El Djem

Land und Leute Tunesien

El Djem
Die berühmte antike Stadt Thysdrus

Lage

El Djem oder auch El Jem genannt ist eine Kleinstadt in der Mitte Tunesiens im Gouvernement Mahdia, etwa 205 km südlich von der Hauptstadt Tunis, 71 km von Sousse und 74 km von Sfax entfernt.

Bild 1: Das berühmte und drittgrößte Amphitheater der römischen Geschichte steht im Zentrum der Stadt El Djem. Es wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. erbaut und gehört seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe. 

Die Stadt El Djem hat heute (2026) etwa 20.000 Einwohner und ist ein Ort mit antiken Wurzeln. Gegründet wurde sie auf den Ruinen der antiken römischen Stadt Thysdrus. Die ursprüngliche Gründungszeit geht wahrscheinlich auf den Zeitraum um 400 – 300 Jahre v. Chr als kleine ländliche Ansiedlung der Berber zurück. Mit dem tieferen Eindrigen der Punier ins Landesinnere. Leider gibt es aus der Frühzeit dieser Ortsentwicklung nur sehr wenige archäologische Zeugnisse. Für die Punier wurde diese Stadt sicherlich zu einen wichtigen Stützpunkt. Die Funde in den umliegenden Nekropolen belegen aber ein bescheidenes Dasein der Bevölkerung von Thysdrus. Bekanntheit und Bedeutung erlangte Thysdrus erst im 3. Punischen Krieg 149 – 146 v. Chr.. Dieser Krieg endete mit der totalen Zerstörung Karthagos und Rom nahm jetzt auch seinen politischen Einfluß auf die Stadt Thysdrus. Im 2. und 3. Jahrundert n. Chr. entwickelte sich die antike Stadt Thysdrus zu einer bedeutenden und wohlhabenen Wirtschaftsmetropole der römischen Provinz Africa proconsularis durch den boomenden Olivenhandel. Von Thysdrus wurden Oliven und das Öl ins gesamte Römische Imperium exportiert und Thysdrus wurde für Rom die reichste aller römischen Provinzen, ein Reichtum, der nur auf der Basis der Olivenproduktion erwirtschaftet wurde.
Wie wohlhabend Thysdrus wirklich war, kann man schon daran erkennen, dass reiche Einwohner 238 n. Chr. damit begannen für Thysdrus das drittgrößte Amphitheater des Römischen Reiches zu erbauen. Es ist noch heute das größte römische Denkmal Nordafrikas. Noch beim  Bau des Amphitheaters kam es hinsichtlich der Tributpflicht gegenüber Rom bereits zu schweren Machtkämpfen, die in einem Bürgerkrieg endeten  Der Bau des Amphitheaters wurde eingestellt und gilt seither auch als unvollendetes Bauwerk. Thysdrus hat sich von den Auseinandersetzungen der Eliten mit Rom nicht wieder erholt und verlor seine wirtschaftliche Vormachtstellung als Zentrum des reichen Olivenhandels.
Die Bedeutungslosigkeit von Thysdrus als blühende Handelsmetropole verschärfte sich noch mit dem Zerfall des Römischen Reiches und die Nutzung des Amphitheaters wurde zum Schutz als eine mächtige Festung genutzt.
Im 5. Jahrhundert eroberten germanische Stämme der Vandalen unter König Geiserich 429 n. Chr. Nordafrika. Für Thysdrus begann die langsame Verarmung, denn die Vandalen konnten mit der Olivenproduktion nichts anfangen. Das Amphitheater wurde in diesen unsicheren  Zeiten weiterhin zum Schutzraum und Zufluchtsort für die einheimische Bevölkerung durch plündernde Berberstämme.
Im 7. Jahrhundert eroberten arabische Truppen unter Hassan ibn al Nu’man Thysdrus und die Stadt viel unter arabischer Herrschaft. Thysdrus verlor seinen antiken Namen und wurde schrittweise arabisch als El Djem umbenannt.
Heute ist das moderne El Djem mit seinem historischen Kulturerbe ein wichtiger Hotspot für den Tourismus Tunesiens und allein das Amphitheater und das archäologische Museum ist ein bedeutender Tourismusmagnet. Im Umland von El Djem gibt es auch wieder die riesigen Flächen für den Olivenanbau und El Djem entwickelt sich wieder zum wirtschaftlichen Zentrum einer hochwertigen Olivenproduktion in Tunesien.

Bild 2 und 3: Blick auf El Djem von den oberen Reihen des Amphitheaters. Dieses antike Bauwerk überragt im Zentrum von El Djem die ganze Stadt.  Es gibt wohl auch ein Erlaß in El Djem, dass kein Gebäude höher gebaut werden darf als das Amphiteater.  Bild 4: In El Djem überragt das Amphitheater als riesiges Bauwerk aus der Antike die ganze Stadt. Im Vordergrund sieht man noch Teile der Zuschauerreihen des Amphitheaters, es hatte einst ein Fassungsvermögen von etwa 35.000 Zuschauern.

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (4), Christel Selke (1)