Agama lionotus

Systematik

Ostafrikanische Siedleragame
Agama lionotus

Ordnung: Squamata – Schuppenkriechtiere
Familie : Agamidae – Agamenartige
Gattung : Agama
Art: Agama lionotus
Unterart: Agama lionotus lionotus

Bis vor wenigen Jahren war die ostafrikanische Siedleragame Agama agama lionotus noch eine Unterart von der westafrikanischen Agama agama, doch nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen (2005), soll sie den Status einer eigenständigen Art Agama lionotus erhalten haben mit vier weiteren Unterarten, die alle nur  in Ostafrika beheimatet sind.

Trivialname

deutsch: Ostafrikanische  Siedleragame,
englisch: Red-headed Rock Agama, Kenyan rock agama,

französisch: L‘ agame du Kenya, swahili: Agama la mwamba wa Kenya,

Beispiele  für den natürlichen Lebensraum von Agama lionotus. Bild 1: Typische Felsenlandschaft im Tsavo Ost Nationalpark in Südkenia, wo Reptilien und besonders  Agama lionotus ihren natürlichen Vorkommen haben. Bild 2: Männchen der Ostafrikanischen Siedleragame in sehr  ungewohnter Umgebung am Strand an der Silversand Beach südlich von Malindi (2004). Bild 3: Mitten in der Stadt Malindi stolziert diese prächtige Siedleragme als „Fußgänger“  entlang einer Häuserwand auf dem Bürgersteig durch eine belebte Einkaufsstraße (2012).  Bild 4: Die Felsenlandschaften in Tsavo Ost gehören aber  zu den typischen und natürlichen Habitaten der Ostafrikanischen Siedleragame Agama lionotus.

Vorkommen

Südlich der Sahara nur in Ostafrika in den Ländern Uganda, Äthiopien, Kenia und Tansania als endemische Art bekannt und unterteilt  in vier regionale  Unterarten:

  • Agama lionotus dodomae   Tansania
  • Agama lionotus elgonis   Uganda, West-Kenia, Nord-Tansania
  • Agama lionotus lionotus  Nord-, Ost- und Süd-Kenia mit den hier abgebildeten Tieren.
  • Agama lionotus ufipae   Nur in den Regionen am Tanganjikasee in Tansania

Bevorzugter Lebensraum sind trocken Steppen und Savannen mit zum Teil felsigen Habitaten.
In Kenia scheint sie nicht selten zu sein und ist in vielen trockenen Landschaftformen anzutreffen. Steinige Gebiete, Buschwerk und Bäume scheinen sie zu bevorzugen. Mit etwas Glück entdeckt man sie auch an der Küste und sogar am Strand. Sie lieben die Sonne und heiße Sonnenbäder, bei denen man sie am häufigsten beobachten kann. Zum Teil ist diese Art auch schon ein Kulturfolger und folgt dem Menschen bis in die Ortschaften. 2011 begegnete ich dieser Agame in ihrer vollen Prachtfärbung in den Straßen von Malindi an der kenianischen Nordküste auf belebten Straßen mit hohen Baumbestand.

Fundort

Verschiedene Gebiete im Tsavo Ost- und West Nationalpark, in Malindi und Watamu in  Kenia von 1995 – 2012.

Männliche Agama lionotus

Beschreibung

Die prachtvolle Kopffärbung der Männchen bildet sich bei genügend Wärme und Sonne und ist besonders in der Paarungszeit kräftig entwickelt. Hier in Kenia handelt es sich um eine rotköpfige Unterart. Die weiblichen Tiere sind wesentlich schlichter gefärbt, haben aber auch  besonderen Farbmerkmale. Die Paarungszeit findet gewöhnlich nach der Regenzeit statt, dann zeigen auch Weibchen ein farbliches Muster an den Flanken mit gelben bis orangen oder rostroten Farbflecken.
Kann eine Gesamtlänge von etwa 40 cm erreichen, doch die meisten von mir beobachteten Tiere, hatten wahrscheinlich nur eine Körperlänge von etwa 25 – 35 cm. Die Weibchen bleiben merklich kleiner und haben einen wesentlich zierlicheren Körperbau. Jungtiere nach dem Schlüpfen aus dem Ei sind etwa 10 cm groß und ähneln in der Färbung eher noch den weiblichen Agamen.
Agama lionotus nutzen in einer sehr extremen Form jede Möglichkeit für ausgiebige Sonnenbäder, man könnte sie auch als “Ostafrikanische Sonnenagame” bezeichnen, denn sie nutzen über Stunden, sogar die stark aufgeheizten Felsen in der Mittagsglut, um  das geliebte Bad in der Sonne zu nehmen.  Es müssen keine trüben Regentage sein, schon allein eine starke Bewölkung reicht aus und man kann nur mit etwas Glück die Siedleragame in ihrem gewohnten Habitat finden. Die “lichthungrigen” Siedleragamen zeigen auch nur nach langen und  ständigen Sonnenbädern ihre ausgeprägte und intensive Körperfärbung, dass gilt nicht nur für die Männchen, denn auch die Weibchen wirken an trüben Tagen nach meinen Beobachtungen erheblich blasser gefärbt.

Weibliche Agama lionotus

Fortpflanzung

Wie schon unter Beschreibung erwähnt, hat die Ostafrikanische Siedleragame einen ausgeprägten Sexualdimorphismus, da das Männchen sich durch die sehr intensive Blau- und Rotfärbung deutlich vom Weibchen unterscheidet. In der sexuellen Paarungsphase und während der Trächtigkeit haben aber auch die weiblichen Agamen auffallend farbliche Markierungen als orangefarbene Fecken an den Flanken.
Paarungen finden meist außerhalb der Regenzeiten statt. Während die männlichen Agamen  theoretisch  zu jeder Zeit sexuell aktiv sein können, ist die sexuelle Bereitschaft der Weibchen an bestimmte jährliche Paarungszeiten gebunden. Die Männchen leben polygam und haben haremsartig eine oftmals nicht geringe Anzahl an Weibchen. Obwohl die Männchen scheinbar ihr eigenes Leben führen, überlassen sie die Gesellschaft der weiblichen Tiere sich selbst. Auf Distanz beobachten sie aber, ob Rivalen sich den Weibchen nähern. Tritt so ein Fall auf, wird die Welt der eigenen Weibchen energisch verteidigt bis der Eindringling erfolgreich verjagd worden ist. Nicht selten findet man in der Natur reine Weibchen-Gruppen, die im einzelnen von den Männchen kaum belästigt werden, denn die sexuelle Paarungsbereitschaft geht meist vom Weibchen aus, sie sind es, die sich den Männchen dann förmlich zum Sex aufdrängen.
Etwa 9-10 Wochen nach der Paarung gräbt das Weibchen in einer freien Sandfläche eine kleine Grube in sonniger Lage aus für die Ablage der etwa 8-12 Eier.  Bis die Jungagamen schlüpfen und sich den Weg an die Sandoberfläche erkämpfen um das Licht der Welt zu erblicken vergehen dann noch weitere 8-12 Wochen.

Weibchen der Ostafrikanischen Siedleragame – Agama lionotus

Nahrung

Siedleragamen sind in ihrer Nahrungsaufnahme nicht wählerisch. Alles was sie schnappen und verschlingen können steht auf dem Speiseplan, wobei Insekten wohl die Hauptbestandteile ihrer Ernährung sind.

 

Fotos : (c) Michael Kürschner (15), Christel Selke (6)