Echter Papyrus

Systematik

Cyperus papyrus
Echter Papyrus

Ordnung: Poales- Süßgrasartige
Familie : Cyperaceae – Sauergrasgewächse
Gattung : Cyperus – Zyperngräser
Art: Cyperus papyrus – Echter Papyrus

Trivialname

deutsch: Echter Papyrus, Papyrus, englisch: Papyrus, Papyrus sedge, Paper reed, Nile grass,
französisch: Papyrus,
swahili: Papirasi, afrikaans: Papirus, ägyptisches arabisch: مصرى

Vorkommen

Der Echte Papyrus kommt in vier bekannten Unterarten vom Nildelta (Ägypten) und Sudan noch südlich der Sahara in fast ganz Afrika vor bis zum tropischen Südafrika. Mit der Unterart Cyperus papyrus madagascariensis kommt der Echte Papyrus auch auf den ostafrikanischen Inseln Mauritius, Réunion und Madagaskar im Indischen Ozean vor. Seltene Fundorte sind heute auch noch in Südeuropa. In Ägypten, wo er einst sehr stark an den Nilufern verbreitet war, ist er heute recht selten zu finden und in seinen Beständen sogar gefährdet. Das Hauptverbreitungsgebiet in Ägypten ist noch heute das fruchtbare Nildelta.

Bild 1 und 2: Echter Papyrus der Unterart Cyperus papyrus papyrus der von Ägypten über den Sudan bis ins tropische Südafrika seine Verbreitung hat. Deutlich sieht man die spreitenlosen Blätter, die sich wie ein Strahlenkranz an den Enden der Halme entwickeln. Bild 3: Die Blütenstände einer Echten Papyruspflanze – Cyperus papyrus

Beschreibung

Der Echte Paryus – Cyperus papyrus ist eine ausdauernde Staudenpflanze, sie wächst horstig und kommt nur in Sumpfgebieten und Uferzonen von Gewässern vor. Für die Ausbreitung und einem guten Halt im Boden sorgt die extrem starke Rhizombildung des Echten Papyrus und seine riesigen, zum Teil dreikantigen Halme, erreichen eine Wuchshöhe von 3 – 6 Meter und auffallend sind seine spreitenlose Blätter.

Bild 4: Die kräftigen Stängel des Echten Papyrus an der Basis der Pflanze. Bild 5: Aus diesen starken Stängeln des Echten Papyrus fertigte man im antiken Ägypten bereits Boote an und nutzte sie auch zur Papierherstellung. Vieles aus dem Leben und der Kultur im Alten Ägypten wissen wir heute nur durch die vielen schriftlichen Belege, die einst auf dem Papyruspapier niedergeschrieben wurden. Bild 6: Diese kursiv-hieroglyphischen Texte und Grafiken stammen aus dem Totenbuch und wurden auf Payruspapier verfasst. Dieses uralte und historisch bedeutende Dokument wurde in einem Grab bei Achmim (Ägypten) gefunden und stammt aus der altägyptischen Ptolemäerzeit (302 – 30 v. Chr.)

Der Echte Papyrus als Nutzpflanze

Die Papyruspflanze ist bereits seit der 1. Dynastie um 3000 v. Chr. im Alten Ägypten als wertvolle Nutzpflanze bekannt, sie lieferte den wichtigen Rohstoff zur Herstellung einer Papierart; auf der man perfekt schreiben konnte. Dieses Papyruspapier war zwar nicht preiswert, wurde aber zum bedeutenden Bedarfsartikel der ägyptischen Antike und wahrscheinlich war die Papyruspflanze auch schon im Alten Reich (ca. 2707–2216 v. Chr. der 3. bis 6. Dynastie) als ein nützlicher Helfer beim Aufstieg des Staatswesens beteiligt.  Der hauptsächliche Wert des Papayruspapiers lag in seinem Gewicht und in seiner Beschaffenheit gut beschrieben zu werden ohne das der flüssige Stoff zum Schreiben aufgesaugt wurde und Schrift und Grafik fast konturenrein möglich waren (siehe auch Bild 6). Im Gegensatz zu den schweren Steintafeln war das Papyruspapier natürlich wesentlich leichter, es ließ sich sogar praktisch rollen und konnte massenhaft gelagert werden. Es ist somit auch kein Wunder, dass durch die altägyptische Erfindung des Beschreibstoffes aus Papyrus sich dieser auch später in der gesamten Antike als Vorläufer des Papiers durchgesetzt hat.
Die Echte Papyrus wurde wegen seiner extrem belastbaren und sehr langen Stiele im alten Ägyten auch als ideales Meterial für den Bootsbau verwendet und das bereits vor 4500 Jahre
Wie wertvoll das Papyruspapier war, läßt sich schon von seinem Namen ableiten. In der altägyptischen Sprache lautete der Name für Papyrus „pa-per-aa“, was in der Übersetzung soviel bedeutet wie „pa“ (Besitz) und „Per-aa“ (Pharao). Frei übersetzt war die Papyruspflanze, ihre Ernte und die produktive Verarbeitung praktisch im Besitz des Pharaos. Später übernahmen die Griechen dieses ägyptische Wort in ihre Sprache aus dem sich dann das Wort Papyrus entwickelte. Auch wenn der heute bekannte Begriff Papier nichts mit dem Papyrus zu tun hat, leitet sich das Wort Papier in der Sprachentwicklung von dem Wort Papyrus ab.

Die Herstellung von Papyrus als Schreibmaterial

Die Erfindung mit dem Echten Papyrus ein nützliches Schreibmaterial zu entwickeln, war schon im frühen Alten Ägypten so genial und einfach zugleich. Um ein Beschreibmaterial aus dem Papyrus herzustellen benötigt man nur wenige Arbeitsabläufe und etwas Geduld:

  • Je nach der gewünschten Papyrusblattgröße werden die kantigen blattlosen Stängel in einer bestimmten Länge geschnitten.
  • In einem nächsten Schritt wird der geschnittenen Stängel von der harten Außenschale abgeschält.
  • Jetzt wird das freigelegte Mark der Papyrushalme in feine Streifen geschnitten kurz plattgeklopft oder gewalzt. 
  • Im nächsten Arbeitsablauf ist etwas Geduld erforderlich, denn die dünn geschnittenen Streifen aus dem Mark kommen jetzt für 4 – 8 Tage in ein Wasserbad.
  • Im Anschluß an das Wasserbad werden die Streifen nochmals gewalzt, um von überschüssigem Wasser, dem natürlichen Klebstoff und dem Zucker befreit zu werden.
  • Für die Herstellung eines Papyrusblattes empfielt sich jetzt ein Leinentuch als Unterlage und das verweben der Streifen kann beginnen. Gitterförmig werden die Streifen jetzt auf das Leinentuch gelegt und man geht folgendermaßen vor: ein Streifen wird längs gelegt und der folgende dann quer. Dieses Verlegen der Streifen wiederholt sich solange, bis die gewünschte Blattgröße erreicht ist. Dieses gitterartig gelegte Blatt aus dutzenden Streifen wird jetzt mit einem weiteren Leinentuch abgedeckt und kommt jetzt in eine starke Presse. Steht keine Presse zur Verfügung, können auch mehrere Ziegelsteine oder Steinplatten für die benötigte Schwere sorgen. Dieser Fertigungsprozess dient der Verklebung der Austrocknung und kann je nach Größe des Pypyrus bis zu 7 Tage dauern.
  • Nach dem Pressvorgang wird das Paspyrusblatt aus Gründen für eine gute Qualität nochmals auf Trocknung geprüft und verbliebene Kanten der Streifen werden abschließend noch mit einem Stein oder Holzstück glatt gerieben, damit es als Beschreibmaterial kantenfrei genutzt werden kann.

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (4), Christel Selke (2)