Tempel von Dendera

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Der heilige Hathor Tempel
Tempel von Dendera
Für die geheimnisvolle Hathor – der Göttin der Liebe

Der Hathor-Tempel mit dem römischen Tor im Vordergrund

Lage

Die altägyptische Tempelanlage in Dendara liegt etwa 55 km nördlich von Luxor am Nilknie westlich von Qena. Neben den Tempeln von Edfu, Esna und Kom Ombo gehört Dendera (auch oft Dendara geschrieben) für jeden Ägyptenreisenden zu den interessantesten Geheimtipps für die Besichtigung ägyptischer Kulturstätten.

Der heilige Tempelkomplex von Dendera

Der Tempelkomplex von Dendera mit dem bedeutenden Hathor-Tempel

Grundriss vom Tempelbezirk von Dendara : Als Besucher betritt man den heiligen Bezirk durch ein unter Domitian und Trajan errichtetes Tor und geht vorbei an den Mammisi, der christlichen Basilika und dem Sanatorium bevor man zum Hathor-Tempel kommt.

Dendera war das antike Iunet und lag zwischen Abydos im Norden und Theben im Süden. Es war die Hauptstadt des 6. oberägyptischen Gaus und eines der ältesten Kultzentren der hochverehrten Göttin Hathor.
Die Anfänge dieser Tempelanlage reichen bis in die 4. Dynastie 2613 – 2494 v. Chr. zurück. Das früheste, heute nur durch Texte belegte Heiligtum geht auf die Zeit von Cheops zurück und wurden in der 6. Dynastie vom Pharao Pepi I. erweitert. Die belegten Veränderungen gab es in der 11. Dynastie durch Mentuhotep II. im Mittleren Reich. Aber erst durch Thutmosis III. im Neuen Reich der 18. Dynastie und der späteren Ramessidenzeit wurde der Hathor-Tempel erheblich ausgebaut. Doch der früheste noch vorhandene Bau ist der Mammisi, der unter Pharao Nektanebos I. (ägyptisch Cheperkare Nechetnebef) errichtet wurde, er war als Begründer der 30. Dynastie (Regierungszeit 379-360 v. Chr.) einer der letzten einheimischen Pharaonen Ägyptens.
Die verhältnismäßig gut erhaltene Tempelanlage, die wir heute noch bewundern können, stammt allerdings aus der späten Ptolemäer- und der folgenden frühen römischen Kaiserzeit, in der man die ägyptische Göttin Hathor mit der griechischen Aphrodite gleichsetzte. Der Kern des Hathortempels mit dem 2. Säulensaal und den Krypten mit den zahlreichen Wand – und Deckendekorationen stammt aus der Zeit von Ptolemaios XII. und seiner berühmten Tochter Kleopatra VII. Der vordere erste Säulensaal mit den 24 mächtigen Säulen ist ein Werk der drei ersten römischen Kaiser der julisch-claudischen Familie, Augustus, Tiberius und Caligula. Die Reliefs an der Rückwand zeigen sie vor den wichtigsten ägyptischen Göttern des Tempels. Danach folgen noch weitere römische Ergänzungen unter Nero 54-68 n.Chr. bis zur Zeit des Marc Aurels 161-180 n. Chr.

Bilder vor dem Eingang zum Hathor Tempel

Bild 1: Pharao (römischer Kaiser) Domitian beim Darbringen an Hathor und Horus. Detail auf dem römischen Tor. Bild 2: Detail vom Relief mit der Göttin Hathor am römischen Tor. Bild 3: Göttin Hathor als Block vor ihrem Tempel aus Sandstein. Hathor war  eine Himmelsgöttin, Göttin der Liebe, des Friedens, der Schönheit, des Tanzes, der Kunst und der Musik. Sie wurde auch verehrt als Beschützerin aller weiblichen Wesen. und war auch die Göttin der Sinnesfreuden. Der Tempel war in der Hauptsache ihr gewidmet. Bild 4: Ein vor dem römischen Mammisi liegender Steinblock zeigt ein gut erhaltenes Relief des Gottes Bes , dessen Abbild sich auch auf jeden Würfelblock über den Säulenkapitellen des Mammisi befindet. Bes war ein Gott, der stets im Gefolge der Göttin Hathor erschien. Er ist meist frontal dargestellt und meist nackt mit dicken Bauch und gedrungenen kurzen Beinen. Durch sein fratzenhaftes Gesicht mit großen Augen und herausgestreckter Zunge sollte er eine abschreckende Wirkung auf Dämomen und böse Mächte haben. Bild 5 und 6: Die korinthischen Säulen aus der Ptolemäerzeit in unmittelbarer Nähe vom Haupteingang mit dem Detail des Kapitells auf dem Bild 6.

Der Hathor Tempel

Das Herzstück des gesamten Tempelbezirks ist der Tempel für die Göttin Hathor selbst, mit seiner 1. Säulenhalle, der 2. Säulenhalle, dem Opfersaal, dem Vestibül und dem Sanktuar. Der Tempel hat bei einer Höhe von 27,5 m eine Breite von 35 m und eine Länge von 81 m. Er gilt als besterhaltene Kultstätte dieser Art in ganz Ägypten.

Erster Säulensaal

24 mächtige Säulen stützen das solide Steindach in der ersten Säulenhalle. Die meisten Säulen sind kaum bis wenig beschädigt und man kann noch viele originale Farben erkennen. Häufig sind nur die Gesichter der Göttin Hathor zerstört worden. Beeindruckend sind im Pronaos die Darstellungen an der Decke. Die astronomischen Abbildungen als Kosmos,  gestalteten ganze Himmelslandschaften, sie haben einen ausgezeichneten Erhaltungsgrad der Reliefs und der Farben. Der überwiegende Teil der Decke wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. gefertigt.

Bild 7: Die Kapitelle dieser starken Säulen zeigen die Göttin Hathor. Deutlich erkennt man noch die blaue Farbzeichnung der Kopfbedeckung. Leider wurden in Folge der Christianisierung die Gesichter der Hathor unkenntlich gemacht. Bild 8: Blick in den Pronaos mit den mächtigen Säulen.Derartige Säulen sind seit dem Mittleren Reichen bekannt. Die Hathor-Säulen in Dendera gehören zu den monumentalsten Exemplaren von allen Tempeln dieser Art in Ägypten. Bild 9: Blick zur Decke, zwischen vier Säulen erkennt man deutlich die sehr gut erhaltenen und farblichen Reliefs. Bild 10: Das stilisierte Auge symbolisiert den zunehmenden Mond, der gerade die Himmelstreppe hinauf steigt. Bild 11: Zu den sehr interessanten Darstellungen gehören ohne Zweifel die Bildsegmente mit der Göttin Nut. Die Himmelsgöttin Nut verschluckt am Abend die Sonne um sie morgens neu zu gebären  Bild 12: Eine weitere Detailabbildung von der Decke mit den astronomischen Darstellungen.  Bild 13: Der Mond in einer Barke Bild 14: Obere Reihe das Tierkreiszeichen “Stier” und in der unteren symbolisieren die Barken immer 10 Tage des Jahres.

Bild 15 und 16: Zwei von 11 Kapellen für die Götter die über einen Korridor rund um das Allerheiligste führen. Sie sind bestens erhalten und teilweise schon ausgezeichnet restauriert.

Die untere Krypta

Im hinteren Raum des Hathor-Tempels befinden sich 12 interessant dekorierte Krypten, in denen die wertvollsten Kultgegenstände aufbewahrt wurden. In einer dieser Krypten an der Südwand befindet sich eine Falltür. Für uns war alles sehr geheimnisvoll und als ein Tempelwächter uns die Falltür im Boden öffnete, stiegen wir die enge und steile Treppe hinab um zu erleben, was in der unteren Krypta zu sehen ist. Man muß schon ziemlich gelenkig sein, um in die Gänge der Krypta zu gelangen. Man war aber zu aufgeregt, um darüber nachzudenken. Die Gänge in der Krypta sind nur knapp 100 cm breit und 200 cm hoch. Die glatten und dunklen Wände sind mit sehr vielen Reliefs bestückt und erzeugen für den Betrachter eine mythische Atmosphäre. In dieser Krypta wurden Kultgegenstände und hier soll früher auch die Mumie einer heiligen Kuh aufbewahrt worden sein.

Bild 17: Eine aufwändige Hathor Halskette als Relief in der Krypta des Hathor- Tempels. Bild 18: Das berühmte Falkenbildnis in der Krypta an der Südwand auf der rechten Seite. Das Gefieder im Relief ist aufwendig und detailgetreu gestaltet. Bild 19: Gott Horus, links im Bild erkennt man noch die Symolik der Göttin Hathor. Bild 20: Nur fast kriechend konnten wir die Treppe zum Ausgang finden, denn sie hat nur eine sehr geringe Höhe, wie das Foto es auch verdeutlicht. Wem dieser schwierige Weg nichts ausmacht, sollte unbedingt die Krypta besichtigen, sie ist ein unvergessliches Erlebnis.

Geheimnisvolle Reliefsdarstellungen in der Krypta

Bild 21 bis 23: Es gibt in der Krypta viele ungewöhnliche Reliefdarstellungen, doch diese Darstellung an der Südwand scheint etwas besonderes und rätselhaftes zu sein. Die beiden Fotos zeigen ein Relief, dass auch unter dem Namen “Glühbirne von Dendera” bekannt ist. Während Ägyptologen dafür eine klare Erklärung haben, gibt es Grenzwissenschaften, die darüber spekulieren, ob es sich hier um eine “Glühlampe” handelt und die alten Ägypter schon die Elektrizität kannten und Außerirdische dafür verantwortlich sind. Für Ägyptologen zeigen diese Reliefs allerdings mythisch-religiöse Motive, die den allmorgendlichen Aufgang der Sonne in allegorischer Form zeigen, wie sie etwa seit dem Neuen Reich traditionell überliefert ist.

Auf dem Tempeldach

Das Tempeldach vom Hathor-Tempel kann betreten werden und das ist einzigartig für alle antiken Kultstätten in Ägypten. Der Weg zum Dach führt über zwei reich dekorierte Treppenhäuser die links und rechts in der Opferhalle ihren Aufgang haben. Diese Gelegenheit sollte man auf jeden Fall nutzen, nicht nur wegen der Hathor-Kapelle, die sich auf dem Dach befindet, sondern auch wegen dem fantastischen Ausblick den man auf den gesamten Tempelkomplex genießen kann.
In die Hathor-Kapelle auf dem Dach trugen einst die Priester jährlich in einem feierlichen Ritual die Statue der Göttin Hathor, damit sie von der Sonne bestrahlt und mit neuer Energie belebt werden konnte. Am Vorabend des Neujahrsfests wurde die Statue in der Kapelle aufgestellt, um morgens die Sonnenstrahlen zu empfangen.
Neben der Hathor-Kapelle gibt es auf dem Dach noch zwei Osiris-Kapellen. Laut dem Osiris-Mythos waren auch in Dendera Teile ihres zerstückelten Leichnams beerdigt worden. Berühmt ist allerdings die östliche Osiris-Kapelle wegen ihrer Tierkreisdarstellung an der Decke. Leider befindet sich das Original in Paris im Louvre. Napoleon hatte es 1821 auf seiner Ägyptenexpedition aussägen lassen. Die Franzosen glichen diesen Raub mit einer billigen Gipskopie aus.

Bild 24: Hathor-Kapelle mit den 12 Hathorsäulen, Bild 25: Hathor-Kapitelle in der Hathor-Kapelle, Bild 26. Die astrologische Tierkreisdarstellung im Osiris-Tempel als schlichte Kopie.

Die Außenwände des Hathor-Tempels

Die gesamten Außenwände des Hathor-Tempels sind im großen Stil mit zahlreichen Hiroglyphen, großen und kleinen Reliefs geschmückt aus der Welt der Pharaonen und Götter.

Bild 27: Starkes übergroßes Relief von Kleopatra VII. mit ihrem Sohn Caesarion an der Rückwand des Hathor-Tempels gegenüber vom Tempel der Isis. Mit dem Selbstmord am 12. August 30 v. Chr. von Kleopatra VII. endet die Geschichte des Ägyptischen Reiches und es versank im römischen Imperium. Bild 28: Kunstvoll integrierter Wasserspeier an der westlichen Außenwand des Hathor-Tempels in Form eines Löwen, er diente dem Abfluß des Regenwassers. Die Darstellung als Löwe sollte auch laut Inschriften Unheil schützen. Bild 29: – 32: Auch eine hohe Vielzahl großer und kleiner Reliefs schmücken die Außenwände am Hathor-Tempel und geben wichtige Informationen über weltliche und religöse Themen rund um den Hathor-Tempel.

Bauten rund um den Hathor-Tempel im Tempelbezirk von Dendera

Isis-Tempel – Gegenüber der südlichen Außenwand vom Hathor-Tempel an der auch das große Relief von Cleopatra VII. zu erkennen ist, liegt der kleinere Isistempel. Der römische Kaiser Augustus versah die bereits mehrfach erweiterte Tempelanlage mit einem neuen Sanktuar; das er der Göttin Isis-Hathor weihte.
Der Heilige See. Im Südwesten des Tempelbezirks, an der hinteren linken Ecke des Hathor-Tempels, liegt der in römischer Zeit mit einer steinernen Einfassung versehene Heilige See. Er spielte bei verschiedenen Festen eine wichtige Rolle; so bildete er u.a. den Schauplatz für die Suche der Göttin Isis nach ihrem toten Gemahl Osiris während der Osirismysterien. Die Nutzung des Heiligen Sees obliegte ausschließlich der Priesterschaft.

Bild: 33 und 34: Dieser kleine Isis-Tempel wurde wie sein Pendant in Philae, durch christlichen Zorn systematisch zerstört, da die Christen große Angst vor dem Einfluß der Isis hatten, denn Isis und Hathor wurden im Volke immer hochverehrt. Bild 35 und 36: Der Heilige See mit seiner steinernen Einfassung. Er ist gut erhalten. Heute ist die Anlage natürlich trocken und ein Dattelpalmenhain schmückt das Innere.

Mammisi

Mammisi – Mit dem aus dem Koptischen abgeleiteten Begriff Mammisi werden in der Ägyptologie kleine Tempel bezeichnet,in denen die Geburt des göttlichen Kinds gefeiert wurde, das zur örtlichen Götterfamilie (Triade) gehörte. Diese Heiligtümer lagen stets vor dem Eingang des großen Göttertempels, jedoch immer innerhalb der den Komplex umgebenden Mauer. Sie wurden meist quer zur Achse des Haupttempels angelegt und bestanden aus einem rechteckigen Tempelhaus mit einem schmalen Säulenumgang und kleinen Vorhof

Bild 37: Kleines Mammisi unter Nektanebos I. – Das südlicher liegende Mammisi (Geburtshaus) stammt aus der Zeit von Nektanebos I. (30.Dynastie). Er ist der älteste in Ägypten. Soweit erhalten, zeigen die Wände noch heute Reliefs mit der Geburt und Szenen aus der Kindheit des Hathorsohns Ihy. Dieses Mammisi wurde bei der Fundamentlegung der äußeren Steinumwallung auf Veranlassung von Kaiser Nero zerschnitten. Bild 38 bis 40: Römisches Mammisi – Kaiser Trajan (98-117 n.Chr.) errichtete direkt hinter dem nördlichen Eingangstor einen prachtvollen Mammisi-Neubau. Auch im Allerheiligsten von diesem Römischen Mammisi schildern Reliefs die Geburt des Götterkindes und sein Heranwachsen. Bild 41 und 42: Christliche Basilika – Im 5. Jh. nach Chr.errichteten koptische Christen innerhalb des Tempelbezirks, eingebettet in die beiden Mammisi eine Basilika, deren Architektur sich noch heute leicht nachvollziehen lässt.

Tempel der Hathor als Sehenswürdigkeit

Dendera in Oberägypten hat eine relativ zentrale Lage und ist von Luxor leicht mit Bahn, Bus oder Taxi zu erreichen und wer von einem der Badeorte am Roten Meer nach Luxor möchte, sollte unbedingt ein Halt in Dendara machen, es liegt fast auf dem Weg nach Luxor. Der Tempelbezirk mit dem bedeutenden Hathortempel ist einzigartig in Ägypten und steht für eine faszinierende und ungewöhnliche Geschichte der ägyptischen Antike.

Bild 43 Tempel von Dendera

Bild 43: Die einzigen noch heute überlebten Bewohner der Tempelanlagen sind die ägyptischen Haussperlinge (Passer domesticus niloticus), die „Tempelspatzen“ nutzen jede Nische an den Wänden des heiligen Hathor Tempels.

Öffnungszeiten
sind t
äglich von 9 – 17 Uhr

Eintrittsgebühr / Ticket
LE 100,00 (etwa 5,30 Euro) Stand November 2018

Foto: (c) Michael Kürschner (28), Christel Selke (15), Michael Ziegler (2)