Rosaflamingo

Systematik

Rosaflamingo
Phoenicopterus roseus

Ordnung: Phoenicopteriformes –  Flamingos
Familie : Phoenicopteridae – Flamingos
Gattung: Phoenicopterus 
Art:
Phoenicopterus roseus

Trivialname

deutsch: Rosaflamingo, englisch: Greater flamingo,
französisch: Flamant rose, afrikaans: Grootflamink,
arabisch: Al-Bashroosh oder Al-Bachrouch, An-Nuhaam al-Wardi,

Vorkommen

Der Rosaflamingo ist die am weitesten verbreitete Flamingoart. Die Lebensräume liegen fast im gesamten Mittelmeerraum von Spanien im Westen bis zum Osten in der Türkei. In Afrika liegt sein Verbreitungsgebiet in allen Nordafrikanischen Ländern am Mittelmeer und meist nicht sehr weit von der Küste entfernt. In Ägypten hauptsächlich im Nildelta und an der Mittelmeerküste. Seine größten Vorkommen in Afrika liegen im Banc d’Arguin Nationalpark in Mauretanien, die Populationen zählen dort zu den größten der Welt. Auch im westafrikanischen Senegal (in Kaolack) und im ostafrikanischen Kenia sind bedeutende Populationen bekannt. Von den nordafrikanischen Mittelmeerländern hat wohl Tunesien die größten Populationen von Rosaflamingos. Hinzu kommen in den Wintermonaten noch viele Rosaflaminos aus Europa, um in wärmeren Gefilden zu überwintern. Durch die vielen Feuchtgebiete, flachen Meeresbuchten, Lagunen und Salzseen finden die Vögel ausreichende Futterplätze und die Einheimischen ideale Brutplätze. In den niederschlagsreichen Wintermonaten kann man Rosaflamingos auch weit im Süden Tunesien entdecken. In dem riesigen Salzsee Chott el Djerid sammeln sich viele Rosaflamingos, wenn auf der dicken Salzkruste sich genügend Wasser gebildet hat. Die Rosaflamingos ernähren sich in dieser Zeit von den Massen an schlüpfenden Salinenkrebsen. Beginnt das Chott el Djerid in der warmen Jahreszeit wieder auszutrocknen ziehen die Schwärme der Rosaflamingos wieder zurück in die Küstenlagunen  nach Djerba und Sfax. 

Fundort

Gesichtet in der Nähe von Kelibia auf der nordöstlich gelegenen tunesischen Halbinsel Cap Bon in einem Brackwassersee im Mai 2026.

Bild 1 – 3: Flamingos sind keine Einzelgänger, sie bevorzugen in ihrer Lebensweise ein geselliges Kolonieleben. Bild 4: Der charakteristische Knickschnabel ist ein hochspezialisierter Schnabel der mit seinem Filtersystem einmalig in der Vogelwelt ist. Rosaflamingos können mit so einem Filtrierschnabel ihre winzige Nahrung im Wasser aufnehmen.

Beschreibung

Der Rosaflamingo – Phoenicopterus roseus ist die größte Art innerhalb der Familie der Flamingos. Er kann bis in Kopfhöhe einer Größe von 120 – 150 cm erreichen, wobei die Männchen immer etwas größer sind als die Weibchen, dadurch liegt auch das Gewicht zwischen 2 und 4 kg. Erstaunlich ist seine Flügelspannweite, die bis zu 170 cm erreichen kann.
Charakteristisch für diesen elegant wirkenden Stelzvogel ist das rosafarbene Gefieder und seine extrem langen Beine. Eine biologische Besonderheit ist sein typischer Filtrierschnabel, der im Knick bis zur Spitze schwarz gefärbt ist (siehe auch Bild 4).
Das Geheimnis der Rosafärbung des Gefieders entwickelt sich eindeutig durch die Aufnahme seiner Nahrung, denn Algen und die Krebstiere können hohe Mengen an Karotinoiden enthalten, dieser Farbstoff wird im Verdauungstrakt aufgespalten und gelangt so über die Blutbahn ins Gefieder und in die Beine. 

Fortpflanzung

Rosaflamingos sind Koloniebrüter die als sehr sensible Vögel gelten.und meist nur an absolut störungsfreien Gewässern zur Fortpflanzung kommen. Auch wenn Rosaflamingos nur in riesigen Kolonien brüten können und von der Balz bis zur Brut und Aufzucht ein scheinbares Gemeinschaftsleben führen, gehen sie in jeder Brutperiode eine monogame Saisonehe ein und sichern sich im folgenden Jahr meist einen neuen Partner.
Die Nester werden als Schlammkegel in flachen Schlammzonen oder bei sehr niedrigem Wasserstand von beiden Partnern gemeinsam errichtet. So ein Nestkegel kann schon bis zu 40 cm hoch sein. Ein Gelege besteht meist nur aus einem Ei in weißer Färbung. Die Brutdauer beträgt etwa 4 Wochen und beide Elterntiere wechseln sich beim Brüten ab. Ein frisch geschlüpftes Küken hat noch einen geraden Schnabel ohne Filtrierfunktion.
Wenn die Jungvögel aus dem Ei schlüpfen sind sie schon sehr weit entwickelt und nach acht bis zehn Lebenstagen verlassen sie das Nest, werden aber weiterhin noch von den Eltern versorgt.

Nahrung

Rosaflamingos ernähren sich überwiegend von Kleinkrebsen der Art Artemia salina, aber auch von kleinen Insektenlarven, kleinen Weichtieren und Algen. Samen von Wasser- und Salzpflanzen ergänzen oftmals auch die Nahrungsaufnahme.
Geschlüpfte Jungvögel werden mit einer nährwertreichen Kropfmilch von beiden Eltern gefüttert. Die blutrote Kropfmilch ist ein extremes Superfood  und sehr kalorienreich mit einem hohen Fett- und Proteingehalt. Da der intensive  rote Farbstoff der Kropfmilch direkt aus dem Körper der Elterntiere mit jeder Fütterung ausgeleitet wird, verlieren die Eltern in ihrem Gefieder auch langsam die Rosafärbung. Nach der 4. Lebenswoche ist der Schnabel der Jungvögel schon soweit entwickelt, dass sie selbst mit der Nahrungsaufnahme beginnen können. 

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (3), Christel Selke (2)