Haus des Gouverneurs

Land und Leute Tunesien

Haus des Gouverneurs
Teppichmanufaktur im historischen Ambiente

Lage

Das Haus des Gouverneurs liegt in den engen Gassen inmitten der Medina in Kairouan im Viertel der Teppichhändler und ist neben dem Handel mit Teppichen auch eine eigene Teppichmanufaktur.

Bild 1 – 2: Die prunkvollen Innenräume im Haus des Gouverneurs sind ausgeschmückt mit den wertvollen Teppichen, die in diesem Haus auch gefertigt werden. Alle Räume erwecken eher ein museales Ambiente als typische Verkaufsflächen, denn jeder ausgestellte Teppich ist verkäuflich.

Kairouan ist die uneingeschränkte Hauptstadt der Teppiche in Tunesien. Das Haus des Gouverneurs, in Tunesien auch Maison du Bey genannt, war ursprünglich ein historisches Stadthaus aus dem 19. Jahrhundert und gleichzeitig auch die Residenz eines osmanischen Gouverneurs. Der Name Bey in Maison du Bey war ein Herrschertitel der im Osmanischen Reich auch für Gouverneure und Fürsten stand. Unter diesem Umständen ist es natürlich verständlich, wenn das Haus des Gouverneurs so elegant und kunstvoll noch immer in seiner historisch Architektur ausgestattet ist.
Das prachtvoller Gebäude, dass in der Medina wie ein Palast wirkt, war ursprünglich keine staatstragene Residenz, sondern ein privater Prachtbau, der wie ein Palast den Wohlstand des Gouvereurs zum Ausdruck brachte. Sein ursprünglicher Besitzer war vermutlich  Ahmed Bey der letzte osmanische Gouverneur, der in diesem Prunkbau mit seinen 5 Frauen und 22 Kindern lebte. Wie dieses Haus über die Jahrhunderte zu einem Teppichzentrum wurde, ist weniger historisch belegt und geht eher auf eine Sage zurück.
Nach der Legende, die man bis heute hartnäckig erzählt, soll die Tochter seiner 1. Frau im 19. Jahrhundert den ersten echten geknüpften Wollteppich in Kairouan entwickelt und gefertigt haben. Die Tochter des Gouverneurs soll der Legende nach über 2 Jahre an ihrer neuen Knüpfkunst und dem Design gearbeitet haben.  Als gläubige Muslima soll sie später ihr kunstvolles Meisterstück einer Moschee in Kairouan gestiftet haben. Welche Moschee diesen Teppich bekam, ist allerdings historisch nicht belegt.
Heute ist die ehemalige Residenz ein gepflegtes Teppichhaus mit dem Angebot der wertvollsten Teppiche in Kairouan und gleichzeitig auch eine Teppichmanufaktur. 

Bild 3: Auch wenn man sehr schnell nach Betreten des prachtvollen Gebäudes über die Teppiche informiert wird, ist man mit den Verkaufsangeboten nicht aufdringlich, man kann sich frei entfalten und alles auch eigenständig besichtigen.  Bild 4: An so einem Teppichknüpfstuhl oder auch Webstuhl genannt, werden noch heute die wertvollen Teppiche geknüpft. Dieser Knüpfstuhl stammt nicht aus einem Museum sondern ist Teil einer aktiv genutzten Teppichmanufaktur im Haus des Gouverneurs.  Bild 10: Die Dachterrasse kann als Teil des Rundgangs genutzt werden. Sie ist historisch liebevoll gestaltet und entspricht ganz dem Ambiente des prachtvollen Hauses. Die Dachterrasse vom Haus des Gouverneurs bietet aber noch eine andere spektakuläre Möglichkeit denn man hat von dieser Dachterrasse einen fantastischen Rundumblick auf die Altstadt von Kairouan.

 

Das ehemals private Haus des Gouverneurs gehört heute dem tunesischen Staat, der darin ein Nationales Handwerkszentrum beherbergt, auch wenn es kommerziell genutzt wird. Regionale Händler betreiben dabei eine große Teppichmanufaktur und können ihre Teppiche auch direkt an Touristen verkaufen. Kunden die einen echten Kairouanteppich erwerben wollen können beruhigt sein, denn im Haus des Gouverneurs gelten ausschließlich staatlich festgelegte Preise und zusätzlich erhält jeder Käufer ein staatliches Echtheitszertifikat, das die hohe Qualität einer echten Handarbeit und die Herkunft aus Kairouan garantiert. Das Feilschen wie bei anderen Teppichändlern in der Medina entfällt.
Nicht nur die Verkaufsflächen im historisch traditionellen Ambiente, sondern auch die Führungen und Verkaufberatungen vermitteln eine beruhigte Atmosphäre, es besteht zu keiner Zeit ein Druck oder Kaufzwang.
Sollte man sich für einen Teppichkauf entschieden haben, sind die Zahlungsmodalitäten ganz einfach geregelt. Akzepiert wird der tunesische Dinar und auch der Euro, auch eine bargeldlose Zahlung wird mit Kreditkarten akzeptiert.

 

 

Fotos: (c) Michael Kürschner (7), Christel Selke (4)