
Land und Leute Tunesien
Amphitheater von El Djem
Drittgrößte Arena der römischen Antike
Lage
Das Amphitheater befindet sich im Zentrum der Kleinstadt El Djem, die auch für ihren Olivenanbau bekannt ist. Historisch hat sie sich aus der antiken Stadt Thysdrus entwickelt und liegt in Mitteltunesien, im Gouvernement Mahdia. El Djem hat eine günstige Lage und ist von Sousse 71 km, von Sfax 74 km, von Hammamet 155 km, von Kairouan 75 km und von der Hauptstadt Tunis etwa 205 km entfernt.
Planbeschreibung vom großen Amphitheater in El Djem
von den offiziellen Informationstafeln am Amphitheater: 1 Fassade mit Türen und Fenstern: sie diente der Anhebung der Steigerung und der Verbesserung der Sicht auf die Arena. 2 Holzmasten mit den Seilen die das Zeltdach hielten. 3 Stufen. 4 Zugänge zu den Stufen 5 Fassade: Dreistöckige Aussenmauer mit 64 Rundbögen. 6 Öffnung zum Souterrain, durch die man die Tierkäfige mit einem Lastenaufzug nach oben beförderte. 7 Öffnung in der Arena: Luft- und Lichtschacht für das Souterrain. Die Arena war mit einen beweglichen Boden aus Holz bedeckt. 8 Kanalisations-System: das Regenwasser sammelte sich in der Cavea und wurde von dort in große Zisternen geleitet. 9 Mauer des Podiums. 10 Treppen zu den Sitzreihen. 11 Zugang zum Souterrain. 12 Eingang, durch den die den Spielen vorangehenden Prozessionen einzogen.13 Mit Sand bestreute Arena, die für die Spiele entsprechend dekoriert und ausgestattet wurde. 14 Innengalerie des Amphitheaters. 15 Tribüne.
Bild 1: Das Amphitheater von außen, wo sich auch der Eingang zur Arena befindet. Bild 2: Das Amphitheater mit seiner Innenansicht aus dem Blickfeld der Arena. Der große Eingang war für die Prozessionszüge gedacht, er lag jeweils an der Längsachse des Amphitheaters.
Das gigantische Amphitheater von El Djem ist als freistehendes Bauwerk errichtet worden. Es wurde ohne Fundamente aus massiven Steinblöcken gebaut. Das Amphitheater hatte somit ein beeindruckendes starkes Profil, was auf die beachtliche Dicke der Mauern und Pfeiler zurückzuführen ist.
Vom Oval seiner Hauptachse hat das Amphitheater eine Länge von 148 Meter und an den Außenwänden eine Höhe von etwa 36 Meter. Der gesamte Umfang der Außenmauer beträgt in seinem Oval etwa 428 Meter in derLänge. Auch die Arena hat eine beachtliche Größe mit 65 Meter auf der Längsachse und 39 Meter in der Breite. Das Amphitheater war für etwa 35.000 Zuschauer geplant, hatte aber wahrscheinlich nach dem Bauabbruch nach dem Bürgerkrieg nur ein Fassungsvermögen von 30.000 Zuschauern.
Bild 3: In der Mitte der Arena liegt längs ein Gitter, dass den Licht- und Luftschacht zum Souterrain abdeckt. Bild 4: Die Arena mit der Podiumsmauer und den darüberliegenden Zuschauerränge mit den gut erhaltenen Sitzreihen und Aufgängen. Bild 5: Durch das Tor in der Podiumsmauer kamen einst die Gladiatoren und andere Helden in die Arena. Die Zuschauerränge oberhalb der Podiumsmauer fehlen auf dieser Seite bereits schon seit Jahrhunderten. Bild 6: Weitere Innenansicht des Amphitheaters und im Hintergrund erkennt man noch die Kleinstadt (El Djem, ehemals Thysdrus).
Das Amphitheater von Thysdrus im heutigen El Djem wurde um 238 n. Chr. in der antiken römischen Provinz Africa errichtet und ist heute für Tunesien eines der bedeutenden Bauwerke seiner Geschichte. Das grandiose Bauwerk erinnert stark an das Kolosseum von Rom und es ist auch unbestritten, dass das Amphitheater von El Djem im Bau und Plan dem Vorbild in Rom nachempfunden wurde. Im gesamten Römischen Imperium gab es über die Jahrhunderte mehr als 200 Anphitheater und dieses hier in El Djem (Tunesien) war das drittgrößte seiner Art nach Rom, und Capua (in der Region Kampanien, Italien). Es ist ohne Zweifel auch das größte und besterhaltene römische Amphitheater in Nordafrika. Es war zwar unter der Herrschaft von Kaiser Maximinus Thrax errichtet, war aber letztendlich spendenfinanziert gebaut von der reichen römischen Elite in Thysdrus, denn Thysdrus war eine vermögende Stadt, die durch den Olivenanbau Reichtum erlangte. Seit 1979 gehört das monumentale Amphitheater von El Djem zum UNESCO- Weltkulturerbe. Die letztendliche Fertigstellung des Amphitheaters endete sehr dramatisch in einem Bürgerkrieg. Rom hatte durch zahlreiche Militäreinsätze massive Finanzprobleme und forderte jetzt verstärkt seine Gelder aus den Tributzahlungen, die Thysdrus in der römischen Provinz Africa an Rom leisten musste. Die schwerreichen Großgrundbesitzer von Thysdrus weigerten sich jedoch die extrem hohen Steuern an Rom zu zahlen. Die Aufständigen in Thysdrus riefen als Antwort an Rom ihren großen Gönner und Prokonsul Gordian I. zum Gegenkaiser aus. Gordian I. war auch einer der ganz großen Sponsoren des Amphitheaters, denn man wollte in Thysdrus mit dem grandiosen Bauwerk den Status der reichen Olivenstadt zum Ausdruck bringen. Die Eskalation in diesem Bürgerkrieg nahm jedoch dramatische Formen an und bereits nach 5 Wochen Regierungszeit von Gordian I. viel sein Sohn im Kampf gegen römische Truppen und der Gegenkaiser Gordian I. nahm sich das Leben. Für Thysdrus begannen dunkle Zeiten, denn Truppen von Kaiser Maximinus Thrax plünderten die Stadt förmlich aus und vernichteten vieles von der Infrastruktur dieser einst wohlhabenden Stadt. Von der Rache Roms hat sich Thysdrus wirtschaftlich nie wieder erholt und mangels Finanzen konnte letztendlich das Amphitheater nicht an allen Stellen vollendet werden, auch wenn es zwischenzeitlich schon genutzt wurde.
Zur baulichen Vollendung fehlten Teile der äußeren Verkleidung, auch einige der oberen Sitzreihen wurden nicht mehr fertiggestellt. Die Katakomben unter der Arena waren jedoch komplett fertig und konnten vollständig genutzt werden.
Bild 7: Wege der Innengalerie mit den Aufgängen zu einer weiteren Etage. Bild 8: Innenansichten des Amphitheaters, wo die zahlreichen Zuschauerränge und Aufgänge nicht mehr erhalten sind.
Bild 9: Der Zuschauerbereich mit seinen Sitzreihen und den Aufgängen. Bild 10: Auch wenn das monumentale Amphietheater von Thysdrus im heutigen El Djem an vielen Stellen nicht mehr so gut erhalten ist, bleibt es doch ein grandioses Bauwerk und das besterhaltene und größte seiner Art in ganz Nordafrika.
Bild 11 – 13: Direkt unter der Arena befinden sich die fast vollständig erhaltenen Systeme aus Gängen und Kavernen mit einer sehr stabilen Bausubstanz und starken Wänden. Es gab mehrere dunkle Zellen die als Raubtierkäfige für Löwen und Leoparden genutzt wurden. Diese Tiere waren immer ein wesentlicher Bestandteil bei den Kämpfen mit Gladiatoren, Gefangenen und Sklaven, für die es natürlich auch noch die helleren Zellen gab. Bild 14: Abflussrinnen in den Katakomben leiteten das gesamte Regen- und Nutzwasser in noch tiefer gelegene Abwässerkanälen. Die gesamte Wasserentsorgung im Amphitheater war ein perfekte konstruiertes System römischer Ingenieure, denn das Wasser musste bei einem starken Regen im Winter schnell abfließen und durfte in den Katakomben am Bau, bei den untergebrachten Tieren und Menschen keine Feuchtigkeitsschäden verursachen. Das gleiche galt auch im Hygieneschutz für die organisch verursachten Abwässer.
Fotos: (c) Michael Kürschner (9), Christel Selke (7)














