
Land und Leute Tunesien
El Ghriba Synagoge
Älteste Synagoge Nordafrikas
Lage
Die el-Ghriba Synagoge hat ihren Standort im Dorf Er-Riadh und liegt südwestlich vom Hauptort Houmt Souk auf der tunesischen Insel Djerba.
Bild 1: Blick auf das Gelände der e-Ghriba Synagoge. Bild 2: Eine große Innenansicht der el-Ghriba Synagoge auf Djerba. Das Bild entstammt einer Postkarte derTunesischen Post von 2019. Auch wenn die Synagoge von außen eher einen schlichten Eindruck vermittelt, hat sie in ihren Innenräumen eine faszinierende Architektur, die man bei einer Besichtung bewundern kann.
Die Bedeutung der el-Ghriba Synagoge
Die el-Ghriba Synagoge auf Djerba gilt als eine der ältesten der Welt und insbesondere auch als älteste Synagoge Nordafrikas und gilt gleichzeitig auch als das geistige Zentrum jüdischer Gemeinden in der arabischen Welt. Ihre Bedeutung geht daher auch weit über die Grenzen Tunesiens hinaus und wurde als UNESCO-Weltkulturerbe 2023 gewürdigt und anerkannt.
Der Name El Ghriba kommt aus dem arabischen und bedeutet soviel wie “Die Fremde” oder auch “Die Wunderbare/Einsame” und es ranken einige viele Jahrhundete alte Legenden um die Entstehung des Namens. Eine Legende erzählt eine wundersame Geschichte von einem hübschen Mädchen auf Djerba. Sie lebte allein in einer bescheidenen Strohhütte und eines nachts vernichtete ein Feuer mit ihr zusammen die gesamte Hütte. Am nächsten Morgen fanden Dorfbewohner in der völlig abgebrannte Hütte das tote Mädchen in der heißen Asche. Der Körper des wunderschönen Mädchens war unverletzt und unversehrt. Von diesem Wunder waren die jüdischen Bewohner so tief ergriffen, dass sie an der Fundstelle des Mädchens eine Synagoge mit dem Namen El Ghriba errichteten. Andere Erzählungen gehen auch auf das eigene Schicksal ein und beschreiben eher die jüdische Diaspora mit der Flucht nach Djerba in der Fremde lebend, denn auch so kann der Name zur Gündung der Synagoge ” als Fremde – El Ghriba” entstanden sein.
Diese traditionsreiche Synagoge ist in seiner Bedeutung nicht nur die älteste Synagoge, sondern auch ein begehrtes Ausflugsziel für Touristen auf Djerba und auch ein wichtiger jüdischer Wallfahrtsort. Die Wallfahrt nach El Ghriba wird jährlich organisiert und findet immer im Frühling am 33. Tag des Omer-Zählens zwischen dem Pessach und Schawuot statt. Zu diesem Fest strömen alljährlich Tausende von jüdischen Pilgern und Touristen aus der ganzen Welt zur El Ghriba Synagoge auf die tunesische Insel Djerba.
Bild 3: Innenansicht der el-Ghriba Synagoge auf einer Sonderbriefmarke der Tunesischen Post von 2019. Bild 4: Das Gebäude der el-Ghriba Synagoge erreicht man gleich hinter dem Torbogen.
Aus der Geschichte der el-Ghriba Synagoge
Laut einer Legende soll die Gründung der El Ghriba Synagoge auf das Jahr 586 v. Chr. zurückgehen. Zu dieser zeit regierten in der Region des heutigen Israel babylonische Herrscher und jüdische Priester flohen nach der Zerstörung des Salomonischen Tempels in Jerusalem durch den babylonischen König Nebukadnezar II. westwärts und es verschlug sie bis in die Region um Djerba. Nach der Legende sollen die jüdische Oberschicht und die Priester auch Gegenstände aus dem Tempel nach Djerba gebracht haben. So soll auch die Thorarolle in der El Ghriba Synagoge eine der ältesten der Welt sein.
Die El Ghriba Synagoge wurde bereits schriftlich im 16. Jahrhundert erwähnt, erlebte aber eine historische Schreckenszeit als eine spanische Militäroperation die jüdischen Einrichtungen bis auf die Grundmauern zerstörte.
Über die Jahrhunderte konnten zwar viele heilige Gegenstände gerettet werden, doch die Synagoge, wie man sie heute als Gebäude erlebt, ist allerdings erst im 19. Jahhundert im maurischen Stil wieder neu erbaut worden.
Bild 5: First Day Cover der Tunesischen Post mit Sonderstempel von 2019 für die historisch bedeutende jüdische Synagoge in Tunesien. Bild 6: Seit dem letzten schweren Attentat von 2002 steht diese Synagoge auf Djerba unter extremer Bewachung des tunesischen Staates. Die mit Pflanzen geschmückten weißen Poller sind keine Zierde, sondern dienen dem absoluten Schutz, damit kein Auto unbefugt auf das Gelände fahren kann.
Anschläge auf die el-Ghriba Synagoge
Auf Grund der globalen islamistisch motivierten Anschläge der jüngeren Geschichte, war auch die symbolträchtige El Ghriba Synagoge in einer gefährdeten Sicherheitslage und wurde seit Oktober 1985 bis Mai 2023 dreimal Ziel schrecklicher Anschläge mit vielen Toten und Verletzten. Bild 6 dokumentiert nochmals die heutige Sicherheitslage mit den Sperranlagen an den Zufahrtswegen zur Synagoge.
Obwohl das liberale Tunesien als ein islamisches Land die freie Religionsausübung garantiert und die jüdische Gemeinde mit ihrer Synagoge El Ghriba als ein historisch kulturelles Erbe geschützt wird, kam es zu folgenden tödlichen Angriffen auf Menschen in ihrer freien Religionsausübung.
Im Oktober 1985 eröffnete ein tunesischer Polizist beim Simchat-Thora-Fest das Feuer auf auf die Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Er sollte die Sicherheit gewährleisten und erschoss drei Menschen. Einige Personen wurden zusätzlich verletzt.
Im April 2002 kam es zum bisher schwersten Anschlag durch Al-Qaida. Ein junger Terrorist fuhr mit einem Flüssiggaslastwagen bis zum Eingang der Synagoge und sprengte sich als Selbstmordattentäter in die Luft. Es starben im Bereich der Synagoge 21 Menschen und 30 wurden zum Teil sehr schwer verletzt. Unter den tödlich verletzten Opfern befanden sich auch 14 deutsche Touristen die auf Djerba ihren Ulaub verbringen wollten.
Am 9. Mai 2023 verübte ein tunesischer Nationalgardist einen Anschlag, der hauptsächlich Menschen in der Synagoge erschießen wollte. Er tötete erst einen Kollegen entwendete seine Waffe und Munition. Er fuhr dann zur Synagoge und eröffnete gleich das Feuer auf die polizeilichen Sicherheitskräfte. Bevor er jedoch auf die große Menge der jüdischen Pilger schießen konnte, wurde er selbst noch rechtzeitig von der Polizei erschossen Die schnellen Reaktionen der Polizei verhinderten somit ein geplantes Massaker an Juden. Dennoch starben durch dieses Attentat fünf Menschen, darunter zwei jüdische Pilger und drei tunesische Sicherheitskräfte.
Es stimmt einem schon nachdenklich, wenn man als deutscher Tourist (2026) an diesem symbolträchtigen Ort des jüdischen Glaubens verweilen konnte.
Fotos: (c) Michael Kürschner (5), Christel Selke (2)





