Flötenakazie

Systematik

Flötenakazie
Vachellia drepanolobium

Ordnung: Fabales – Schmetterlingsblütenartige
Familie : Fabaceae – Hülsenfrüchtler
Gattung : Vachellia
Art: Vachellia drepanolobium – Flötenakazie

Synonym: Acacia drepanolobium

Trivialname

deutsch: Flötenakazie, englisch: Whistling thorn, Ant-galled acacia,
französisch: —-,  swahili: Mbalibali, afrikaans: —–,
masai: Eluai, kamba: Kiunga, kikuyu: Muruai

Vorkommen

Die Flötenakazie Vachellia drepanolobium hat ihre natürliche Heimat in Ostafrika und ist zum Beispiel in Kenia und Tansania in vielen Savannen bis ins Hochland weitverbreitet.

Fundort

In unterschiedlichen Savannen-Landschaften und in Tsavo-West Nationalpark in Kenia 2011

Bild 1: Mächtige Äste einer älteren Flötenakazie und einer Krone mit dichtem Laub. Bild 2: Das Laub der Flötenakazie – Vachellia drepanolobium.

Beschreibung

Die Flötenakazie – Vachellia drepanolobium ist eine strauchartige Pflanze, die auch einen Wuchs als Baum haben kann und eine Höhe von über 6 Meter erreicht. Die Flötenakazie ist an den meisten Zweigen mit starken und sichtbaren Dornen versehen, die zum Teil große Hohlkörper bilden in denen Ameisen auf Wunsch der Akazien sich einnisten können, denn Flötenakazien leben zu ihrem Schutz als Pflanze in einer direkter Symbiose mit einem Tier. Ihren deutschen Trivialnamen verdankt die Flötenakazie den Löchern der Dornenhohlkörper und dem Wind, der bei einer bestimmten Stärke durch die Löcher bläst und so die Flötentöne der Akazie erzeugt. Die Blüten der Flötenakazie sind eine ausgezeichnete Bienenweide

Bild 3 und 4: Die großen Dornenhohlkörper der Flötenakazie in denen die Ameisen für die Flötenakazie als „Sicherheitskräfte“ leben.

Das ökologische Geheimnis der Flötenakazie

Selbst in Zeiten großer Trockenheit haben nicht selten Akazien noch grünes Laub und werden bevorzugt von Säugetieren wie Elefanten, Giraffen und Antilopen aufgesucht. Damit die Akazien aber keinen Schaden nehmen, haben sie im Laufe der Evolution  eine Vielzahl von biologischen Abwehrmaßnahmen entwickelt. Einige Akazien entwickeln ein eigenes Gift als Abwehrmechanismus gegen Fressfeinde. Sobald ein Pflanzenfresser versucht Blätter von den Zweigen zu rupfen, aktivieren Akazien den Gerbstoff Tannin in ihren Blättern, wodurch die Nahrungsaufnahme für die Fressfeinde ungenießbar wird. Oftmals hilft es aber den blattfressenden Säugern nicht zur nächsten Akazie zu wechseln, denn sie unterschätzen die Kommunikation der Akazien untereinander. Bei einer gravierenden Fraßgefahr können Akazien auch andere Bäume ihrer Art in der Umgebung mit Hilfe eines chemischen Duftstoffes warnen. Sie strömen bei Gefahr Äthylen aus. Durch diese chemischen Duftinformation aktivieren die Akazien der Umgabung ebenfalls den giftigen Gerbstoff Tannin und machen somit auch ihre Blätter für Fressfeinde ungenießbar.
Die Flötenakazie – Vachellia drepanolobium hat aber noch eine weitere Waffe im Kampf gegen Fressfeinde. Die Flötenakazie entwickelte ein biologisches mutualistisches Symbiose-Bündnis mit mit 1 – 4 Ameisen-Arten. Sie leben in den zahlreichen Hohlräumen der Dornen und strömen bei Gefahr genau zu dieser Stelle, an der ein Fressfeind Blätter abzurupfen versucht. Als Gegenleistung erhalten die Ameisen von der Flötenakazie nicht nur den benötigten Wohnraum, sondern auch als Nahrung einen süßlichen Nektar. Die Schutzmaßnahmen der Ameisen funktionieren perfekt und sind bei den Blattessern gefürchtet. Durch das Abrupfen von Blättern entsteht eine Vibration, die bei den Ameisen ein Alarmsignal zum Angriff auslösen. In nur wenigen Sekunden sind sie am Tatort der Blattesser, verströmen einen üblen Geruch und sind sehr bissig. Für Elefanten sind sie daher besonders unangenehm, wenn die Ameisen in den Rüssel laufen und sich dort mit Bissen verteidigen. Aber auch Giraffen, Antilopen und Nashörner meiden daher Flötenazien um sich nicht der Gefahr der Ameisenangriffe auszusetzen.
Folgende Ameisenarten können jeweils eine Flötenakazie bewohnen:

  • Crematogaster gerstaeckeri sjostedti
  • Crematogaster mimosae mimosae
  • Crematogaster mimosae tenuipilis
  • Crematogaster nigriceps
  • Tetraponera penzigi

Nutzung

Die Flötenakazie wird in einigen Gebieten Ostafrikas zur Herstellung von Gummi arabicum kultiviert. Die größten Anbauflächen gibt es in Tansania. Auch in der afrikanischen Naturheilkunde hat sie eine Bedeutung., Denn die Rinde und Wurzeln können für verschiedene medizinische Zwecke aufbereitet und genutzt werden.

Fotos: (c) Michael Kürschner (4)