Land und Leute Tunesien
Pfeilergrabmal in Thugga
Libysch-punisches Mausoleum von Dougga
Lage
Das Pfeilergrabmal in Thugga steht etwas Abseits von der bedeutenden archäologischen Stätte von Dougga. Thugga ist der antike Name für diesen Siedlungsbereich mit seinen numidischen und punischen Wurzeln. Nach der römischen Eroberung entwickelt sich hier eine numidisch-römische Stadt. Seit dem 6. Jahrhundert wurde mit der Islamisierung aus Thugga der Siedlungsbereich Dougga, eine heutige französische Schreibweise vom arabischen Namen Duqa, weshalb man heute auch vom libysch-punischen Mausoleum von Dougga spricht. Das Pfeilergrabmal oder auch Mausoleum von Dougga liegt etwas 125 Kilometer südwestlich von Tunis in Nordtunesien. Das Denkmal befindet sich in der Nähe des Marktplatzes der archäologischen Stätte Dougga und ist daher einfach zu erreichen.
Bild 1: In Erinnerung an bedeutende antike Sehenswürdigkeiten brachte die Tunesische Post am 16. September 1996 diese Briefmarke mit dem Numidischen Mausoleum (Pfeilergrabmal) heraus. Bild 2 und 3: Blick von der archäologischen Ruinenstätte von Dougga auf das Pfeilergrabmal, eingebettet in eine Region mit einer fruchtbaren Landwirtschaft und vielen Olivenbaumhainen.
Geschichte
Das Pfeilergrabmal als Mausoleum wurde etwa 200 Jahre v. Chr. für den numidischen Prinzen Ataban in der antiken Stadt Thugga errichtet. Es gehört zu den sehr gut erhaltenen Bauwerken aus der vorrömischen Zeit, einer numidischen Epoche aus der libysch-punischen Kultur. Was der Stein von Rosetta für die Entschlüsserung der ägyptischen Hieroglyphen war, ist das Pfeilergrabmal von Thugga für Tunesien. Auf Grund der sehr gut erhaltenen bilingualen Inschrift (zweisprachigen Inschrift) am Untergeschoss des Pfeilergrabmales konnte die numidische Schrift entschlüsselt werden. Der bedeutende siebenzeilige Text ist gleichlautend in numidischer und punischer Schrift verfasst. Der historisch wertvolle Text beschreibt die am Bau beteiligten Handwerker.
1842 ließ der englische Konsul von Tunis das numidische Pfeilergrabmal bis zur 1. Etage abreißen, nur um an die einmalige Inschrift zu gelangen. Wie der Stein von Rosetta entwendeten die Engländer auch die numidische Inschrift für eine heutige Aufbewahrung im Britisch Museum in London. Zwischen 1908 und 1910 wurde dieses für Tunesien so wichtige Bauwerk mit französischer Hilfe wieder vollständig aufgebaut. Seit 1997 steht dieses Bauwerk zusammen mit der naheliegenden Ausgrabungsstätte von Dougga auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbe.
Architektur
Das Pfeilergrabmal ist mit seiner Höhe von 21 Metern ein monumentaler, turmartiger Grabbautyp, der über den Tod hinaus eine bedeutende Repräsentation der herrschenden gesellschaftlichen Elite diente. Die architektonische Besonderheit des über 2200 Jahre alten Bauwerks liegt in der einzigartigen Weise numidische (libysche), punische und hellenistische Baustile vereint zu haben. Der Turmbau gliedert sich in drei Etagen. Die eigentliche Grabkammer befindet sich im Untergeschoss über einer fünfstufigen Basis.
Die Mitteletage ist als Schrein mit kannelierten ionischen Säulen (griechische Säulenarten) gestaltet. Das Obergeschoss ist mit Eckgriffonen (mythologische Fabelwesen) bestückt. Im unteren Teil der oberen Etage befindet sich an den Seitenwänden jeweils eine Quadriga (vierspänniger Streitwagen). Auf diesem Bauteil ist eine pyramidenartige Spitze errichtet auf der eine kleine Löwenstatue thront.
Fotos: (c) Michael Kürschner (2), Christel Selke (2)



