Land und Leute Tunesien
Festung von Kelibia
Tunesiens historische Zitadelle
Lage
Die Festung von Kelibia ist auf einem steilen Felsvorsprung in einer Höhe von etwa 150 Meter errichtet und liegt unmittelbar an der Nordostküste vor der Stadt Kelibia auf der tunesischen Halbinsel Cap Bon. Die Festung von Kelibia ist die besterhaltene und größte Festung Tunesiens und liegt etwa 100 km von Tunis entfernt, 60 km von Nabeul und je nach gewählter Strecke 70 bis 90 km von Hammamet entfernt.
Bild 1: Die imposante Frontseite der historischen Festung von Kelbia, bei der sich auch der Eingang befindet.
Bild 2: Der lange Korridor der zum Haupttor führt um auf die Festung von Kelibia zu gelangen. Bild 3: Durchgang und Haupttor zu Festung Kelibia. Bild 4: Wehrgang entlang der Zinnen. Man kann so die ganze Festung umrunden. Bild 5: Die Festung von Kelibia kann man auf verschiedenen Wegen umwandern
Die Festung von Kelibia (Fort de Kélibia) gehört zu den größten Festungsanlagen von ganz Tunesien und ist schon deshalb auf der Halbinsel Cap Bon eine attraktive Sehenswürdigkeit. Auch wenn die Mauern und Zinnen aus dem 12. Jahrhundert stammen und die Osmanen im 16. Jahrundert diese Festung ausbauten und ihr heutiges Aussehen gestalteten, hat die Festung von Kelibia auch eine ursprüngliche Geschichte die bis in das 5. Jahrhundert v. Chr. tief in die Antike reicht. Die eigentlichen Gründer waren die Karthager, die den 150 Meter hohen Felsen etwa 500 Jahre v. Chr. als ideale strategische Lage erkannten und als Schutzwall ausbauten und nutzten, denn sie gründeten auf diesem Felsen die antike Stadt Aspis. Archäologische Ausgrabungen belegen heute die punischen Ursprünge der Festung von Kelibia. Um 310 v. Chr. begann für diesen punischen Schutzwall der Anfang einer wechselhaften Geschichte. Es kam zu einem griechichen Angriff durch den Tyrann Agathokles von Syrakus, er eroberte die Festungsanlage und baute sie für militärische Zwecke massiv aus. Von diesen Bauten ist heute allerdings nichts mehr erhalten. Um 256 v. Chr. kam die nächste politische Wende in der Geschichte der Festung von Kelibia., denn während des Ersten Punischen Krieges war die Festungsanlage stark umkämpft und die römischen Konsuln Regulus und Manilus eroberten die Festung. Historisch betrachtet, war diese Einnahme der Stadt Aspis auch die erste römische Eroberung auf afrikanischem Boden.
Im Dritten Punischen Krieg begann im Jahr 146 v. Chr. die totale Zerstörung Karthagos und die Römer bauten ihren militärischen Stützpunkt um die Festung und der Stadt Aspis aus. Aus dem griechischen Namen Aspis wurde der lateinische Name Clipea, aus dem sich dann der heutige Name Kelibia entwickelte
Im 6. Jahrhundert endete das Römische Imperium und zerfiel mit seinen Provinzen auch in Nordafrika. Es wurde die Zeit der byzantinischen Epoche in der die Festung massiv als Zitadelle ausgebaut wurde. Um 698 n. Chr. begann in dieser Region die arabische Eroberung und die Festung von Kelibia wurde vorübergehend noch der letzte Rückzugsort des byzantinischen Militärs und seiner Bürger auf nordafrikanischen Boden. Die Byzantiner verließen auf ihrer Flucht die Festungsanlage ohne Zerstörungen und vieles erinnert noch heute an den byzantinischen Aufbau aller Grundmauern.
In der Zeit von 972 bis 1148 herrschte mit den Ziriden eine bedeutende islamische Berberdynastie in Gebieten um das heutige Algerien und Tunesien. Die Ziriden nutzten die Festung Kelibia verstärkt und erweiterten die Anlage großzügig, um sich vor den Angriffen christlicher Flotten zu schützen. Die Festung Kelibia hatte somit in der gesamten tunesischen Geschichte immer eine hohe Bedeutung, weil sie für die Verteidigung der Küste von Cap Bon eine wichtige Rolle spielte. Um den Zeitraum von 1083 bis 1112 eroberten die Normannen die Küstenstädte und die Festung um Clipea (Festung von Kelibia) erfolgreich. Das Normannen-Reich bestand aber nicht lange, denn um das Jahr 1112 kam es zur Rückeroberung in einem langen und sehr blutigen, opferreichen Krieg. 1148 gab es erneut einen normannischen Eroberungsversuch mit der Belagerung von Kelibia, doch dieser konnte erfolgreich abgewehrt werden.
Im 16. Jahhundert eroberte das Osmanische Reich die Festung von Kelibia und veranlaßte einen massiven Umbau zu einer sicheren und modernen Kanonenfestung. Die erweiterten Umbauten waren gigantisch und sind noch heute erkennbar für jeden Besucher.
Wer die heutige Festung von Keliba besucht, kann nicht nur eine lange Zeitreise in die tunesische Geschichte erfahren, sondern auch fantastische Panorama-Blicke über Cap Bon, der Stadt Kelibia und dem Mittelmeer erleben und genießen.
Bild 6: Durch einige alte originale Kanonen die meist zum Meer gerichtet sind, dokumentiert die Festung ihre damalige Wehrhaftigkeit. Bild 7: Vom oberen Festungsgelände hat man einen fantastischen Ausblick auf die Stadt Kelibia und das Meer. Bild 8. Ein der wenigen Gebäude, die die auf der Festung in ihrer Funktion aus der osmanischen Zeit erhalten sind. Bild 9: Einer der Wehrtürme der byzantinischen Festung.
Bild 10: Die Mehrheit aller Gebäude sind auf der Festung nicht mehr erhalten oder gar zerstört. Die mächtigen Mauern mit den Türmen und Zinnen gehen auf das 12. Jahrhundert zurück, doch das Erscheinungsbild von heute ist von den Osmanen im 16. Jahrhundert gestaltet. Bild 11: Ein schmaler Rundgang führt direkt an den Zinnen entlang und bietet eine Vielahl romantischer Motive für schöne Fotos.
Fotos: (c) Michael Kürschner (6), Christel Selke (6)











