Kerkouane

Land und Leute Tunesien

Kerkouane
Ausgrabungsstätte einer punischen Stadt

Lage

Die archäologische Ausgrabungsstätte von Kerkouane befindet sich in Nordtunesien auf der Halbinsel Cap Bon in unmittelbarer Küstennähe. Die Entfernungen in die Landeshauptstadt Tunis beträgt etwa 125 km, nach Nabeul über die Küstenstraße C27 etwa 75 km und nach Hammamet etwa 87 km über die Küstenstraße.

Bild 1: Blick auf die Ausgrabungsstätte von Kerkouan. Sie ist für Tunesien von sehr hoher Bedeutung, weil sie eine rein punische Stadt war und somit auch die historischen Wurzel des Landes dokumentiert.

Bild 2: Der Lageplan der Stadt und der archäologischen Ausgrabungsstätte Kerkouane auf der tunesischen Halbinsel Cap Bon. Bild 3: Hinweisschild am Eingang der auf das archäologische Gelände hindeutet. Bild 4: Der Stadtplan der antiken punischen Stadt mit den Kennzeichen für die Bilder von 6 bis 16. 

Auf dem Gelände der archäologischen Ausgrabungsstätte Kerkouane befand sich eine antike punische Stadt. Sie ist für Tunesien von besonderer Bedeutung, weil sie die einzige unverfälschte und erhaltene punisch-phönizische Stadt ist, doch leider ist der ürsprüngliche punische Name des Ortes nicht bekannt. Im Vergleich zu den punischen Nachbarorten Clypea/Apsis (Kelibia) und Neapolis (Nabeul) war Kerkouane mit nur 8 ha eher ein kleiner Ort. Bemerkenswert sind die vielen sehr gut erhaltenen Grundmauern der Häuser und die Ruinen zeigen ein perfekt geordnetes urbanes Straßennetz mit den vielen Wohnhäusern, Innenhöfen, öffentlichen Plätzen für soziale und wirtschaftliche Begegnungen und auch an ein religiöses Zentrum war in der einzigartigen Stadtplanung vorgesehen. Auch wenn die Bevölkerung in Kerkouane von unterschiedlichen sozialen Gesellschaften bewohnt war, kann man davon ausgehen, dass man in Kerkouane von einem guten Wohlstand gelebt hat. Bekannt sind Großgrundbesitzer, Händler, Handwerker und Fischer. Der Reichtum der Stadt beruhte wahrscheinlich auch auf die ertragreiche Landwirtschaft auf Cap Bon.
Die Häuser von Kerkouane ähnelten den in Karthago stark, doch erreichten sie größere Grundflächen von zum Teil bis zu 200 Quadratmeter. Von der Straße führte immer in jedes Haus ein 1 m breiter und  4 – 5 m langer Korridor und der führte nach der Bauplanung zu einem Innenhof. Die meisten Häuser besaßen Badezimmer mit Badewannen und mehreren Becken.
Wann die Stadt Kerkouane gegründet wurde ist nicht genau belegt. Nach Ausgrabungsfunden gehen einige Archäologen davon aus, dass die örtliche Ansiedlung der Punier zwischen 600 und 500 v. Chr. stattgefunden hat. Kerkouan erlebte mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Blütezeit im 4. Jahrhundert v. Chr., aus dieser Zeit stammen auch die Stadtplanungen und die massiven Gebäude, die man heute noch sehen kann .
Die Stadt Kerkouane wurde vermutlich im 1. Punischen Krieg 264-241 v. Chr.durch ein römisches Heer völlig zerstört, die überlebende Bevölkerung wurde in die Flucht getrieben und die Stadt wurde nie wieder aufgebaut und unbewohnbar. Da auch die Römer diese Stadt nicht nutzten, versank Kerkouane aus dem Blickfeld der Geschichte.
Die ersten archäologischen Ausgrabungen gab es erst 1952 und der größte städtische Teil von Kerkouane wurde zwischen 1958 und 1959 ausgegraben und 1979 beendet.  Da in der Antike keine fremden Kulturen Kerkouane zu eigenen Zwecken nutzten ergaben die Ausgrabungen das große Glück eine echte und reine punische Stadt entdeckt zu haben. Schon deshalb gehört die Ruinenstadt Kerkouane seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe

Bild 5: Umrissgrafik vom House with a central courtyard – Haus mit einem zentralen Innenhof (Bild 3 zeigt die Lage des Hauses mit A). Angaben zum Umriss des Hauses: 1 Innenhof, um den herum die Zimmer angeordnet sind. 2 Eingangsraum bzw. Flur zum Haus. Auf der rechten Seiten befindet sich am Ende des Ganges noch ein Schacht. 3 Treppe zum Obergeschoss und zur Terrasse. 4 Badezimmer mit einer Sitzbadewanne. 5 Wohnräume. 6 Empfangsraum. 7 Spiritueller- oder dunkler Raum. 8 Dieser Raum war die Küche. Bild 6 und 7: Blick auf die Grundmauern des Hauses mit dem zentralen Innenhof.  Auch wenn nach der antiken Zerstörung durch die Römer nicht viel übrig geblieben ist  Bild 8: Die Sitzbadewanne im Badezimmer nach dem Plan des Hauses Nr. 4 im Plan.

Bild 9 und 10:  Das öffentliche Bad mit Duschmöglichkeiten. Zu erkennen auf dem Stadtplan der antiken Stadt auf Bild 3 mit der Kennzeichnung C. Bild 11: Das Haus mit dem Peristylhof war ein Raum mit Säulen. Er war ein soziales Zentrum und Treffpunkt für Familien. Als rein privates Haus konnte ein Peristylhof auch den Wohlstand des Hauseigentümers dokumentieren. Zu erkennen auf dem Stadtplan der antiken Stadt auf Bild 3 mit der Kennzeichnung E.

Bild 12 – 13:  Maison de la rue du Sphinx – Das Haus der Sphinx. Das Gebäude befindet sich an der nach ihr benannten Straße innerhalb der Stadtreste. Die gut erhaltenen Grundmauern dokumentieren perfekt die Architektur der punischen Zeit. Zu erkennen auf dem Stadtplan der antiken Stadt auf Bild 3 mit der Kennzeichnung F.

Bild 14: Haus der Tanit. Die Tanit gehörte in der punischen Kulturepoche zu den bedeutenden Göttern. Das Zeichen der Tanit wurde gerne an Eingängen vor einer Türschwelle im mit Mosaiken gefertigen Boden angebracht. Die Symbolkraft des Zeichens stand für Schutz und Fruchtbarkeit und der Bitte um göttliche Präsenz für das Haus und der Familie. Der Standort  dieses Hauses ist erkennen auf dem Stadtplan der antiken Stadt auf Bild 3 mit der Kennzeichnung B. Bild 15: Im Juni  2026 brachte die Tunesische Post im Respekt vor der tunesischen Geschichte einen Briefmarken Block heraus mit genau diesem berühmten Motiv von Bild 14 in Kerkouane.  Bild 16: Das Zeichen der Tanit.

Bild 16: Töpferofen vor der Stadtmauer von Kerkouane, Tunesien Mai 2026. Zu erkennen  auf dem Stadtplan der antiken Stadt auf Bild 3 mit der Kennzeichnung D.

 

 

Fotos: (c) Michaerl Kürschner (10), Christel Selke (7)