Prädynastische Zeit

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Land und Leute Ägypten

Prädynastische Zeit
Ägypten bis zur 0 Dynastie 4500 – 3032 v. Chr.

Die ägyptische Geschichte in der vordynastischen Pharaonenzeit

Als Prädynastische Zeit werden in der ägyptischen Geschichte alle Epochen bezeichnet, die vor der Pharaonen-Zeit liegen. In dieser Zeit gab es noch kein geeintes Ägypten und viele Kulturen in Unter- und Oberägypten steckten noch tief in regionalen Entwicklungen und die Führerschaft der Kulturen lag noch in der Herrschaft  verschiedener Sippen und Clans. Diese Prädynastische Zeit endete erst mit der O Dynastie um 3150 – 3032 v. Chr. in der kulturpolitisch protodynastischen Zeit. Erst in dieser Zeit waren die Grundlagen für eine dynastische Pharaonen-Zeit geschaffen und Ägypten erlebte in der Endphase die Gründung seiner staatlichen Einheit. 
Durch klimatische Veränderungen nahm im 6. Jahrtausend v. Chr. die Wüstenbildung allmählich zu und immer mehr Menschen siedelten sich in der unmittelbaren Nilregion an. Archäologische Funde belegen, dass sich in der Zeit um 5500 v. Chr. in Unterägypten in der Oase Feijum ein kulturelles Leben entwickelte. Zahlreiche bäuerliche Siedlungen auch am westlichen Rand des Deltas lassen sich bereits als neolithische Siedlungen belegen, obwohl die ursprünglichen Einwanderer noch Jäger und Nomaden waren. Da aber die tierreichen Savannen durch die Wüstenbildung immer stärker in Trockenheit versandeten, waren die immergrünen und fruchtbaren Landschaften am Nil für die Sesshaftigkeit eine ideale Lösung und der Beginn einer Entwicklungsstufe für neue Kulturen. In Oberägypten kam im Zeitraum von 4500 – 4000 v. Chr. die Badari-Kultur und die derTasa auf. Im Zeitraum bis 3100 bildeten sich in Oberägypten im Siedlungsgebiet Nagada die Nagada-Kulturen. Über 3000 Gräber aus dieser Zeit sind bekannt. Ackerbau und Viehzucht bilden die Wirtschaftgrundlage. Seit der Prädynastischen Zeit ist bereits auch die Verarbeitung von Kupfer und Gold bekannt.

Bild 1: Kleine Löwenfigur aus der Prädynastischen Zeit zwischen 4300 und 3100 v.Chr. aus Abusir el-Meleq, Ägypten.

Prädynastische Zeit
Badari – Kultur 4500 – 4000 v. Chr.

In Oberägypten gab es in Prädynastischer Zeit zwischen 4500 und 4000 die Kultur der Badari, sie folgte der jungsteinzeitlichen Merimde-Kultur die sich schon 6000 v. Chr. in unterägyptischen Siedlungsbreichen nahe dem heutigen Kairo sich herausbildete .Namensgebend für diese Kultur war die Stadt Badari südöstlich von Assiut am Ostufer des Nils. Ihre lockeren Siedlungsbereiche lagen am Rand des fruchtbaren Nillandes. In Grabstätten am Rande der Siedlungsräume fand man runde und ovale Gräber in denen die Verstorbenen in embryonaler Hockstellung linksseitig in Westrichtung bestattet wurden. Eingebettet wurden sie in Matten und Fellen. Auch reichhaltige Grabbeigaben höherwertiger Keramik und Schnitzereien aus Elfenbein und Knochen lassen bereits auf einen ritualen Totenkult schließen der in der späteren Pharaonenzeit noch eine ausgeprägte Hochkultur erreichen sollte.
Da die Badari-Kultur zu ihrer Endzeit scheinbar direkt in die Naqada-Kultur überging und der Siedlungsbereich sich ähnelte, gehen einige Ägyptologen sogar davon aus, dass die Badari-Kultur vielleicht auch nur eine regionale Kulturgesellschaft der Naqadi-Kultur war.

Prädynastische Zeit
Tasa – Kultur 4300 – 4000 v. Chr.

Die Tasa-Kultur verdankt ihren Namen einem Fundort Deir Tasa bei Mostagedda am östlichen Nilufer. Dieser Ort liegt etwa 30-40 km südlich von Assiut (auch Asyut) am westlichen Nilufer in Mittelägypten. Obwohl die Tasa-Kultur in der Prädynastischen Zeit eine führende und einflußreiche Rolle spielten, ist leider bis jetzt nur sehr wenig aus dieser Zeit überliefert. Die wirtschaftliche Grundlage dieser Kulturepoche war bereits Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fischerei. Für Bestattungen wählte man bereits Nekropolen, wobei die Verstorbenen noch in Matten und Fellen eingewickelt wurden mit der Richtung nach Westen. Größere Siedlingsbereiche sind bis jetzt nicht bekannt und in der Kunst- und Alltagskeramik herrschte noch eine gewisse Schlichtheit. Für die Haushaltskeramik sind die “Tulpenbecher” typisch für die Tasa-Kultur, sie erinnern in ihrer Form an den Blütenkelch einer Tulpe. Diese Art der Haushaltskeramik der Tasa wurden zu dieser Prädynastischen Zeit schon bis nach Nordägypten verbreitet. Es könnte aber auch umgekehrt gewesen sein, dass Menschen aus dem Norden stetig nach Süden einwanderten  und dort die charakteristischen Keramikarbeiten prägten. Viele Funde aus dieser Zeit entdeckte man meist als Grabbeigaben. Überraschend fand man schon bereits zur Tasa Zeit Gegenstände aus der Kosmetikpflege als länglich-rechteckige Schminkpaletten aus Alabaster oder Kalkstein. Ob die Tasa-Kultur und die Badari-Kultur sich gegenseitig befruchteten ist nicht bekannt, man geht aber davon aus, dass beide Kulturen sich den gleichen Siedlungsraum teilten.

Prädynastische Zeit
Maadi – Kultur 4000 – 3000 v. Chr.

In Unterägypten gab es zur Spätzeit der Prädynastik die Kultur der Maadi, benannt nach einem kleinen Ort Ma`adi nahe der heutigen Metropole Kairo. Die Maadi, die im damaligen Siedlungsbereich als sesshafte Bevölkerung lebten, hatten einen stark nahöstlichen Einfluss und archäologische Funde aus der Nekropole und aus den Siedlungen selbst ergaben, dass zu dieser Zeit bereits ein sehr intensiver Handelskontakt nach Vorderasien bestand, sowie zu allen Kulturen in Oberägypten. Auf ihre nahöstlichen Kontakte kann man auch schließen, weil teilweise ihre Siedlungsgebäude mit einem festen Fundament und aus Ziegeln gebaut wurden, wie Siedlungen in Negev im heutigen Israel. es belegen. In der Maadi-Kultur wurden die Verstorbenen noch in verhältnismäßig einfachen Gruben in einer Hockstellung mit nur sehr wenigen Grabbeigaben bestattet. 

Bild 2: Zwei kleine aus Beinknochen hergestellte realistisch dargestellte Hunde als Spielfiguren aus der Prädynastischen Zeit der Naqada II-Periode, als Fundort gilt Abusir el-Meleq, Ägypten, ein kleiner Ort am Westufer des unteren Nils in der Nähe des Ostrands des Fayyum-Beckens, wo sich auch eine große Nekropole befindet, die schon seit der frühen Prädynastischen Zeit genutzt wurde. Bild 3: Eine weitere kleine Spielfigur als Falke aus Bein, es stammt auch aus der Nekropole Abusir el-Meleq, Ägypten aus der Prädynastischen Zeit zwischen 4300 und 3100 v.Chr.  Alle hier gezeigten Figuren auf den Bildern findet man im Ägyptischen Museum Berlin.

Prädynastische Zeit
Naqada I – Kultur 4000 – 3500 v. Chr.

Die Naqada I-Kultur ist die fortgesetzte Kulturentwicklung der Badari-Kultur und ist in der  Prädynastischen Zeit auch bekannt als eine kupfersteinzeitliche Kultur der ägyptischen Geschichte. Sie war ursprünglich nur in Oberägypten angesiedelt zwischen Luxor und Abydos und breitete sich langsam auch bis nach Unterägypten aus. Im südlichen Ägypten rechte die Besiedelung bis zum 1. Nilkatarakt in Nubien. Die erste Periode der Naqada-Kultur ist nach ihrem Fundort El-Amra, im heutigen Ägypten ein Dorf im Gouvernement Qina,. auch als Amratien oder Amra-Kultur bekannt. In dieser Kulturperiode machte sich auch die fortschreitende Wüstenbildung immer stärker bemerkbar. Als Folge wanderten immer mehr Menschen in die fruchtbaren Regionen des Niltals und größere Siedlungsgemneinschaften bildeten sich. Obwohl die landwirtschaftliche Kultur mit dem Anbau vielfältiger Nutzpflanzen wegen dem Bevölkerungswachstum von hoher Bedeutung war, verarbeitete die Naqada-Kultur bereits viele Techniken zur Herstellung von Gegenständen für den Alltag und in der Kunst. Man verarbeitete bereits Kupfer, stellte schon Fayancen her und man fertigte auch Töpferwaren mit schönen künstlerischen Ornamenten. Viele der berühmten roten Schüsseln und Becher aus dieser Zeit hatten einen glänzenden schwarzen Rand. Auch in der Schnitzkunst aus Elfenbein und Bein sind zahlreiche Statuetten bekannt von Menschen und Tieren. Die menschlichen Körper wurden meist nackt und schematisch modelliert und als ein typisches Merkmal dieser Zeit wurden die Geschlechtsteile markant und betonend dargestellt.

Bild 4 und 5: Zwei kleine Figuren Mutter mit Kind aus der Spätzeit der prädynastischen Zeit der Naqada III-Periode um etwa 3000 v. Chr., sie sind aus Elfenbein gefertigt und befinden sich heute im Ägyptischen Museum Berlin  Bild 6: Replik einer kleinen Frauenfigur aus der Naqada I-Periode zwischen 4000 und 3500 v. Chr. Diese  weibliche Statuette ist aus Elfenbein gefertigt und nackt dargestellt, wobei  die weiblichen Körpermerkmale sehr deutlich betont ausgearbeitet wurden. Die großen blauen Augen wurden mit quadratischen Lapislazuli-Plättchen eingelegt. Derartige Figuren wurden in der Prädynastischen Zeit häufig den Verstorbenen als Grabbeigabe gegeben, um eine gelungene Wiedergeburt zu ermöglichen.

Prädynastische Zeit
Naqada II – Kultur 3500 – 3150 v. Chr.

Die prädynastische Naqada II-Periode  wird nach dem Fundort Girga einer Kleinstadt in Oberägypten auch Girga-Kultur genannt. Diese 2. Periode der Naqada-Kultur breitete sich in über 300 Jahren stärker nach Norden aus. Es erfolgte nicht nur ein intensiver Austausch mit den Bewohnern des Deltas (Fayyum-Beckens), auch die Urbanisierung in Oberägypten setzte sich fort. Die Naqada-Kulturen wurden vorherrschend in den meisten Regionen der damaligen Zeit. Doch diese historische Phase blieb nicht immer ruhig und friedlich. Es bildeten sich Machtzentren in Girga mit seiner Nekropole Abydos, Naqada und Hierakonpolis. Ausgangspunkt war wohl der wirtschaftliche Aufstieg und die Kontrolle der Handelswege. Letztendlich entstanden allmählich zwei separate Reiche mit Unterägypten und seiner Hauptstadt  Buto (im heutigen Ägypten Tell el-Farein bei Disuq im Delta) und Oberägypten mit seiner Hauptstadt Nechen/Hierakonpolis (nördlich von Edfu) In der Endphase der prädynastische Naqada-Kultur sollte einmal aus diesen beiden Landesteilen die bedeutende Vereinigung Ägyptens zu einem Staat werden.
In der Naqada II-Periode änderten sich scheinbar auch die sozialen Strukturen der Bevölkerung, denn Ausgrabungen in den Nekropolen ergaben schon eindeutig Hinweise auf standesgemäße Unterschiede in der Grabkultur und dem sich stärker entwickelten Totenkult. Die Gräber von den herrschenden Eliten, den Wohlhabenen waren schon deutlich getrennt von der übrigen Bevölkerung. Die herrschende Klasse und zum Teil auch schon die sehr Reichen hatten Gräber, die aus mehreren Kammern bestanden. Hier zeigen sich bereits deutlich die Anfänge eines späteren ägyptischen Totenkults in der pharaonischen Zeit.
Neben einer vielseitigen und ausgeprägten Land- und Viehwirtschaft erlangte auch das Handwerk in dieser Zeitperiode bereits einen hohen Stand. Die Technik und Kunst der Keramik veränderte sich und wurde für den Gebrauch und Lagerung von Lebensmitteln weiter entwickelt. Auch eingearbeitete Muster mit Symbolen, Tier- und Pflanzendarstellungen und sogar Bootsmuster werden jetzt zur Regel. Auch die Metallverarbeitung entwickelte sich weiter und neben der hauptsächlichen Kupferverarbeitung kam es schon zur Silber- und Goldverarbeitung.
Zu den bedeutensten Herrschern (König/Pharao) dieser prädynastischen Periode zählt Skorpien I. der um etwa 3200 v. Chr. seine Regierungsszeit in Oberägypten hatte. Sein  Machtbereich umfasste die Gebiete Abydos, Naqada, Hierakonpolis sowie Elephantine. Unter Skorpion I. sollen die landwirtschaftlich bedeutenden Bewässerungsgraben eingeführt worden sein und kulturell soll die ägyptische Schrift sich entwickelt haben.

Prädynastische Zeit
Naqada III – Kultur 3150 – 3032 v. Chr.

Die Naqada III – Kultur war die letzte Periode der Prädynastischen Zeit und wird oftmals auch als Protodynastie oder 0 Dynastie bezeichnet. Unter den Königen dieser Zeit kam es jedoch vermehrt zu endlosen Konflikten. Die Unruhen endeten schließlich mit den Grundlagen zur Vereinigung von Ober- und Unterägypten, wodurch die Entstehung eines einheitlichen Staatswesens schrittweise schon erreicht werden konnte. Die Entwicklung der Schrift gewann jetzt so richtig an Bedeutung, weil die Grundzüge einer staatlichen Verwaltung geschaffen wurden und das wäre ohne Schrift kaum realisierbar gewesen. Allein eine Finanz- bzw. Steuerveraltung wäre schon zur damaligen Zeit undenkbar ohne ein verständliches Schriftystem zu schaffen, dass im gesamten vereinigten Land auch verstanden wird.
Die Könige der 0 Dynastie wurden in Abydos, der zu Thinis gehörenden Nekropole beigesetzt. Im Friedhof “U”, dem ältesten Teil , fand Günther Dreyer vom Deutschen Archäologischen Institut Kairo das Grab König Skorpions, eines Vorfahren des gleichnamigen Herrschers von dem der berühmte Keulenkopf stammt. Der Keulenkopf war eine Schlagwaffe, dessen Kopf aus sehr hartem Gestein verarbeitet war und zur damaligen Zeit eine erfolgreiche Kriegswaffe darstellte.
Die in dieser Nekropole gefundenen Tongefäße mit wellenförmigen Henkeln enthielten zum Teil auch die ältesten ägyptischen Schriftzeugnisse, die einen königlichen Grundbesitz dokumentierten.
Unter den Königen Skorpion II. und Ka deutete sich schon eine überregionale Reichseinigung um 3100 bis 3020 v. Chr. an. Mit König Narmer um 3000 v. Chr. gelangte allerdings erst die vollständige Reichseinigung der beiden Länder. König Narmer der anfangs nur die Weiße Krone (Hedschet) von Oberägypten trug regiert jetzt mit der Doppelkrone (Pschent) und somit auch mit Roten Krone (Descheret) von Unterägypten. Ob er allerdings die Reichseinigung militärisch erkämpft hat oder bereits ein langer Prozess die Entstehung eines Einheitsstaats bewirkte ist bis heute noch nicht genau geklärt, auch wenn er vielfach als Kriegsheld gefeiert wird, weil er die Vereinigung von Ober- und Unterägypten erstritt und somit Ägypten als 1. Nationalstaat der Welt errichtete. Auch das Wirken von König Narmer in der Prädynastischen Zeit in der 0 Dynastie ist unter Ägyptologen noch strittig. Viele Experten gehen auch davon aus, König Narmer war der 1. Pharao der 1. Dynastie  Frühdynastischen Zeit.


Fotos: (c) Michael Kürschner (6)