Ghar el-Kebir

Land und Leute Tunesien

Ghar el-Kebir
Antiker Steinbruch auf Cap Bon

Lage

Der Steinbruch von Ghar el-Kebir liegt etwa 3 km westlich von El Haouaria auf Cap Bon in Tunesien. Über Kelibia und Kerkouane kommt man über die C27 bis an die Nordspitze von Cap Bon und gelangt so leicht zum historischen Steinbruch aus der punischen und römischen Zeit von Ghar el-Kebir.

Bild 1: Blick auf den Steinbruch Ghar el-Kebir, der nur 2 km vom Ort El Haouaria entfernt ist. In der Ferne erkennt man noch die felsige Nordspitze von Cap Bon, die man von Ghar el-Kebir auch erwandern kann. 

Ghar el-Kebir bekam seine Bedeutung bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. als die Phönizier und Punier den Steinbruch für den Ausbau der Stadt Karthago nutzten. Karthago war zu dieser Zeit eine aufstrebende Großmacht und größte Handelsmetropole im Mittelmeerraum. Vom Wohlstand geprägt reichten jetzt Häuser aus Lehmziegeln und Holz nicht mehr aus. Der Bedarf an monumentalen Gebäuden aus Stein wurde immer größer und so entschied man sich für einen notwendigen Steinabbau in einem 60 Kilometer entfernt liegenden Felsengebiet im heutigen Ghar el-Kebir. Dieser entdeckte Steinbruch lag direkt am Meer, wodurch der Transport der Steine nicht mühsehlig über Land verfrachtet werden musste. Man konnte eine leichtere Transport–Variante über den Seeweg nutzen. Der wertvolle Sandstein wurde so über den Golf von Tunis direkt nach Karthago verschifft.
Die Karthager verbauten den gelb-rötlichen Sandstein für das gesamte urbane Bauwesen. Sie verwendeten die Steine für ihre großangelegten Nekropolen, für ihre meterdicke und kilomdeterlange Stadtmauer, für ihren weltberühmten Kriegshafen und den bedeutenden Hafen der Handelsschifffahrt. Innerstädtisch wurden auch die Tempelbauten und die großen Wohnkomplexe aus dem Sandstein der Küstenfelsen von Ghar el-Kebir errichtet.
Nach dem Dritten Punischen Krieg eroberten die Römer 146. v. Chr. Karthago und zerstörten in einer brutalen Art die gesamte Stadt Karthago. Das war das Ende der punischen Epoche und die gesamte Region war jetzt römisch besetzt. Erst über 100 Jahre nach dem Fall Karthagos, gab Rom unter Kaiser Augustus  um 29 v. Chr. den Auftrag für den Wiederaufnau der Stadt Karthago. Der Steinbruch wurde von den Römern wieder aktiviert und im Abbau technisch verbessert und erleichtert.  Die Römer nutzten diesen Steinbruch aber nicht nur für Karthago, sondern für die gesamte Zeit ihrer Herrschaft in der Provinz Africa.  Die heute noch sichtbaren unterirdischen Arbeiten mit den viereckigen Schächten im Fels für den Sandsteinabbau entstanden im 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr  und erst ab dem  5. Jahrhundert nach Chr. endete langsam der Abbau mit dem Untergang des Weströmischen Reiches.
Heute ist der Steinbruch von Ghar el-Kebir auf Cap Bon  nicht nur für geschichtsinteressierte ein Ausflug wert, auch die malerische Kulisse der Küstenlandschaft eignet sich bestens für Wanderungen oder einem romantischen Verweilen auf historischen Boden. 

Bild 2 – 4:  Der antike Steinbruch der Punier (Karthager) und Römer ist wegen seines höhlenartigen Abbaus in den Sandsteinfelsen als Ausflugsziel eine besondere archäologische Sehenswürdigkeit, die für historisch interessierte von Bedeutung sein kann. Die Höhlensysteme, die überweigend durch römische Abbautechnik entstanden sind, wurden über Jahre für Besucher geschlossen. Es mussten dringend Renovierungsarbeiten vorgenommen werden, weil Steinschlaggefahr und Risse an den Wänden eine Gefahr hätten darstellen können. Abwohl man von staatlicher Seite die Höhlenbesichtigungen ab April 2026 durch das Tourismusministerium wieder ermöglichen wollte, konnten wir es bei unserem Besuch am 18. Mai 2026 noch nicht bestätigen.

Bild 5: Der charakeristisch gelb-rötliche Sandstein, den man so auch oberirdisch bewundern kann.  Bild 6: Bei klarer Sicht kann man vom Gelände des Steinbruchs Ghar el-Kebir den 6 km entfernten Leuchtturm von Cap Bon sehen. Dieser Leuchtturm wurde bereits im Jahre 1875 in Betrieb genommen. Er hat eine Turmhöhe von 20 Metern und hat von den Felsklippen aus eine Gesamtleuchthöhe von 126 Metern. Sein Licht kann auf dem offenen Meer schon von einer Entfernung von  55 Kilometer zu sehen sein. 

 

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (2), Christel Selke (5)