Systematik
Neptungras
Posidonia oceanica
Ordnung: Alismatales – Froschlöffelartige
Familie : Posidoniaceae – Neptungrasgewächse
Gattung : Posidonia
Art: Posidonia oceanica
Trivialname
deutsch: Neptungras, englisch: Neptune grass, Mediterranean tapeweed
französisch: Posidonie de Méditerranée, swahili: —-,
Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet des Neptungrases – Posidonia oceanica liegt ausschließlich im gesamten Mittelmeerraum in Wassertiefen zwischen 10 und 60 Meter. Die größten Vorkommen von Posidonia liegen im tunesischen Mittelmeerraum, Mit über 1 Million Hektar Neptungraswiesen beherbergt die tunesische Küste nach Schützungen über 50% aller Bestände.
Fundort
An einem Strand in der Nähe von Sousse in Tunesien im Mai 2026.
Bild 1: Das Neptungras ist weltbekannt für seine “Seebälle”. Sie bestehen aus abgestorbenen und abgerissenen Fasern der Rhizome und Blätter, die im Herbst und Winter durch Stürme und den starken Wellenbewegungen im Meereswasser sehr dicht verfilzen. Auf Dauer können die rundgeformten Neptunbälle massenhaft an die Strände gespült werden.
Beschreibung
Bei den meisten Meerespflanzen handelt es sich meist um Algen-Artige, doch das Neptungras ist dagegen eine chte Blattpflanze mit festen Wurzeln, Stängeln und Blüten, die auch zu einer Fruchtbildung kommen. Das Neptungras ist demnach eine ausdauernde krautige Pflanze mit grünen sehr langen riemenförmigen flachen Laubblättern, die im Bündel stehen und eine Länge bis zu 60 cm erreichen. In den Monaten Mai – Juni erscheinen ihre grünen Blüten, die überwiegend durch Meeresströmungen bestäubt werden. Aber auch kleine Krebstiere können als sogenannte “Ersatzbienen” im Meer die Pollen zur nächsten Blüte führen. Die geschlechtliche Vermehrung ist allerdings verhältnismäßig selten. In der Regel findet aber durch die Rhizome eine vegetative Vermehrung statt.
Die ökologische Bedeutung vom Neptungras
Auf Grund seiner Massen an Unterwasserwiesen produzieren die Neptungräser von Natur aus eine extrem hohe Menge an Sauerstoff. Sie sind somit auch die biologisch wichtige Lunge des Mittelmeers. Wie hoch die Bedeutung der Sauerstoffproduktion für die Umwelt ist, kann man schon daran erkennen, dass die Unterwasserwiesen des Neptungrases pro Hektar mehr CO₂ speichern kann, als die größten bekannten Regenwälder im Kongo oder Amazonas. Allein dieses Beispiel widerlegt die Gefahr CO₂ an Land künstlich einzusparen zu müssen.
Eine weitere Bedeutung liegt im Küsten- und Landschaftsschutz. Die großen Neptungraswiesen bremsen die Wellenbewegungen und schützen damit die Uferbereiche vor Erosionen. Aber nicht nur die Wiesen selbst, auch die Rhizome halten praktisch den Sand fest und haben somit die Bedeutung eines natürlichen Küstenschutzes.
Die Neptungraswiesen haben aber noch eine weitere wichtige Funktion, denn sie sind für Tunesien ein wichtiger Bestandteil der Biodiversität. Sie bieten Schutz und Nahrung für über 50 Fischarten, darunter auch zahlreiche Arten die für die tunesische Fischerei nur in den Seegraswiesen ihre Aufzuchtsgebiete haben.
Weil die Neptungraswiesen eine so hohe Bedeutung für die Natur haben und ihre ökologische Bedeutung unbestritten ist, steht dieses Neptungras in Tunesien unter sehr streng geschützen Bestimmungen.
Nutzung
Die berühmten “Seebälle” des Neptungrases (siehe Bild 1) stammen von den abgestorbenen Blattelementen und von Fasern der Rhizomde. Das Meer formt die Zellulosefasern am Meeresboden zu filzige Kugel, die dann auch nicht selten in Massen an die Strände gespült werden können. Nicht nur die lebende Pflanze hat ihre biologische Bedeutung, auch die angeschwämmten filzigen Seebälle haben den Wert einer nachhaltigen Nutzung. durch die natürlichen, schwer entflammbaren und schimmelresistenten Eigenschaften werden die “Seebälle” auch immer stärker als ökologischedr Dämmstoff bei Hausbau eingesetzt. Neuerdings wird das filzige Zellulosematerial auch vielseitig als Füllstoff für Kissen verwendet und findet auf dem internationalen Biomarkt ein immer größeres Interesse.
Fotos: (c): Christel Selke (2)
