Karnak Tempel Gem-pa-Aton

Flagge Ägyptens

Land und Leute Ägypten

Tempelanlage von Karnak
Karnak Tempel Gem-pa-Aton
Tempelbezirk des Aton Kults von Echnaton

Revolution im Tempelbezirk von Gem-pa-Aton

Gem-pa-Aton war der vierte Tempelbezirk auf dem riesigen Areal der Karnak Tempel. Der Tempelname Gem-par-Aton steht übersetzt für „Gefunden ist der Aton“ Erbaut wurde der Tempel zu Ehren des Aton  um 1350 v. Chr. von Amenophis IV. der sich in seiner Regierungszeit in Echnaton umbenannte. Obwohl Echnaton in einem Wüstental in der Ebene von Amarna die neue Hauptstadt Achet-Aton gründete und er Theben verließ, ließ er ausgerechnet in Karnak (Ipet-sut) einen monotheistischen Tempel errichten und fegte den polytheistischen Glauben der alten Ägypter aus allen Tempeln des Landes. Die Tempel von Karnak waren zwar zu dieser Zeit noch in der weiteren Entwicklung, waren aber schon das Herzstück aller Gläubigen. Für Echnaton war nur noch das Licht Atons in seinem neuen Karnak Tempel Gem-pa-Aton der gültge Glaube. Der Tempelkomplex um den Amun-Tempel wurde geschlossen. Es war die dunkelste Zeit für die heiligen Tempelanlagen von Karnak, die Religonsausübung, die das Fundament der ägyptischen Gesellschaft darstellte, wurde verboten und tausende von Priestern und Angestellten in Karnak wurden in die Arbeitslosigkeit geschickt. Mit der revolutionären Ideologie von Echnaton und der Einführung einer monotheistischen Religion drohte der totale Untergang von Karnak und nur noch sein pompöser Tempel Gem-pa-Aton, der als Heiligtum des Sonnenkultes Aton die ägyptische Gesellschaft prägen sollte, war erlaubt.

Bild 1 bis 3:  In Karnak gefundene Teile von Statuen des Echnaton, die vermutlich aus dem Tempel Gen-pa-Aton stammten, verdeutlichen die Kunstausrichtung der Amarnazeit und zeigen einen Pharao mit weiblichen Zügen, langgestreckten Kopf, wulstigen Lippen einer Wespentaille mit Hängebauch und angedeuteten Brüsten. So hätte sich in der gesamten ägyptischen Geschichte  niemals ein Pharao darstellen lassen. Echnaton regierte in der Zeit von etwa  1353 – 1336 v. Chr, also knapp 17 Jahre. In dieser verhältnismäßig knappen Zeit hatte er eine enorme Bautätigkeit und eine durchorganisierte Kulturevolution in ganz Ägypten umgesetzt und der Tempel von Gem-pa-Aton in Karnak sollte der Lichblick sein, der alles bisher bekannte in Karnak in den Schatten gestellt hätte. Diese Oberteile von Echnaton-Statuen befinden sich heute im Luxor Museum, Ägypten.

Die Lage und Bauweise des Tempelbezirks von Gem-pa-Aton

Echnaton, der als erster Herrscher der Welt eine monotheistische Religion per Anweisung einführte, erbaute seinen heiligen Aton-Tempel im neuen Tempelbezirk Gem-pa-Aton östlich vom Bezirk des Amun, dessen Tempelanlagen zu diesem Zeitraum bereits für jede Nutzung verboten wurde. Gem-pa-Aton hatte eine Länge von über 600 m und eine Breite von über 210 m mit einer Innenfläche von 130 000 Quadratmetern. In seiner Bauweise wurde der Tempelbezirk Gem-pa-Aton offen gebaut und nur weniges überdacht. Nach seinem Glauben, sollte immer alles vom heiligen Licht der Sonne erstrahlt werden. Umgeben war der Tempelbezirk von einer etwa 9 m hohen Umfassungsmauer, die auf der Innenseite mit hunderten von Kolossalstatuen Echnaton bestückt war. Der Zeremonialbereich des Tempels war mit hunderten von Opfertischen ausgestattet, auf denen täglich zu den Morgengebeten Opfergaben aus Getränken, Obst, Gemüse und Fleisch aufgedeckt wurden. Der Tempelbezirk von Gem-pa-Aton konnte in einer verhältnismäßig schnellen Bauzeit erfolgen. Die Baumeister von Echnaton verwendeten dafür nur kleine Steinblöcke, die von den Arbeitern leicht transportiert werden konnten. Bei diesen kleinen knapp 50 cm langen sogenannten Talatat-Blöcken benötigte man keine aufwendige Technik beim Transport. Diese Art der Bauweise beschleunigte natürlich die Bauzeit des Tempels. Heute gehen Forscher davon aus, das Echnaton mit dem Bau von Gem-pa-Aton, wahrscheinlich das größte Heiligtum der ägyptischen Geschichte errichten ließ, und das noch ausgerechnet im heiligen Zentrum der Amun-Kultur in Karnak, eine politische Entscheidung, die Echnaton wohl bewußt gewählt hat, um den Reichsgott Amun mit den Göttern Mut, Nechbet und anderen Göttern im kulturellen Machtbereich von Karnak zu stürzen.

Bild 4 bis 6: Die Bildreihe zeigt von links nach rechts eine Wand im Luxor Museum mit restaurierten Talatat-Blöcken aus dem Gem-pa-Aton.

Bild 7: Detailansicht restaurierter Talatat-Blöcke als Wandbild im Luxor Museum aus dem  Karnak-Tempel Gem-pa-Aton.

Zerstörung und Rekonstruktion des Gem-pa-Aton

Nach knapp 17 Jahren seiner Regierungszeit verstarb Echnaton und der Druck seiner Kulturrevolution schwächte sich ab. Sein vermuteter Nachfolger Semenchkare blieb auf Linie, obwohl die Kulturrevolution von Echnaton bereits ihr Ende gefunden hat. Semenchkare war als Pharao eine unbekannte Persönlichkeit, oder steckte hinter diesem Namen Nofretete die königliche Gemahlin Echnatons, denn auch sie war von dem Aton-Kult überzeugt wie ihr Mann. In den drei Jahren nach Echnaton verlor der Monotheismus an Bedeutung und somit auch der Tempel von Gem-pa-Aton. In den unter Echnaton verbotenen Tempeln von Karnak  erwachte mit den Amun-Priestern neues Leben. Drei Jahre nach dem Tod von Echnaton folgte sein Sohn Tutanchamun noch als Kind auf den Pharaonenthron. Unter seinen Beratern verlor der Aton-Kult völlig an Bedeutung. Tutanchamun zog auch wieder von der Amarna-Hauptstadt Achet-Aton zurück nach Theben. Im 10. Regierungsjahr verstarb Tutanchamun unter mysteriösen Umständen. Ihm folgte der alte Eje auf den Thron aber  auch seine Regierungszeit war mit 4 Jahren sehr kurz. Nach dem Tod von Eje kam jetzt 17 Jahre nach dem Tod von Echnaton Haremhab an die Macht und unter seiner Führung wurde vieles zerstört oder ausgelöscht, was noch an die Kulturrevolution von Echnaton erinnern konnte. Der Karnak-Tempel Gem-pa-Aton wurde dem Erdboden gleich gemacht, weil nichts mehr an Aton und Echnaton erinnern sollte. Gleichzeitig wurde im Amun-Bezirk die Bautätigkeit wieder aktiviert. Haremhab kam der Abriß von Gem-pa-Aton sehr gelegen, er verwendete die Masse an Talatat-Blöcken als Füllmaterial für neue Pylone. Auch die späteren Ramessiden nutzten noch Steinblöcke aus den Tempelanlagen Echnatons als günstiges Baumaterial.
Bei Restaurierungsarbeiten in den Karnak Tempeln des Amunbezirks fand man bis jetzt zehntausende von Talatat-Blöcken und anderen Steinblöcken aus dem Gem-pa-Aton, die als Füllmaterial in späteren Bauten genutzt wurden. Sensationell ist der Erhaltungsgrad vieler Talatat-Blöcke mit ihren farbigen Reliefs, was man auch im Luxor Museum direkt bewundern kann. Leider sind aber die gefundenen Steinblöcke in einem völligen Durcheinander und für die wissenschaftliche Forschung der Ägyptologen wohl auch das größte Puzzle der Welt, wenn man das Gem-pa-Aton auch nur annähernd rekonstruieren möchte.

Weiteres zu den Karnak-Tempeln, siehe auch unter:

Fotos: (c) Michael Kürschner (5), Christel Selke (3)