
Land und Leute Tunesien
Kelibia
Moderne Stadt mit historischen Wurzeln
Lage
Kelibia ist eine mittelgroße Küstenstadt im Nordosten der Halbinsel Cap Bon. Sie gehört zum Gouvernement Nabeul und ist die drittgrößte Stadt nach Nabeul und Hammamet. Von der Hauptstadt Tunis ist Kelibia etwa 115 km entfernt.
Bild 1: Ein fantastischer Blick von der Festung Kelibia auf die Stadt Kelibia. Bild 2: Der Hafen von Kelibia ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor der Stadt.und ein bedeutender Arbeitgeber für die gesamte Region. Kelibia ist bekannt für sein Fischereiwesen.
Die historischen Wurzel von Kelibia reichen fast 2600 Jahre zurück. Das Kernvolk zu dieser Zeit waren die Phönizier und mit den Karthagern (Einwohner der Stadt Karthago) erhielt die Ansiedlung an diesem Ort den Namen Aspis. Nach den Punischen Kriegen eroberte Rom die Stadt (die Römer nannten das phönizische Volk Punier) und die strategisch sehr günstig gelegene Stadt Aspis erhielt den lateinischen Namen Clipea, von dem sich lautlich der heutige Name Kelibia ableitet. Unter dem dem römischen Kaiser Vespasian entwickelte sich Clipea zu einer wirtschaftlich florierenden Hafenstadt und wurde im römisch/frühchristlichen auch eine bedeutenden Bistumsstadt (siehe auch Bild 4). Nach einer byzantinischen Zeit im 6. Jahrhundert viel nach der arabischen Eroberung im Jahr 698 die Stadt und Festung an arabische Heere. Im 16. Jahrhundert eroberten die Osmanen die gesamte Region und bauten die Festung massiv um zu einem wehrhaften militärischen Stützpunkt, was man noch heute an diesem imposanten Bauwerk erkennen kann. Kelibia und seine Küste erlebte im 16. Jahrhundert auch die osmanisch-spanischen Kriege mit schweren Kämpfen.
Kelibia von heute hat sich wieder zu einer wirtschaftlichen Metropole entwickelt. Auch wenn Kelibia nur eine mittelgroße Stadt mit ca. 45.000 Einwohner ist, hat sie sich zu einem modernen wirtschaftlichen Fischerei- und Landwirtschaftszentrum der Tunesischen Republik entwickelt, wobei auch der Tourismus heute zu den wirtschaftlichen Säulen dieser Stadt gezählt werden kann.
Bild 3: Umgeben von der Stadt Kelibia liegt die kleine Lagune von Kelibia in der sich seit Mai 2026 wieder Rosaflamingos angesiedelt haben. Wir konnten die Flamingos am 18. Mai 2026 beobachten. Bild 4: Am Stadtrand von Kelibia hatte man bei Ausgrabungen dieses sehr frühchristliche Babtisterium (Taufbecken) in Vierpassform gefunden. Es ist schon deshalb von hoher Bedeutung, weil es sehr gut erhalten ist und mit einer meisterhaften Mosaikarbeit gefertigt wurde. Heute steht dieser antike Kunstschatz im Bardo-Museum in Tunis.
Sehenwürdigkeiten in Kelibia und Umgebung
- Unmittelbar an der Stadt gelegen ist der etwa 150 Meter hohe Felsvorsprung mit der historischen Festung von Kelibia. Neben einen Ausflug in die Geschichte bietet die Festung auch fantastische Ausblicke auf die Umgebung.
- Von Kelibia leicht zu erreichen sind auch die Ruinen von Kerkouane (etwa 12 km nördlich). Sie gehören zu den bedeutenden archäologischen Ausgrabungsstätten Tunesiens, weil es sich auch um eine antike punische Stadt handelt.
- Auch Kelibia selbst ist ideal geeignet für schöne Spaziergänge und verweilen an den sehr schönen Sandstränden. Lohnenswert ist auch der Fischerhafen mit dem Einlick in den tunesischen Alltag. Ein besonderes Erlebnis kann auch die Lagune von Kelibia sein, die als kleines flaches Küstenfeuchtgebiet häufig von Rosaflamingos (Flamants roses) besucht wird. Nach vielen Jahren der Dürre waren die Flamingos ferngeblieben, doch seit Mai 2026 sind sie wieder in größeren Gruppen zurückgekehrt und es war schon ein Erlebnis, umgeben von urbanem Leben Flamingos beobachten zu können.
- Etwa 40 km südlich von Kelibia befindet sich das 8 Kilometer lange Vogelschutzgebiet der Lagune von Korba. Für Vogelliebhaber ein absoluter Hotspot auf der Halbinsel Cap Bon. Zusätzlich ist Zariate innerhalb der Lagune von Korba bei Ornithologen und Naturfotografen besonders beliebt, weil man hier eine hohe Vielzahl an verschiedenen Vogelarten beobachten kann. Die besten Beobachtungsmonate sind ab Mitte Oktober bis Februar speziell für Flamingo-Beobachtungen und die Monate März bis Mitte Mai, in dieser Zeit versammeln sich hier die Vögel zur letzten Rast für den Frühjahrszug nach Norden und gleichzeitig beginnt die Nestbau- und Brutzeit der heimischen Vögel Tunesiens. Die Monate Juni bis September sind für Vogelbeobachtungen weniger geeignet, weil es keine Zugvögel gibt und hohe Temperaturen und Niedrigwasser verbliebene Vogelarten in geschütztere Gebiete vertreibt.
Fotos: (c) Michael Kürschner (3), Christel Selke (2)



