Toujane

Land und Leute Tunesien

Toujane
Berberdorf im Süden Tunesiens

Lage

Toujane liegt in einem Tal im Dahar-Gebirge in einer kargen trockenen Berglandschaft im Süden Tunesiens aber günstig gelegen unweit der Autostraße C104. Es gehört zum Gouvernement Gabès und hat seine Lage zwischen den Städten Matmata (25 km) und Médenine (40 km). Von den Küstenorten ist Toujane  105 km von Zarzis und 125 km von Djerba entfernt.

Bild 1 und 2:  I LOVE TOUJANE und das gepflegte Restaurant Hamzaoui’s coffee break in Toujane. Es liegt auf ener Höhenlage und ist ein idealer Rastplatz für eine Pause, es bietet eine gute einheimische Küche, guten Kaffee und Tee. Von der Höhenlage des Restaurants hat man als Besonderheit einen fantastischen Blick auf die Weite der bergigen Landschaft und auf das Berberdorf Toujane.  Bild 3: Blick auf die karge bergige Landschaft vom Restaurant Hamzaoui’s coffee break.

Der Ort Toujane

In Toujane gibt es viele verfallene Häuser, die zum Teil schon seit Jahrzehnten zu Ruinen zerfallen. Heute leben noch etwas über 1000 Einwohner. Die Anzahl hat sich seit den 1970er Jahren deutlich verringert, weil es keinen Strom und fließend Wasser gab. Zwischenzeitlich hat sich aber die Infrastruktur des Ortes verbessert. Der Ort ist heute praktisch in zwei Ortsteile gegliedert. Mit einem Teil, der in der tiefer gelegenen Talsohle mit dem höheren Anteil an Ruinen besteht und einem Ortsteil der weiter höher liegt und die Verbindung zur Durchgangsstraße hat.  Hier überwiegt der Anteil der Neubauten mit verbesserter Infrastuktur.
Die Wirtschaftlichkeit der Region und insbesondere der Ort Toujane ist als sehr gering einzuschätzen. Dank der verbesserten Infrastruktur und der Durchgangsstraße kann zumindest der Tourismus einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung bringen, aber leider nur mit einer verhältnismäßig kurzen Verweildauer, weil es nur sehr wenige Gästeräuser oder Beherbergungsbetriebe gibt ist der Tagestourismus die Regel. Der durchschnittliche Tourist nutzt die Möglichkeit für fantastische Landschaftsfotos, macht eine Getränkepause oder bleibt zum Essen und im besten Fall geht noch ein Souvenier.
Als ein zweites Standbein der Wirtschaftlichkeit gilt die typische Teppichwebkunst der Berberfrauen, die in traditionellen bunten Farben hergestellt werden und von Händlern in den Großstädten und Touristikzentren des Landes verkauft werden. Die Land- und Viehwirtschaft ist die dritte lebensnotwendige Säule des Dorfes, dient aber zum größten Teil der Eigenversorgung aller Bewohner in der Region. 

Bild 4: Neben vielen Neubauten findet man in Toujane auch genügend zerfallene und verlassene Gebäude, die auf Grund von Witterungseinflüssen und Materialermüdung nicht mehr bewohnbar sind. Bild 5:  Wie fast überall im Süden Tunesiens werden auch in Toujane die Sandrosen vielfach zum Kauf angeboten. Bild 6: Eine Frau in Toujane schöpft für den Tagesbedarf Wasser aus einem Brunnen.

Geschichte

Mit gutem Grund kann man Toujane als einen historischen Ort bezeichnen, der die traditionellen Werte bewahrt hat.  Gegründet wurde der Ort Toujane im 12. Jahrhundert als die Araber in Nordafrika einfielen. Dörfer wie Toujane waren letztendlich ein Zufluchtsort im kargen und schwer zugänglichen Dahar-Gebirge. Ihre Bauten passten sich natürlichen Gelände an und waren für Eindringlinge schwer zu erobern. Als einen weiteren Schutzfaktor dienten die berühmten Ksour (befestigte Speicherburgen), die bis in die Neuzeit ihren Bestand hatten.
Auch wenn wir die Bevölkerung als Berber bezeichen, hören sie es selbst nicht gerne, denn sie nennen sich Amazigh (im plural Imazighen), was in der Bedeutung übersetzt  als “freier Mensch” zu verstehen ist. Ihre historische Eigenbezeichnung steht auch für Unabhängigkeit, Stolz und tief verwurzelter Verbundenheit mit Ihrer Nordafrikanischen Heimat. Von den verschiedenen Völkern die in Tunesien seit der Antike lebten, haben allein die Imazighen ihre Kultur durch ihr traditionelles Leben bis in die heutige Zeit in Tunesien bewahrt.
Der ursprüngliche Name Berber stammt aus dem antiken griechischen Wort “barbaraos”, man bezeichnete damit “Fremde Völker” die nicht griechisch sprachen. Über die vielen Jahrhunderte und der späteren kolonialen Zeit bekam der altgriechische Wortstamm “barbaros”  für “Barbar” einen negativen Klang, er stand eher für unzivilisiert und könnte heute kulturhistorisch als diskriminierend eingestuft werden. Auch wenn die arabische Sprache das Wort Berber übernommen hat, bestehen die Imazighen (Berber – Mehrzahl) auf ihre kulturelle Selbstbezeichnung Amazigh (Einzahl).
Historische Berühmtheit erlangte das Bergdorf Toujane im 2. Weltkrieg im Winter 1942 und im Frühjahr 1943. Die Einheiten unter dem deutschen General Rommel nutzten die steilen Pässe um Toujane als einen natürlichen Schutzwall gegen die anrückenden britischen Truppen unter General Montgomery. Dieser Kriegsschauplatz war von sehr heftigen Gefechten begleitet.
Mit der Unabhängigkeit Tunesiens 1956 änderte  langsam das gesellschaftliche Leben in Toujane mit dem Aufbau einer modernen Infrastruktur unter Wahrung ihrer kulturellen Traditionen in Sprache, Bildung und Wirtschaftlichkeit. 

Bild 7: Die natürliche Lage der Ortschaft Toujane in der kargen Berglandschaft des Dahar-Gebirges. Bild 8 und 9: Bilder von Toujane (Mai 2026)

 

Fotos: (c) Michael Kürschner  (4), Christel Selke (6)