Schreiber im alten Ägypten

Flagge Ägyptens

Eine beliebte und bedeutende Berufsgruppe

Schreiber im alten Ägypten

 

<< Unbekannter Schreiber, Statuette im Stil der Zeit von Pharao Amenophis III. und IV. im Neuen Reich, Ägyptisches Museum Berlin

Der Beruf des Schreibers gehörte im alten Ägypten zu den wichtigsten und bedeutensten Berufe. Sie hatten ein sehr hohes Ansehen  und gehörten nach einer erfolgreichen Ausbildung zu einer Beamtenelite, die für das Staatswesen unverzichtbar war.
Obwohl ein Schreiber hauptsächlich Kenntnisse der Schrift beherrschen mußte, gehörte zum Berufsbild auch das Wissen über Verwaltung, Wirtschaft, Mathematik und dem Rechtswesen, aber auch für religiöse Texte konnten sie für Tempelpriester verantwortlich sein.
Schreiber zu sein war zwar ein Eliteberuf, aber gesellschaftlich konnte jedes Elternpaar ihren Sohn für eine Schreiberausbildung bzw. Schule anmelden, auch wenn in den meisten Fällen  der Beruf und das Wissen vom Vater an den Sohn weitergegeben wurde. Im Alter von etwa 5 Jahren begannen die Kinder ihre Ausbildung in den Schreibschulen, die man im alten Ägypten auch Lebenshäuser nannte. Die Ausbildung endete meist wenn das 12 Lebensjahr erreicht wurde mit einer Abschlußprüfung. Geschrieben und geübt wurde in den ersten Jahren auf Kalkstein- oder Keramikbruchstücken (Ostraka), da Papyrus für die Ausbildung zu teuer war. Neben der Schriftsprache, wurden auch Gesetzestexte und Mathematik unterrichtet.

Statue des Mitri als Schreiber, Sakkara, Mastaba des Mitri. Stammt wahrscheinlich aus einer Zeit zwischen der 5. und 6. Dynastie etwa 2400 – 2300 v. Chr.. Das Material dieser Schreiberstatue besteht aus stuckiertes und bemaltes Holz. Nach der Inschrift am Basissockel der Statue ist zu entnehmen, dass der Schreiber Mitri auch religiöse und politische  Ämter bekleidete. Trotzdem ließ er sich lieber als Schreiber abbilden und dokumentiert damit die Bedeutung der intellektuellen Qualitäten des Schreiberberufes als hoher Beamter.  Ägyptisches Museum Kairo.

Statue eines nicht benannten Schreibers, er ist aus bemalten Kalkstein mit einer von Höhe 51 cm,. diese Schreiberstatue stammt aus der 5. Dynastie ( etwa 2500 v, Chr.). Wurde in Sakkara gefunden.und gehört zu den ältesten Darstellungen eines Schreibers. Der Kopf im Detail zeigt deutlich den typischen Stil dieser Zeit. Ägyptisches Museum Kairo

Nach einer Weisheitslehre von Cheti aus der Zeit der 12. Dynastie ist folgender Text überliefert der das Berufsbild des Schreibers klassisch beschreibt:

Lies doch am Ende des Buches Kemit, da findest du folgenden Spruch: “Ein Schreiber auf irgendeinen Posten des Staates, der leidet keine Not” Er verwendet seinen Verstand für einen anderen – und ist dann nicht auch zufrieden? Ich kann keinen Beruf sehen, der dem des Schreibers ähnlich wäre und auf den dieser Spruch angewendet werden könnte. Ich lasse dich das Schreiben mehr lieben als deine Mutter und lasse dich seine Vollkommenheit erkennen. Der Beruf des Schreibers ist der höchste aller Berufe, es gibt nicht seinesgleichen auf Erden. Kaum ist der Schüler etwas herangewachsen, dann grüßt man ihn schon – auch wenn er noch ein Kind ist. (Lehre des Cheti)

Auch die Schreiber hatten ihre Gottheit

Schreiber Tjaj vor Thot<< Schreiber Tjaj vor Thot, dem Schutzgott der Schreiber in einer Paviangestalt. Diese kleine Doppelstatuette stammt aus dem Neuen Reich, wahrscheinlich aus der 18. Dynastie aus der Regierungszeit von Amenophis III. ( 1388-1351 v. Chr.).
Ägyptisches Museum Berlin

 

Im alten Ägypten hatte jede Berufsgruppe ihren eigenen Gott, so besaß auch der Berufstand der Schreiber ihren eigenen zugeordneten Schutzgott. Es war Thot, der mal als Pavian und auch als Ibis dargestellt wurde. Thot galt als Erfinder der Schrift und des Kalenders und war damt auch der Herr über die Zeit. Er war außerdem auch Behüter des “Hauses des Lebens” den Lebenshäusern der Schreiberschulen. Als Schreiber der Götter, saß Thot dem Seelengericht vor und hielt die Ergebnisse fest. In verschiedenen Texten wird Thot auch als Gott der Magie, der Wissenschaft, der Weisheit und als Erfinder aller Worte erwähnt.

Fotos: (c) Michael Kürschner (5), Christel Selke (3)