Janjanbureh

Land und Leute in Gambia

Janjanbureh
Verwaltungshauptstadt der Central River Region

Lage

Die kleine Stadt Janjanbureh liegt auf der Janjanbureh Insel im Gambia Fluss und bildet gleichzeitig auch das Distrikt Janjanbureh in der Central River Region. Die Entfernung von der im zentralen Gambia gelegenen Stadt Janjanbureh in die Regierungshauptstadt Banjul beträgt flussabwärts etwa 233 km, nach Bakau etwa 301 km und nach Wassu zu den berühmten Steinkreisen nordwestlich über Lamin Kato etwa 22 km.

Bild 1  Junge Markthändlerin an der Fähre in Janjanbureh

Bild 1: Gleich nach unserer Ankunft mit der kleinen Mini-Fähre auf der Janjanbureh Insel kam uns diese junge Marktfrau entgegen. Im rechten Arm ihr vier Wochen altes Kind  und mit der linken Hand bot sie uns frische Bananen an. Wir waren mit 40 Dalasi schnell handelseinig. Wir gaben mangels Kleingeld 100 Dalasi und bekamen dafür noch einen freundlichen Smalltalk über Mutter und Kind. Bild 2 und 3: Am nördlichen Ufer der Janjanbureh Insel liegt die Fährverbindung Janjanbureh–Lamin Koto. Sie gehört zu den wichtigsten Fährverbinden im ganzen Land und die Fähre Janjanburay ist die einzige die den Fährbetrieb bedient. Sie überwindet über den Gambia Fluss eine Entfernung von 300 Meter und dient als Auto- und Personenfähre. Bild 4: Neben der großen Fähre gibt es allerdings noch einige sehr kleine Personenfähren (links im Bild).  Bild 5: Auf unserer Gambia Flussfahrt nach Janjanbureh übernachteten wir auf dem Festland im Janjanbureh-Camp. Wir kamen erst nach Sonnenuntergang im Camp an und bemerkten erst am frühen Morgen des nächsten Tages an welch ein wackligen und zusammen gebastelten Steg wir hier anlandeten. Jetzt warteten wir mit unserem Guide auf das kleine Mini-Fährboot, dass uns von diesem abenteuerlichen Steg nach Janjanbureh Island übersetzen soll.

Bild 6 Janjanbureh – Britische Kanone auf dem Gelände des Governor`s Office (Siehe auch Bild 13)

Geschichte

Als Georgetown wurde das Städtchen Janjanbureh 1832 auf der Insel MacCarthy Island gegründet.  Die Insel MacCarthy im Gambia Fluss wurde 1823 vom britischen Kapitän Alexander Grant in Besitz genommen und nach dem Generalgouverneur von Britisch-Westafrika, Sir Charles MacCarthy benannt. Das die Insel nach MacCarthy benannt wurde, war zur damialigen Zeit auch ein politisches Signal, denn MacCarthy war als entschiedener Gegner der Sklaverei bekannt. Die 1832 auf MacCarthy Island gegründete Stadt wurde zu Ehren von König George IV. in Georgetown benannt. Ziel der Gründung war auch die Schaffung einer Niederlassung für freigelassene Sklaven und gleichzeitig entwickelte sich Georgetown auch als Umschlagplatz für Agrarprodukte aus der Umhebung, die von  Völkern der Mandinka, Fulani und Wolof angebaut werden. Zu den landwirtschaftlichen Produkten, die dann weiter nach Banjul verschifft wurden, zählten u. a. Sumpfreis, Erdnüsse und Bananen.
Im Rahmen der Afrikanisierung bei der man sich auf eine eigene afrikanische Identität besinnt und den Stempel der kolonialen Vergangenheit beseitigt, wurde die Stadt Georgetown 1995 in Janjanbureh und auch die Insel MacCarthy in Janjanbureh Island umbenannt.
Während nach einer Volkszählung von 1993 die Einwohnerzahl von Janjanbureh noch 2813 betragen haben soll wird sie heute nach Aussage von unserem Guide auf etwa 4500 (2019) geschätzt.
Wirtschaftlich betrachtet, ist das Städtchen Janjanbureh abhängig von der Landwirtschaft der Umgebung und vom Tourismus, der sich allerdings nur verhältnismäßig langsam entwickelt. Trotz seiner Geschichte hat Janjanbureh kaum gepflegte Sehenswürdigkeiten, für die es sich lohnen würde durch die Stadt zu schlendern. Janjanbureh und Janjanbureh Island könnte allerdings eine wertvolle Ausgangsbasis sein für große Birding Tours, denn die große Vogelvielfalt der Gambia Flusslandschaft locken förmlich interessierte Naturliebhaber an.
Als bedeutende Sehenswürdigkeit könnte man noch die Steinkreise von Wassu nennen, sie liegen etwa 22 km nordwestlich von Lamin Koto am Nordufer gegenüber von Janjanbureh.

Impressionen aus Janjanbureh

Bild 7: Straße die von der Stadt und Insel Janjanbureh direkt zur Fähre führt. Bild 8 und 9: Die meisten Straßen in Janjanbureh erinnern wenig an eine Stadt, sie wirken eher verträumt und haben in ihrem Zustand eher den Charakter einer vergessenen Stadt. Bild 10: Auch wenn Janjanbureh eine sehr überschaubare Kleinstadt ist, mangelt es kaum an vielfältigen Hinweisschildern. Bild 11: Wer kein eigenes Geschäft hat, nutzt auch schon mal ein verfallenes Haus oder eine Ruine. Bild 12: Ältestes Holzhaus aus dem Jahre 1832 in Janjanbureh im kreolisches Baustil. Die Bauzeit fällt in die Zeit der Abschaffung der Sklaverei. Das zerfallende Haus steht heute unter Denkmalschutz und hat noch ungeklärte Eigentumsrechte. Ursprünglich wurde es von der Familie Jones erbaut. Bild 13: Auf dem Gelände des Governor`s Office und dem Sitz der Verwaltungseinheit der Central River Region in Janjanbureh steht diese alte britische Kanone aus der Gründerzeit von Georgetown (heute Janjanbureh). Die Kanone ist 1812 gegossen worden und stammt aus Schottland. Bild 14: Auch wenn die Geschichte von Georgetown erst mit der eigentlichen Endzeit des Sklavenhandels begann, gab es noch vereinzelte und sehr makrabe Spielbräuche unter den Sklavenhändlern. Neben der kolonialen Polizeistation erinnert das Foroyaa Sooto Freedom Tree Monument in einem eingezäunten Areal mit einem „Friedensbaum“ in der Mitte und dem hier abgebildeten Gedenkstein an dieses brutale Spiel Leben und Freiheit oder Tod. Gelegentlich ließen Sklavenhändler Menschen um ihr Leben laufen. Wer den hier erwähnten „Freedom Tree“ lebend erreichte und ihn berührte bekam das Recht als freier Mensch zu leben. Leider haben es nicht viele geschafft, die meisten Sklaven wurden allerdings  bei diesem „Freiheitslauf“ sehr zum Vergnügen der Sklavenhändler erschossen.

Fotos: (c) Michael Kürschner (9), Christel Selke (6)