Tempel von Kom Ombo

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Doppeltempel für zwei Gottheiten
Tempel von Kom Ombo
den Göttern Sobek und Haroeris gewidmet

Lage

Der altägyptische Doppeltempel von Kom Ombo liegt direkt am östlichen Nilufer in Oberägypten und etwa 3,5 km vom Zentrum der Stadt Kom Ombo entfernt. Die Tempelanlage liegt etwa 150 km südlich von Luxor und etwa 40 km nördlich von Assuan. Bis zum Nassersee sind es etwa 55 km im Süden Ägyptens.

Bild 1: Der Pronaos vom Doppelheiligtum von Kom Ombo für Sobek und Haroeris

Der Doppeltempel von Kom Ombo
Geschichte und der Bau des Tempels

Der gesamte Tempelkomplex ist nicht auf einmal gefertigt worden, sondern in  Zeitabschnitten über sehr viele Jahrzehnte in der ptolemäischen Epoche Ägyptens. Der Tempelbau wurde wahrscheinlich unter Ptolemäus VI. Philometor (186 – 145 v. Chr.) begonnen. Weitere Bauherren waren Ptolemäus VIII. Euergetes ( um 180 -116 v. Chr.,Mammisi, Geburtshaus) und Ptolemäus XII. Neos Dionysos (um 110 – 51 v. Chr. Westflügel des monumentalen Eingangstors), er war auch der Vater der berühmten Kleopatra VII. Der überwiegende Teil der Reliefs wurde allerdings in römischer Zeit bis in das 1. Jahrhundert n.Chr. vollendet. Der Abschluss aller baulichen Maßnahmen erfolgte wahrscheinlich durch den römischen Kaiser Macrinus und dessen Sohn Diadumenianus um etwa 217 n. Chr.
Nach der römischen Zeit  ging der Tempel über Jahrhunderte in Vergessenheit und unbeachtet versank er mit der Zeit im Wüstensand. Erst im Jahre 1893 erfolgte durch den Ägyptologen Jaques de Morgan die Freilegung der völlig verschütteten Tempelanlage. Bis ins 19. Jahrhundert stand westlich vom Tempel ein dem Nil zugewandter Mammisi, der wie das westliche Eingangstor und Teile der Umfassungsmauer Opfer einer Flutkatastrophe wurden. Obwohl der Tempelkomplex auf einer Anhöhe von etwa 20 Meter liegt hat der Nil diese wertvollen Kulturgüter mitgerisssen in einer unvorstellbaren Hochwasserkatastrophe. Heute verhindert eine Schutzmauer die Verlagerung des Nilflussbetts in Richtung Osten und die noch erhaltenen Reste des Doppeltempels sind jetzt außer Gefahr.
Die Konzeption eines Doppeltempels als Heiligtum für zwei Götter ist in Ägypten einmalig. Die südliche Hälfte des Tempelkomplexes ist dem krokodilköpfigen Gott Sobek gewidmet, der mit Hathor und dem Mondgott Chons eine Triade (Götterfamilie) bildet. Die nördliche Seite der Anlage  ist dem falkenköpfigen Gott Haroeris, seiner Gattin Tasenetneferet und seinem Sohn Panebtaui geweiht.
In der Konstruktion des Tempels sind die Kulträume getrennt. Durch den Tempel führen zwei zentrale Mittelachsen in die beiden getrennten Sanktuare der Götter. Baulich zwar getrennt, ist die Innendekoration mit den Ritualszenen der Götter in beiden Tempelhäften zu bestaunen. Typisch für die Zeit der Ptolemäer und Römer war die unterschiedliche Technik der Reliefgestaltung, während an den Außenwänden vielfach tief versenkte Reliefs angebracht waren, wurden in den Innenräumen hauptsächlich erhobene Reliefs künstlerisch gestaltet.
Die in den Innenräumen angebrachten Reliefdarstellungen der Pharaonen zeigen:
Ptolemäus VI. Philometor mit der Königin Kleopatra II. und
Ptolemäus VIII. Euergetes mit der Königin Kleopatra III.

Der Pronaos und der Vorhof

Bild 2: Der in Nilnähe stehende Tempel von Kom Ombo liegt etwa  knapp 30 Meter über dem Nilspiegel und ist heute über eine neu angelegte sehr breite Treppe erreichbar. Bild 3: Der Pronaos und der römische Vorhof mit den Säulenresten auf der linken Seite  Die flache Steinplatte bei der Besuchergruppe liegt im Zentrum des Vorhofes und zentral auf den Eingang zum Pronaos gerichtet. Ursprünglich wurde auf dieser Steinplatte die heilige Barke aufgestellt. Bild 4: Der römische Vorhof mit Umfassungsmauer und den Säulenresten, die noch vielfältige Reliefs aufweisen. Die meisten Reliefdarstellungen zeigen Kaiser Teberius mit entsprechenden Inschriften. Ganz rechts in Bildmitte erkennt man noch die kleine Hathor-Kapelle. Diese Kultgebäude diente früher auch zur Aufbewahrung von heiligen und mumifizierten Krokodilen (Crocodylus niloticus). Bild 5: Römische Säulen im Vorhof vor dem Pronaos. Bild 6: Auf der äußersten rechten Seite des Doppeltempels von Kom Ombo stehen noch die Turmreste einer Pforte von Ptolemäus XIII. Bild 8: Reliefdarstellung auf der linken Wandseite vom Pronaos. Ptolemäus XII. Neo Dionysos wird gereinigt von Thoth, Horus und Haroeris. Bild 7. Ein Kompositkapitell von der linken Seite des Pronaos. Die stattlichen Säulen haben eine Höhe von 12 Meter. Bild 9: Der Tempelkomplex vom Doppeltempel in Kom Ombo.

Bild 10: Der Pronaos vom Tempel in Kom Ombo steht für ein hohes Niveau ptolemäischer Kunst am Bau und Architektur. Die Kompositkapitelle, die Schlangenfriese und die Hohlkehlen am Dach des Pronaos sind dafür nur ein Beispiel. Am Tempeldach unter der Hohlkehle sind zwei gefügelte Sonnenscheiben mit Uräus-Schlangen zu sehen, die jeweils  die beiden darunter liegenden  Eingänge ins Innere des Doppeltempels symbolisieren. Diese führen direkt zu den getrennten Sanktuaren der Hauptgötter der Tempelanlage. Die linke Seite war für die Gotteit Haroeris bestimmt und die rechte Seite des Durchgangs galt der Gottheit Sobek. Bild 11: Die linke Seite vom Pronaos für Haroeris mit Hohlkehle und dem Fries mit der geflügelten Sonnenscheibe. Bild 12: Die rechte Seite vom Pronaos für den krokodilköpfigen Sobek mit Hohlkehle und dem Fries mit der geflügelten Sonnenscheibe. Bild 13: Detail der rechten Seite vom Fries mit den Uräus-Schlangen und der gefügelten Sonnenscheibe.

Beispiele für Reliefdarstellungen
im Doppeltempel von Kom Ombo

Bild 14 und 15: Diese Fotos stammen aus einem Reliefmotiv und zeigen den hauptsächlichen Bauherrn des Doppeltempels den Pharao mit seiner königlichen Gemahlin und den Hauptgöttern. Auf Bild 14 sieht man Ptolemäus VI. Philometor mit seiner Gemahlin Kleopatra I. mit dem Blick auf Haroesis. Bild 15 zeigt die Götter Horus und Sobek. Bild 16: Kartuschen von Ptolemäus VI. Philometor. Bild 17: Kartusche von Kleopatra I.

Bild 18: Relief der Göttin Tefnut an der Ostwand des Tempels von Kom Ombo. Sie war die Schwester und Gemahlin von Gott Schu mit dem Beinahmen „Nubische Wildkatze“. Tefnut war eine der neun Schöpfergottheiten, war die Mutter der Himmelsgöttin Nut und symbolisierte auch das Feuer. Bild 19: Die Göttin Tefnut mit der Göttin Tasenetneferet, der Gemahlin von Haroesis  einem der Hauptgötter des Tempels von Kom Ombo. Tasenetneferet  ähnelt als eine Lokalgöttin im Wesen und Eigenschaft der bekannten Göttin Hathor. Ein Relief an der Ostwand des Tempels. Bild 20: Diese drei Löwinnen symbolisieren die drei wichtigsten Zeiten im Jahr „Nilüberflutung, Aussaat und Trockenheit“. Bild 21: Kartusche von  Ptolemäus VI. Philometor und umrahmt von Uräus-Schlangen, dem Schutzsymbol zur Abwehr der Feinde. Die gleiche Symbolik sieht man auch auf dem Fries über dem Eingang des Pronaos (siehe auch Bild 10 – 13).

Das berühmte „Ärzterelief“ in Kom Ombo

Im rückwärtigen Teil des äußeren Tempelumgangs hat sich auf der Innenseite der Ostwand eine einmalige sehr berühmte und ausführliche Reliefdarstellung erhalten, die heute als „Ärzterelief“ von Kom Ombo bekannt wurde und aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. stammt.

Bild 22: Die Ostwand des äußeren Tempelumgangs ist in seiner Höhe nicht mehr vollständig erhalten, aber die bedeutenden Szenen rund um das „Arzterelief“ sind fast unbeschädigt erhalten. Diese Szene zeigt den römischen Kaiser Trajan (98-117 n. Chr.) kniend mit Opfergaben ärztlicher Instrumente an den Tempelhauptgott Haroeris (bzw. Heilgott Imhotep ?). Bild 23: Rechts von der fortlaufenden Szene aus Bild 22 sind die ärztlichen Instrumente aufgelistet. Deutlich erkennt man u.a. Zangen, Haken, Messer und Säge. Links im Bild sieht man die Göttinen Isis und Nephtys auf einem Geburtsstuhl hockend. Bild 24: Vergrößertes Detailbild von Bild 23: Bild 25: Detail aus Bild 23 mit der Göttin Nephtys auf dem Geburtsstuhl. Bild 26: Detail aus Bild 23 mit der Göttin Isis auf dem Geburtsstuhl. Bild 27: Weitere Relieffolge nach rechts mit den Göttern Haroeris, dem Luftgott Schu und seiner Schwester und Frau Tefnut.

Bild 28: Leider ist diese Wand nicht mehr komplett erhalten, aber man kann noch deutlich erkennen, welche Reliefmotive hier dargestellt wurden. Für jeden Pharao war es eine beliebte Darstellung sich siegreich zu geben. Der Pharao zeigt sich beim Erschlagen der Feinde und als Ausdruck der Macht immer in Begleitung eines männlichen Löwen. Bild 29: Detail aus dem Bild 28, der begleitende Löwe frißt die Hände der Feinde. Bild 30: Auch ein Bild aus den siegreichen Szenen mit einem gefesselten Gefangenen und in diersem Fall wohl asiatischen Ursprungs.

Bild 31: Auf den Unterseiten der Architrave ist häufig eine Geiersymbolik dargestellt. Bild 32: Ausschnitt vom Architrav von Bild 31. Dargestellt sind die Göttin Uadjit  mit dem schwarzen Kopf und der Krone von Unterägypten, sowie die Göttin Nekhbet mit dem weißen Kopf und der Krone von Oberägypten. Bild 33: Diese Reliefdarstellung zeigt den krokodilköpfigen Gott Sobek mit der Sonnenscheibe auf dem Kopf. In dem Tempeltext heißt es: “ Der gewaltige Gott, aus dessen beiden Augen die zwei Gestirne von Sonne und Mond hervorgegangen sind. Seine beiden Augen machen die Finsternis hell“. Die weibliche Darstellung links von Sobek könnte die Lokalgöttin Tasenetneferet sein (?). Bild 34: Vergrößerte Detaildarstellung aus Bild 33 Lokalgöttin Tasenetneferet (?).

Mammisi am Tempel von Kom Ombo

Bild 35 Mammisi am Tempel von Kom Ombo

Das Mammisi (Geburtshaus) steht einige Meter westlich vom Tempelkomplex Kom Ombo entfernt. Erbaut wurde es ursprünglich durch Pharao Ptolemäus VIII. Euergetes II. Zu sehen sind heute allerdings nur noch einige Ruinenreste. Durch eine Naturkatastrophe im 19. Jahrhundert haben reißende Strömungen einer Nilüberflutung das Mammisi und Teile des westlichen Vorhofes mit der Umfassungsmauer vom Tempel Kom Ombo mit seinem unschätzbaren Werten für immer verschluckt.
An den Überresten des Geburtshauses kann man aber noch ein gut erhaltenes Relief erkennen. Es zeigt den Pharao mit zwei Göttern die auf einer Barke durch die Papyrussümpfe gleiten.

Öffnungszeiten

9 – 21 Uhr

Ticketpreise

Ticket vom Tempel Kom Ombo

Seit November 2018 kostet das Eintritt für den Kom Ombo Tempel mit dem Krokodil-Museum EGP 100 (ca. 5,50 Euro).

Fotos: (c) Michael Kürschner (17), Christel Selke (18)