Tanit

Aus der Geschichte Tunesiens

Tanit
Die bedeutendste punische Gottheit

Herkunft

Die kulturhistorische Herkunft der Tanit liegt wahrscheinlich im heutigen Nahen Osten im Kulturkreis der Levante im heutigen Libanon und Syrien. Es ist auch nicht auszuschließen, dass es auch Einflüsse aus der altägyptischen Mythologie mit der Muttergöttin Tanetu gegeben haben kann. Sie war eine frühe Form der Göttin Hathor, die man im antiken Ägypten mit der Tanit gleichgesetzt hat.  Woher der Name Tanit letztendlich  seine sprachliche Herkunft hat ist bis heute noch nicht gesichert geklärt. Im frühen 9. Jahrhundert v. Chr. gelangten die Phönizier auf dem Weg nach Westen bis nach Tunesien und brachten auch mit der Gründung der Stadt Karthago ihren Glauben und ihre Kultur nach Nordafrika. In der Region des heutigen Tunesiens gab es schließlich eine enge Verschmelzung einheimischer Berber-Kulturen und dem mythologischen Glauben der Phönizier. Ab dem 5 Jahrhundert entwickelte sich in Nordafrika und dem westlichen Mittelmeerraum erfolgreich das karthagisch-punische Reich und mit ihm kam der große Aufstieg der Tanit als die bedeutendste punische Hauptgöttin. 

Bild 1: In Hochachtung vor der eigenen antiken Geschichte brachte die tunesische Post im Juni 2026 eine Briefmarke mit dem berühmten Zeichen der Göttin Tanit heraus. Bild 2: Das Haus der Tanit in der archäologischen Ausgrabungsstätte Kerkouane. Das Zeichen der Tanit wurde gerne an Eingängen zum göttlichen Schutz des Hauses vor einer Türschwelle am Boden angebracht. Bild 3: Die Dekadrachme als eine schwere Silbermünze mit dem Abbild der Göttin Tanit stammt aus Karthago und wurde im 1. Punischen Krieg um 264 – 260 v. Chr. geprägt. Sie galt in der Antike als die größte Münze der punischen Epoche. Die Münze zeigt auf der Vorderseite den Kopf der Hauptgöttin Tanit. Sie trägt einen Ährenkranz als Zeichen der Fruchtbarkeit im Haar und  einen markanten Ohrring. Geprägt wurde sie wahrscheinlich während des Krieges in sizilianischen Münzstätten die noch von Karthago kontrolliert wurden. Bei dieser Münze handelt es sich um eine Replik und somit um eine orginalgetreue Nachbildung.

Mythologische Bedeutung der Göttin Tanit

Tanit war die oberste punische Göttin der Fruchtbarkeit und auch die Schutzgöttin der antiken Stadt  Karthago, Göttin des Mondes, des Lichts und der Liebe. Ab etwa dem 5. Jahrhundert v. Chr. erlebte sie eine besonders starke Verehrung und war praktisch in der punischwen Mythologie eine universale Göttin. In der Kultur der punischen Götterwelt trat sie meist an der Seite ihres Göttergemahls Baal-Hammon auf, hatte jedoch theologisch betrachtet eine übergeordnete Bedeutung.
Tanit war neben der Funktion als Schutzgöttin hauptsächlich auch als Fruchtbarkeits- und Erdgöttin verehrt und stand in Verbindung zu den Zyklen der Jahreszeiten. Man glaubte, dass sie im Winter und in Dürrezeiten die Erde in Ruhezeiten versetzt, um anschließend im Frühling als fruchtbarkeitbringende Muttergöttin sich mit ihrem Gemahl und Himmelsgott Baal zu paaren. Mit dieser heiligen Eheverbindung des Götterpaares erwachte wieder die Natur. Die Erde erblühte wieder mit voller Kraft und ließ Früchte gedeihen. Auch Menschen und Tiere erfüllten ihr Leben mit sinnlichen Paarungen und aus Freude über das Erwachen der Natur feierte man im Frühling die Göttin Tanit mit ekstatischen und rauschhaften Gottesfeiern mit Tanz, Musik und Wein.
Das ewige Zeichen und Symbol der Tanit ist eher schlicht und einfach, aber voller Aussagekraft. Es zeigt auf einem pyramidenähnlichem Dreieck (als Körper) einen waagerechten Balken ( (als Horizont), auf dem dann noch mittig eine runde Scheibe (als Kopf oberhalb der Erde) liegt.  Dieses einfache Tanit-Zeichen symbolisiert vermutlich die weibliche Gottheit für Himmel und Erde. Häufig wird das Tanit-Zeichen auch mit dem ähnlich aussehenden altägyptischen  Ankh-Zeichen verglichen, es steht in seiner Bedeutung ja auch für Leben und Lebenskraft.

Bild 4 – 6:  Jedes der drei Fotos zeigt eine Votivstele, sie enthalten die Zeichen einer Symbolik, die für die Hauptgöttin Tanit stehen. Sie waren wahrscheinlich Gedenksteine, um Bitten oder Dank zum Ausdruck zu bringen. Diese hier gezeigten Votivstelen stammen aus dem antiken Hadrumetum, dem heutigen Sousse in Tunesien und sind als Artefakte im Archäologischen Museum von Sousse ausgestellt. Sie wurden in Hadrumetum im Heiligtum des Gottes Baal Hammon gefunden. Der göttliche Name Baal-Hammon bedeutet in der Sprache der Phönizier (Punier)  “Herr der Räucheraltäre”. So wurden die meisten Votivstelen mit der Symbolik der Göttin Tanit im Bereich des antiken Tophet, dem Opferplatz gefunden. Seit ungefähr dem 5. Jahrhundert v. Chr. war Baal-Hammon und Tanit das uneingeschränkte göttliche Ehe- und Herrscherpaar in der punisch/karthagischen Mythologie.

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (4), Christel Selke (3)