Teje

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Teje
Königliche Gemahlin von Amenophis III.

Zur Person von Teje

Bild 1: Königin Teje auf einem Relieffragment aus Quarzit. Es stammt aus dem Totentempel ihres Mannes König Amenophis III. in Theben-West um 1375 v. Chr. aus der 18. Dynastie im Neuen Reich.

Die Königin Teje wurde als Tochter des „Priesters und Rindervorstehers des Gottes Min“ Juja und dessen Gemahlin Tuja um 1398 v. Chr. geboren und war somit nicht königlicher Herkunft. Amenophis III. muß aber von dieser bürgerlichen Frau hellbegeistert und ernsthaft verliebt gewesen sein, als er sie zur königlichen Gemahlin machte. Seine Begeisterung scheint auch historisch belegt zu sein, denn er ließ zur Vermählung im ganzen Land und im benachbarten Ausland zur Vermählung aufwendige Skarabäen herstellen und verteilen. Einige dieser Skarabäen sind auch bekannt als Hochzeits-Dokument, denn auf der Rückseite, war nicht nur der Name des Königs Amenophis III. und der großen königlichen Gemahlin Teje eingraviert, sondern auch die Nemen ihrer Eltern, der Text hatte folgenden Wortlaut: „Der Name ihres Vaters ist Juja, der Name ihrer Mutter Tuja. Sie ist die Gemahlin eines mächtigen Königs, dessen südliche Grenze bis Kare (im Sudan) und dessen nördliche Grenze bis Naharin (in Nordsyrien) sich erstreckt.“ (zitiert nach Jung, M., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna.
Wie Amenophis III. auf die bürgerliche Teje aufmerksam wurde ist nicht belegt. Vielleicht waren es auch ihre einflußreichen Eltern, die am Hofe verkehrten und ihre Tochter Teje dem König vorstellten. Er verliebte sich schon auf den ersten Blick in Teje und ließ auch nicht mehr von ihr ab. Bei all diesen Spekulationen, wäre eine Liebesheirat mit Teje nicht ausgeschlossen, denn für Teje brach Amenophis III. auch mit allen bekannten Traditionen, weil sie am Hofe eine nicht standesgemäße Frau war und er sie zur königlichen Gemahlin machte. Ein weiterer Tabubruch in der höfischen Ordnung war die Erwähnung ihrer bürgerlichen Eltern im Text der Hochzeits-Skarabäen.

Kinder der Königin Teje

Teje brachte ihrem Amenophis III. sechs belegbare Kinder zur Welt. Sie gebar zwei Söhne und vier Töchter. Der erstgeborene Sohn war ein Thutmosis, der als Thutmosis der V. in die Weltgeschichte eingegangen wäre, wenn er nicht schon vor dem Ableben seines Vaters verstorben wäre. Tejes zweiter Sohn war Amenophis, der später als Amenophis IV (Echnaton) bekannt wurde und als Pharao und Visionär die Weltmacht Ägypten führen sollte. Als historisch belegt gelten folgende Töchter: 1. Henut-tau-nebu („Herrin beider Länder“), 2. Nebet-tah („Herrin des Landes“), 3. Iset (Isis) und 4. Sitamun („Tochter des Amun“). Als nicht sicher belegt gilt ein weiteres Mädchen mit dem Namen Baketaton („Dienerin Atons“). Bis auf eine Inschrift und Abbildung in Achet-Aton, dem heutigen Tell el-Amarna gibt es von dieser Prinzessin keine weiteren Hinweise, obwohl ihr Leben in die Regierungszeit von Amenophis III./Amenophis IV. (Echnaton) fällt.
Es gibt aber noch ein großes ungelöstes Rätsel bei der Anzahl und der Zugehörigkeit der Kinder von Teje und Amenophis III. 1898 entdeckte der französische Ägyptologe Victor Loret neben weiteren Königsmumien im Grab KV 35 von Amenophis II. auch eine unbekannte weibliche Mumie. Aber erst 2010 konnte man durch DNA-Analysen diese unberkannte Mumie als die Mutter von Tutanchamun identifizieren und zusätzlich noch als Tochter von Teje und ihrem Amenophis III. Man hat zwar jetzt den Beleg einer weiteren Tochter von Teje aber kleinen nachweislichen Namen oder Details aus ihrem Leben. Die genetische Untersuchung dieser unbekannten weiblichen Mumie klärte einige Zugehörigkeiten der Königsfamilie und Teje ist jetzt auch noch die nachgewiesene Großmutter von Tutanchamun. Unter den Ägyptologen ist diese unbekannte königliche Mumie als Younger Lady („jüngere Dame“) KV35YL bekannt.

Bild 2: Kleine Statuette von Prinz Thutmosis auf der Totenbahre mit Sarg , er war der erstgeborene Sohn des Königs (Pharao) Amenophis III. und dessen Großer königlichen Gemahlin Teje. Durch den sehr frühen Tod des Thronfolgers übernahm später sein jüngerer Bruder Amenophis IV (Echnaton) nach dem Tod seines Vaters das Amt des Pharaos. Diese Statuette befindet sich im Ägyptischen Museum Berlin und besteht aus dem Material Steatit und Kalkstein und stammt aus der Zeit um 1360 V. Chr.

Bild 3: Statuenkopf der Königin Teje im vermutlich mittleren Lebensalter mit der Doppelfederkrone um 1355 v. Chr., der Fundort war im Medinet Gurob unweit von Fayum. Gefertigt ist diese kleine Statue aus Ebenholz, Gold, Silber, Fayence und Textil. Die aufwendige Gestaltung ist einer Göttin würdig und wird auch bestätigt durch die aufgesetzte Krone. Eine derartige Gestaltung einer königlichen Gemahlin unterstreicht auch symbolhaft ihre wahrscheinlich sehr hohe politische Bedeutung.

Bild 4 bis 6: Der Statuenkopf der Königin Teje hat eine eindeutig realistische Wirkung auf den Betrachter. Er hat nur eine Höhe von 10,7 cm und ist einzigartig in seiner filigranen Fertigung. Die Darstellung der Königin Teje, der Gemahlin von Pharao Amenophis´ III., bildet in ihrer Bedeutung den Höhepunkt einer  künstlerischen Entwicklung zum realistischen Porträt aus der Zeit des Neuen Reiches. Dieser Kopf der Statuette von der Königin Teje befindet sich heute in der Sammlung des Ägyptischen Museums Berlin.

Der politische Einfluss von Teje

Teje war nicht nur die Große königliche Gemahlin an der Seite ihres Mannes, sie erlangte schon frühzeitig viel Einfluss am Hofe und Amenophis III. setzte sie auch zur Mitregentin ein. Teje legte eine beispiellose Karriere hin, die so in der ägyptischen Geschichte noch nie dagewesen war. Sie stammte aus einfachen Beamtenverhältnissen, war sehr intelligent, gebildet und hatte die Fähigkeit politische Entscheidungen strategisch zu durchdenken und umzusetzen. Alle großen politschen Entscheidungen von Pharao Amenophis III. wurden praktisch erst mit Teje besprochen und dann auch noch mit seinem Namen und dem vonTeje verfaßt und erlassen. Sie war keine Pharaonin, aber mit fast allen Machtbefugnissen ausgestattet, die so ein bedeutendes Amt zu verantworten hat. Alle ausländischen Könige und Fürsten schätzten ihr diplomatisches Geschick und würdigten ihre Leistungen. Im hohen Alter, als Amenophis III. vielleicht auch schon krank war, entschied sie nicht selten auch selbständig außenpolitische Entscheidungen. Beispielhaft, erwähnenswert und aufschlussreich sind dabei die Briefe, die der Mitanni-König Tušratta nach dem Tode von Amenophis III. an dessen Sohn und Nachfolger Echnaton richtete. Tušratta weist darin nicht nur auf die guten Beziehungen mit Echnatons Vater, sondern auch auf die Rolle der Teje im diplomatischen Schriftwechsel hin: „…und all die Worte, die ich mit deinem Vater redete, die kennt Teje deine Mutter. Kein anderer kennt sie! Doch bei Teje, deiner Mutter, wirst du sie erfragen können. Sie soll dir sagen, wie dein Vater mit mir Freundschaft unterhielt.“ Ein derartiger Briefverkehr unterstreicht noch einmal deutlich wie bedeutend die diplomatischen Arbeiten von Teje unter Amenophis III. waren. Das Teje nach dem Tod ihres Gatten auch für ihren Sohn politisch aktiv war, ist wohl auch schon deshalb unbestritten, weil sie die revolutionären Umwälzungen im Land durch Echnaton begleitete. Während ihr Sohn Echnaton seinen Königspalast in der neu gegründeten Hauptstadt Achet-Aton (Amarna) errichtete, verblieb Teje noch für einige Zeit im alten Königspalast von Amenophis III. in Malqata dem Palastkomplex am Westufer des Nils bei Theben. Welche Rolle Teje nach der Übersiedlung in ihren Palast in Achet-Aton einnahm, ist kaum belegt, auch wenn Teje noch bis zum 14. Regierungsjahr bei ihren Sohn Echnaton in seiner Nähe war, gibt es danach keine schriftlichen Erwähnungen mehr.

Bild 7: Kopf einer Statue von der Königin Teje im alten Ägyptischen Museum in Kairo aus einer Zeit zwischen 1388 und 1350 v. Chr. Ihr rundes Gesicht und ihr ernster Charme ist fast noch kindlich in ihrer schlichten Einfachheit. Die Statue war gefertigt aus grauem Granit.

Die Mumie und das Grab der Teje

Die Königin Teje verstarb im verhältnismäßig hohen Alter von etwa 60 Jahren 1338 v. Chr. Ihr Sohn Echnaton ordnete vermutlich die Bestattung seiner Mutter im Königsgrab von Armana an, man fand dort auch die Überreste ihres Sarkopharges. Wenn Teje dort wirklich bestattet wurde, kam es nach Echnatons Tod zur weit entfernten Umbettung ins Tal der Könige in die Nekropole von Theben-West in das Grab KV 55, wo man auch ihren vergoldeten Holzschrein fand. Wer für die Umbettung allerdings verantwortlich war ist nicht belegt, es wird aber vermutet, dass es Echnatons Nachfolger Semenchkare bzw. „Nofretete“ gewesen sein könnte, doch in diesen wirren politschen Zeiten ist es schwer zu ermitteln. Es gibt aber auch die These, dass das Grab KV 55 ursprünglich schon für Teje angefertigt wurde. Die Odyssee von Tejes Mumie hat aber noch lange kein Ende, sie kam jetzt wahrscheinlich in das Grab KV 35 von Amenophis II. Dieses Grab diente in späteren Zeiten auch als gesichertes Mumienversteck. Bei einer älteren weiblichen Mumie auch als „Elder Lady“ bekannt, ergaben 2010 genetischen DNA-Analysen eine enge Verwandschaft zu Juja und Tuja, den Eltern der Teje. Man fand somit in der „Elder Lady“ die Große königliche Gemahlin Teje von Amenophis III. Die Mumie von Teje befindet sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo.

Moderne Briefmarke zu Ehren der Königin Teje

Bild 8: 1997 erschien diese Briefmarke der ägyptischen Post aus der Serie „Pharaonen und Tempel“ mit dem Motiv der Königin Teje, Gemahlin von Amenophis III.

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (6),  Christel Selke (3)