Land und Leute Tunesien
Thuburbo Majus
Ausgrabungsstätte aus der Römerzeit
Lage
Die archäologische Ausgrabungsstätte von Thuburbo Majus (Henchir Kasbat) liegt etwa 60 km südwestlich von Tunis an der Hauptverkehrsstraße P3 und befindet sich unweit von der Kleinstadt El-Fahs entfernt.
Bild 1: Haupteingang und Kassenhaus der große römischen Ausgrabungsstätte Thuburbo Majus. Bild 2: Plan der Ruinenstadt Thuburbo Majus: 6 Das Haus der angebundenen Tiere, 7 Standort für die angebundenen Tiere in der Olivenölmühle, 8 Das Kapitol, 9 Das Forum vor dem Kapitol, 10 Der Tempel des Friedens, 11 Der Tempel des Merkur, 12 Der Markt und seine Nebengebäude, 13 Das Winterbad, 14 Die Tempelkirche, 15 Der Tempel des Saturn, 16 Das kleine Amphitheater, 17 Die Zisternen, 18 Der Tempel des Baalat, 19 Tempel der Caelestis, 20 Der Petronius Palast, 21 Das Sommerbad, 22 Das Haus des Neptun.
Bild 3: Schon aus der Ferne erblickt man schnell, dass auf einer Anhöhe gelegene Kapitol als herausragendes Gebäude von Thuburbo Majus. Es war das religiöse Zentrum der Stadt.. Bild 4: Das Kapitol von seiner hinteren Ansicht mit dem Untergeschoss der Cella. In der Bauweise antiker römischer Tempel war die Cella immer der überdachte innere Hauptraum mit den Aufstellungen der Statuen für die betreffenden Gottheiten. Die Cella galt somit auch als eigentliches Heim der Götter. Im Vordergrund des Bildes sieht man ein vorgelagertes Wohnviertel.
Bild 5: Das Kapitol wurde 168 n. Chr. in der Regierungsszeit von Kaiser Marcus Aurelius errichtet und entwickelte sich zum wichtigsten religiösen und politischen Zentrum von Thuburbo Majus. Er wurde für die Staatsgötter Jupiter, Juno und Minerva gebaut. Das erstaunlich an diesem Bau war allerdings die Finanzierung. Es gab kein Geld aus Rom und allein die wohlhabene Elite dieser Stadt finanzierte diesen Prunkbau für die Götter, denn Thuburbo Majus war durch die erfolgreiche Landwirtschaft eine regionale Wirtschaftsmacht. Das Kapitol wurde auf einem drei Meter hohen Plateau errichtet, wodurch es in seiner symbolischen Bedeutung alle Gebäude der Stadt deutlich überragte. Das Tempelplateau erreichte man über breit angelegte Stufen bis zur Tempelfront mit ihren vier Säulen. Bild 6 und 7: Die monumentalen korinthischen Säulen des Kapitols haben eine Höhe von 8,50 Meter und an der Basis einen Durchmesser von etwa 88 cm. Die Kapitelle entsprechen der korinthischen Kunstrichtung und waren mit dem Motiv der Akanthusblätter geschmückt. Das Material der Säulen besteht aus dem wertvollen gelb/rosa Marmor aus den Steinbbrüchen von Chemtou in Tunesien.
Die Geschichte von Thuburbo Majus
Noch bevor die römische Stadt Thuburbo Majus entstand gab es auf diesem Gelände schon einmal eine punische und später auch eine numidische Siedlung. Sie wurde somit nach Belegen um etwa 500 v. Chr.von einheimischen Völkern Nordafrikas gegründet, denn auch der Name Thuburbo hat in der Sprachherkunft einen libysch-berberischen Ursprung. Über den punischen und berberischen Einfluss der Siedlung ist nur bekannt dass sie zwischen dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. immer stärker unter den politischen Einfluss von Karthago kamen. Im 3. Punischen Krieg (149 – 146 v. Chr.) unterstützte die Stadt Thuburbo als landwirtschaftliches Handelszentrum ihren wichtigen Nachbarn Karthago mit dramatischen Folgen. Rom siegte und zerstörte die Stadt Karthago total, tötete und versklavte die Bewohner. Thuburbo wurde massiv bestraft mit hohen Tributzahlungen an Rom.
27 v. Chr. gründete Kaiser Augustus die Stadt neu als römische Veteranenkolonie Colonia Julia Thuburbo mit der Landvergabe an ausgedienten Soldaten der Legionen. Als Municipium Aelium erhielten sie 128 n. Chr. das römische Stadtrecht unter der Herrschaft von Kaiser Hadrian. Mit der durchorganisierten Romanisierung begann jetzt wieder ein wirtschaftlicher Aufschwung durch den Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse nach Rom. In dieser Zeit lebten wieder bis zu 10.000 Einwohner.
Unter den Kaisern Antonius Pius und Commodus erlebte Thuburbo Majus zwischen 161 – 192 n. Chr. durch den aufkommenden Wohlstand einen regelrechten Bauboom für die meisten der uns heute bekannten Monumente, so zum Beispiel das große Kapitol im Jahr 168 n. Chr. 188 n. Chr. erhielt Thuburbo Majus den Titel einer römischen Kolonie und seine Bürger erhielten das volle römische Bürgerrecht.
In der 2. Hälfte des 3. Jahrhundert krieselte das Römische Reich, die Bautätigkeiten kamen zum erliegen und die Wirtschaft von Thuburbo Majus bekam erhebliche Exportprobleme, da auch die Einwohnerzahl dramatisch rückläufig war. In der aufkommenden Christianisierung und dem Einfluss von Kaiser Konstantin erlebte die Stadt Thuburbo Majus im 4. Jahrhndert eine erfolgreiche Wiederbelebung, die auch einen hohen gesellschaftlichen Wohlstand herbeiführte. In dieser Zeit entstand auch der Bau der Winter-Thermen zwischen 392 und 408 nach Chr. Doch im 5. Jahrhundert kam erneut ein gesellschaftlicher Wandel in die Stadt, denn das Römische Reich verlor immer mehr an Einfluss und der Niedergang war nicht mehr aufzuhalten, was sich in den Provinzen besonders schnell bemerkbar machte.
Im 5. Jahrundert kam es zum Einmarsch der Vandalen, Rom verlor seine Macht und die finanzstarke Oberschicht in Thuburbo Majus verließ die Region. Die einst prächtigen Bauten und Monumente zerfielen und wurden vielfach mit Ölmühlen zweckentfremdet. Da die Vandalen außerdem ihre eigenen christliche Lehre nach nach Nordafrika brachten, kam es in Thuburbo Majus auch zu umfangreichen Umbauten römischer Göttertempel in christliche Sakralbauten. Auch die Vandalenherrschaft dauerte nur knapp 100 Jahre bis die Byzantiner 534 n. Chr. die Vandalen erfolgreich aus Tunesien vertrieben. Obwohl die Byzantiner wie Befreier begrüßt wurden kam es zu keinem erhofften Frieden für die Einwohner von Thuburbo Majus. Die Byzantiner entpuppten sich als militärische Macht und Thuburbo Majus wurde nicht ohne Grund mit Befestigungen ausgestattet, weil Mauren und Berber als drohende Gefahr gesehen wurde, was sich auch durch die späteren Berberaufstände bestätigen sollte.
Als einst wirtschaftliche Metropole zeichnete sich zum Ende der byzantinischen Herrschaft der langsame Niedergang der Stadt ab und in den folgenden Jahrzehnten war Thuburbo Majus nur noch eine dörfliche Agrarsiedlung, die im 7. Jahrhundert durch die arabischen Eroberungen dann völlig verlassen wurde. Mit dem Wegzug seiner restlichen Einwohner war das historische Schicksal von Thuburbo Majus endgültig besiegelt.
Bild 8 – 10: Bilder vom Ort der Olivenmühle, sie zeigen eine Plattform, die als Lagerfläche für die Oliven diente sowie einen Mahlbereich, ein doppeltes Auffangbecken und drei Dekantierbecken. Ein Dekantierbecken ist ein Behälter in dem sich die festen Stoffe aus einer Flüssigkeit absetzen. In diesem Fall wird als Flüssigkeit das Olivenöl nach der Kaltpressung gewonnen. Die Einrichtung einer solchen Olivenverarbeitungsanlage geht wahrscheinlich auf das 5. Jahrhundert zurück.
Bild 11: Der Tempel der Caelestis (Tanit). Dieser Tempel war ursprünglich der karthagischen Hauptgöttin Tanit (Gemahlin des Gottes Baal-Hammon) geweiht. Heute ist nur noch das Tor und eine punische Säule erhalten. In der schon fast nachrömischen Zeit wurde dieser Tempel im 6. Jahrhundert in eine christliche Kirche umgewandelt. Bild 12: Blick vom Tempelgelände der Caelestis in Richtung des Tempels der Baalat. Bild 13: Der Tempel der Baalat besitzt einen kleinen Prostylos-Bau auf einem Podium. Erhalten sind auf diesem Podest nur noch zwei Säulen. In seiner historischen Bedeutung war dieser Tempelkomplex der punischen Göttin Baalat geweiht. Die Ursprünge der Göttin Baalat stammen aus dem phönizischen Kulturraum.
Bild 14: Die Winterthermen, auch als Winterbad bekannt, wurden im Zeitraum zwischen 392 und 408 n. Chr. fertiggestellt. Der Komplex der Badegebäude umfasste mehr als 20 Räumlichkeiten die um das Frigidarium herum angeordnet waren. Das Frigidarium war der ungeheizte Abkühlungsraum der antiken römischen Thermen. Die Gesamtfläche umfasste eine Fläche von etwa 1600 m². Bemerkenswert sind die sehr gut erhaltenen geometrischen Bodenmosaike, siehe auch Bild 22. Bild 15: In einer Halle des Winterbades stehen noch gut erhaltene und markant gezeichnete Säulen aus gelb-rosa numidischen Marmor, auch als Chemtou Marmor bezeichnet, der einst im Nordwesten Tunesiens abgebaut wurde. Bild 16 und 17: Weitere Räumlichkeiten in den Winterthermen.
Bild 18 – 20: Fotos von den Sommerthermen. Das Sommerbad bestand aus einem Vestibülum (Repräsentiver Eingangsbereich zum Bad), dem Frigidarium ( Kälteraum), zwei Tepidarien ( beheizte Wärmeräume), dem Trockenluftraum, dem Destrictarium (Raum zum entfernen von Schmutz, Schweiß und Öl), dem großen Caldarium (feuchtwarmer Schwitz und Inhalationsraum bei etwa 40 – 50 Grad C und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit) und seinen Heißwasserbecken. Ursprünglich waren die Wände der Thermen mit edlem Marmor verkleidet und die Böden mit Mosaiken ausgelegt. Bild 21: Stele mit Steinrelief aus den Sommerthermen mit Darstellungen von Getreide, Oliven und Weinreben.
Bild 22: Die Bodenmosaike in Thuburbo Majus zählen zu den handwerklich bedeutenden und hochwertigen Kunstschätze Tunesiens. In der römischen Epoche spiegeln sie auch den großen Wohlstand der Bürger und Eliten wider, die nicht nur ihre privaten Villen damit ausschmückten, sondern auch öffentliche Gebäude wie zum Beispiel die Thermen künstlerisch gestalteten ließen. Bild 22 zeigt die Bodenmosaike in der großen Halle der Winterthermen. Bild 23: Bodenmosaik aus dem Haus des Neptun. Bild 24 – 25. Weitere Bodenmosaike aus den Räumen der Sommerthermen.
Bild 26: In Thuburbo Majus war es die typische Bauweise, wie man die Wände der Wohnhäuser errichtete.
Bild 27: Die Tunesische Post brachte 1999 mit dem Motiv des Tores zum Tempel der Caelestis (Tanit) in Thurburbo Majus diese Briefmarke heraus. Sie erschien zum Thema “Archäologische Fundstätten in Tunesien im 2. Jahrhundert”.
Fotos: (c) Michael Kürschner (16), Christel Selke (12)




























