Lebenshalbjahr klammert sich das Jungtier am Bauch der Mutter fest und erst in der Folgezeit klettert es reitend auf den Rücken seiner Mutter. Die langsame Entwöhnung von der sehr engen Mutterbeziehung beginnt im Alter von etwa 4 Jahren. Durch die Schwangerschaft von etwa 8 Monaten und der Kindbetreuung von fast 5 Jahren bekommt ein Schimpansen-Weibchen meist erst nach 6 – 7 Jahren ein weiteres Kind. Anders als beim Menschen kennen Schimpansen-Weibchen keine Menopause und können im Alter von deutlich über 40 Jahren noch ein Kind bekommen, was jedoch im höheren Alter im seltener wird.

Nahrung

Schimpansen sind in ihrer Ernährung Allesesser und die hauptsächliche Nahrung besteht dabei aus pflanzlichen Bestandteilen. Die Nahrungsgrundlage besteht aus Früchten, Beeren, Nüssen, Blätter, Samen und sogar Blüten von unterschiedlichen Pflanzenarten. Ihre überwiegend vegetarische Kost ergänzen sie mit der Aufnahme von Insekten, Eiern und Honig.  Es ist aber auch bekannt, dass sie vereinzelt Jagd auf Reptilien und  kleine Säugetiere (u.a auch Primaten) machen. Große Fleischmahlzeiten haben aber nicht selten nur den Charakter eines ritualen Festmahls, denn Männchen sind hier die Jäger und verteilen das Fleisch an Gruppenmitglieder, um den sozialen Machtanspruch innerhalb der Gruppe zu sichern oder auch zu beanspruchen.

Fotos: (c) Michael Kürschner (4), Christel Selke (3)